Neues Frauenmagazin "Flair" folgt dem Trend Jetzt also wohnen

Tolle Fotos, ein bisschen rotzig und trotzdem elegant: Der Mediengruppe Klambt gelingt mit "Flair" ein überraschend schönes Modeheft. Ganz im Trend liegt der Interieur-Aspekt - auch die Konkurrenz brachte kürzlich ein "Wohn & Fashion-Magazin" heraus.

Von Katharina Riehl

Auf die für Verleger ja nicht ganz unwichtige Frage, was Frauen eigentlich wollen, hat die Mediengruppe Klambt in den vergangenen Jahrzehnten immer recht ähnliche Antworten gefunden.

Mehr als 50 Zeitschriften erscheinen bei Klambt, darunter viele Rätsel-Hefte, aber auch die Titel Die Neue Frau, Woche der Frau, Frau mit Herz, 7 Tage, Heim und Welt. Darin geht es - mit leicht variierter Schwerpunktsetzung - um Liebe und Leiden an europäischen Höfen oder bei sonstwie Prominenten. Zuletzt kamen Ok!, In und Grazia (letztere im Joint-Venture mit Gruner + Jahr) dazu, wo ähnliche Geschichten anders kombiniert und auf besseres Papier gedruckt werden.

An diesem Mittwoch bringt Klambt ein neues Magazin an den Kiosk - und dass der Verlag davon spricht, mit dem Heft noch einmal das Portfolio zu erweitern, ist nun wirklich nicht übertrieben. Flair ist ein 230 Seiten starkes, auf dickes, mattes Papier gedrucktes Buch, um "fashion & home" soll es laut Titelzeile gehen, dem Inhaltsverzeichnis zufolge auch um Zeitgeist. Die Anzeigenkunden verkaufen der Aufmachung entsprechend teure Handtaschen und Sitzmöbel.

Die Marke Flair gibt es in Italien schon länger, im Verlag Mondadori, aus dem auch schon Grazia stammte. Für die deutsche Ausgabe hat man dem Modeheft nun den Interieur-Aspekt hinzugefügt, was wieder mal ein schönes Beispiel ist dafür, dass jede Zeitschriftensaison eben so ihre Trends hat. Seit Anfang des Jahres erscheint Couch im Verlag Gruner + Jahr (Brigitte, Gala), "das erste Wohn & Fashion-Magazin"; gemacht wahrscheinlich für jüngere Frauen als Flair und sehr viel bunter, aber eben auch Anziehen und Einrichten.

Flair gibt es von dieser Woche an monatlich, 100.000 Exemplare will Klambt pro Ausgabe verkaufen - was bei einem Preis von 3,50 Euro, der dem Verlag zufolge kein "Einführungspreis" sein soll, durchaus denkbar erscheint. Vor allem aber ist Flair einfach ein schönes Heft, toll fotografiert, ein bisschen rotzig und mit viel Weiß trotzdem sehr elegant aufgemacht. Die Texte dazwischen wollen anspruchsvoll sein, schon auf dem Titel wird immerhin ein "Essay" versprochen.

Auf Distanz zum sexy Feminismus

Das handelt dann von der Frage, ob Facebook uns einsam macht, und dass Flair nicht gerade die erste Publikation ist, die in dieser Frage ein Zeitgeistthema erkennt, zeigt auch die Schwierigkeiten von Neueinführungen. Umso hübscher, dass die Autorin Meredith Haaf sich in Flair von der Idee des sexy Feminismus distanziert, der sie vor ein paar Jahren ein ziemlich umstrittenes Buch (Wir Alphamädchen) gewidmet hat. Prominente gibt es in Flair natürlich auch. Sie leiden aber nicht. Sie wohnen schön.

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