sueddeutsche.de: Die Staatsanwaltschaft selbst ist sehr zurückhaltend mit Meldungen.

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Buback: Es gibt sicher gute Gründe für Zurückhaltung, aber es muss nicht alles in Schweigen gehüllt werden. Im August vorigen Jahres wurde eine Hausdurchsuchung bei Verena Becker gemacht. Bis heute weiß ich nicht, ob auf den beschlagnahmten Datenträgern Hinweise auf die "Buback-Geschichte" gefunden wurden, die Verena Becker angeblich aufschreiben wollte. Wurde überhaupt der Name "Buback" auf den Datenträgern gefunden? Wenigstens das müsste man doch sagen können, ohne die Ermittlungen zu gefährden. Als es kürzlich den Amoklauf eines Schülers auf seine Schule gab, teilte bereits am nächsten Tag eine Oberstaatsanwältin in den Medien mit, dass die Tat auf dem Computer des Täters angekündigt gewesen sei. Warum erfährt man nichts über Daten auf Verena Beckers Computer?

sueddeutsche.de: Haben Sie mal nachgefragt?

Buback: Ich habe auf meine Sachfragen seit vielen Monaten von der Bundesanwaltschaft keine Antwort mehr erhalten. Mich wundert, dass Journalisten so wenig nachfragen, aber vielleicht bekommen sie ja auch keine Antworten. Es ist ja schon wieder fast drei Jahre her, dass ungeheuerliche Dinge bekannt geworden sind. Die drei Menschen, die angeklagt und verurteilt wurden, waren nicht die unmittelbaren Täter. Das weiß man mittlerweile. Das erzwingt ja praktisch die Frage, wie so etwas passieren konnte. Und Christian Klar hat einem anderen Häftling angeblich gesagt: die Verena Becker hat geschossen. Dem muss man doch nachgehen! Auch die Bundesregierung hat gesagt: wir verlangen eine restlose Aufklärung. Auch sie wartet wohl noch auf den klärenden Bericht. Da wäre es an den Journalisten, mal nachzuhaken.

sueddeutsche.de: Sie vermissen journalistische Hartnäckigkeit? Buback: Die Presse soll ja nicht ermitteln - aber die Ermittlungen durch Nachfragen beflügeln, das ginge schon. Es wäre gut, wenn sich Journalisten nach angemessenen Zeitabschnitten erkundigten, wie es um die Klärung steht. Leider versickert das Interesse an dem Fall immer wieder. Für die Redaktionen ist es natürlich schwierig, die Aufmerksamkeit wach zu halten, wenn es so wenig Information gibt.

sueddeutsche.de: Das heißt, Sie sind von den Medien einerseits enttäuscht, anderseits schätzen Sie den Erfolg medialer Berichterstattung?

Buback: Es gab Unterstützung für mein Anliegen, aber auch Desinteresse. Ein ehemaliger Verfassungsschutzbeamter sagte, es habe massenhaft Unzulänglichkeiten bei den Ermittlungen gegeben. Da muss doch geklärt werden, ob Schlamperei oder eine "schützende Hand" am Werke waren. Beides ist doch äußerst beunruhigend. Ich wünschte mir, dass man den Fall nachdrücklicher begleitet. Ich selbst kann da nicht mehr viel tun.

Michael Buback, Der zweite Tod meines Vaters, Knaur Verlag

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  1. "Die Presse kann Ermittlungen beflügeln"
  2. "Sechs Zeugenaussagen"
  3. Sie lesen jetzt "Die Presse soll ja nicht ermitteln"
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(sueddeutsche.de/jja)