Models in der Brigitte Gelobt und gescholten

Brigitte ist für "Ohne Models" gelobt und gescholten worden, je nachdem, wie sehr man das Projekt als PR-Gag wertete. Manche nannten es verlogen, dass Brigitte die normale Frau lobte, nach Weihnachten aber trotzdem die Brigitte-Diät auf den Titel nahm. Tatsächlich geht der Trend auch anderswo weg vom Foto, das Mode an Models zeigt. Lieber zeigen Frauenmagazine die Klamotten heute an Schauspielerinnen, Musikerinnen, Schriftstellerinnen.

Klar ist jedenfalls, dass die modelfreie Zeit den Abwärtstrend bei der Brigitte-Auflage nicht stoppen konnte: Seit 2002 sanken die Verkaufszahlen von 801 574 Stück auf aktuell 601 696 Exemplare, eine nachhaltig positive Auswirkung des Projekts lässt sich an den einzelnen Zahlen nicht ablesen.

Der einzige Grund für eine mögliche Rückkehr zu professionellen Models dürfte das aber nicht sein. Waren die Anzeigenkunden, bei denen Schäfer offenbar besonders für Brigitte werben soll, mit der Aktion nicht zufrieden? Eine Rolle könnte spielen, dass die redaktionelle Arbeit mit "normalen Frauen" sehr aufwendig sein soll. Die Redaktion muss ohne die Hilfe und die Karteien von Modelagenturen passende Frauen finden und auswählen; auch die Fotoshootings mit den Laien sollen sehr arbeitsintensiv sein. Bezahlt werden den Hobby-Models trotzdem, so heißt es auf der Website, "vergleichbare Honorare" wie den Profis. War die normale Frau für Brigitte am Ende zu teuer?

Auf Anfrage zu Gründen für den Strategiewechsel oder zu konkreten Plänen bei Brigitte in Bezug auf die Aktion "Ohne Models" erklärt der Verlag, dass man unter der neuen Doppelspitze bei Brigitte - mit Stephan Schäfer und Brigitte Huber - derzeit alles auf den Prüfstand stelle, "was bei einem Führungswechsel ja normal" sei. Und so nehme man "unter anderem auch die Ohne Models-Idee unter die Lupe". Ansonsten, so heißt es weiter, "werden Brigitte Huber und Stephan Schäfer Mitte September erstmals Einblick in ihre Pläne und Ideen geben". Ein Dementi ist das nicht.