Parteibuchklüngel in der Medienaufsicht Plötzliche Karriere der Kräuterfrau

Renate Pepper soll am 13. Februar zur neuen Chefin der Medienaufsicht in Rheinland-Pfalz gewählt werden. Sie hat vor allem das richtige Parteibuch. Die Personalie zeigt, wie politischer Proporz im Rundfunk herrscht.

Von Marc Widmann

Renate Pepper ist eine fröhliche Frau, die schon mit verhaltensauffälligen Kindern arbeitete und ein Kleinkunstcafé gründete. Im Internet berichtet sie gerne aus ihrem Leben, so kann jeder nachlesen, was sie Anfang des Jahres umtrieb: "Endlich Zeit für mich haben, endlich Zeit, Privatmensch zu sein, endlich Zeit für meinen Garten."

SPD-Freunde haben im Wahlgremium bei der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz die klare Mehrheit. Der Ärger der Union wird vermutlich mit einer anderen Personalie besänftigt.

(Foto: dpa)

Nach 20 Jahren im Landtag trat Pepper im März nicht mehr für die SPD an, sie war müde, wie sie sagt. Umso mehr überraschte kürzlich die Nachricht, dass die 60-jährige Sozialdemokratin bald ein neues Amt erhalten soll: Als Direktorin der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) in Ludwigshafen - jener Einrichtung, die den privaten Rundfunk in Rheinland-Pfalz überwachen und gegebenenfalls maßregeln soll, wenn er zum Beispiel mal wieder zur Schleichwerbung greift.

Derzeit steht die LMK auch im Focus, weil sie turnusmäßig die lukrativen Lizenzen für Drittsendezeiten bei Sat1 vergibt. Offenbar sollen wieder dieselben Veranstalter zum Zug kommen wie seit 1998 - der Mainzer Medienunternehmer Josef Buchheit und der Münchner Alexander Kluge. Dagegen hat der Nachrichtensender N24 Klage eingereicht, der sich ebenfalls bewarb und am Verfahren zweifelt.

Die Führung der LMK ist seit dem Tod des langjährigen Chefs Manfred Helmes, der die Anstalt prägte, im September verwaist. Rasch nach Peppers Nominierung keimte der Ärger auf über die späte Karriere der SPD-Frau und Hobbygärtnerin mit einer Vorliebe für Heilkräuter.

"Das ist Parteipolitik", sagt zum Beispiel Günther Gremp. Er sitzt für die Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände in der großen Versammlung der LMK, vor allem aber ist er Chef einer einflussreichen Runde: des CDU-Freundeskreises. Wie so häufig in der deutschen Rundfunkwelt ist auch die kleine Behörde in Ludwigshafen sorgfältig aufgeteilt in CDU- und SPD-Freunde.