9Live stellt Live-Betrieb ein Aus für Call-in

Der Spielesender 9Live wurde einst als neuartiges Transaktionsfernsehen gefeiert, war aber nur ein Glücksspielkanal, bei dem Zuschauer ihr Geld loswurden. Jetzt soll nach zehn Jahren Schluss sein.

Von Caspar Busse

Der Sender war einst als neuartiges Transaktionsfernsehen gefeiert worden, in Wirklichkeit war er von Anfang an ein Glücksspielkanal, bei dem viele Zuschauer viel Geld loswurden. Finanziert hatte sich 9Live nicht in erster Linie über Werbeeinnahmen, sondern über gebührenpflichtige Anrufe.

Call-in hieß das neudeutsch. Jetzt aber soll nach zehn Jahren Schluss sein. Von Anfang Juni an soll der Kanal kein Live-Programm mehr senden, teilte Thomas Ebeling mit, der Chef von Pro Sieben Sat 1 Media. Der Fernsehkonzern hatte den 9Live einst gekauft und große Hoffnungen auf das Geschäftsmodell gesetzt.

Stattdessen gibt es zunächst deutsche Serien und Filme auf 9Live. Wie es weitergehen soll, auch mit den rund 60 Stellen bei 9Live, ist noch nicht entschieden. Denkbar ist offenbar, dass der neue Frauensender Sixx künftig statt 9Live senden könnte. Das aber muss erst mit der lizenzgebenden Landesmedienanstalt in Bayern geklärt werden. Auch die Ableger der Gewinnspielsendungen bei Sat 1, Pro 7 und Kabel 1 künftig weg.

"Das ist kein Verlust für die deutsche Fernsehlandschaft, wenn die Pro-Sieben-Sat1-Gruppe auf Gewinnspiele im Rundfunk verzichtet", sagte Thomas Langheinrich, Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LfK), der SZ.

Künftig solle sich der Konzern um mehr gutes Programm bemühen, das würde auch dazu beitragen, das Image zu verbessern. Das Geschäftsmodell der Mitmachsender wurde durch eine Verschärfung der Vorschriften der Landesmedienanstalten stark beeinträchtigt. Es wurden auch Bußgelder wegen Irreführung der Zuschauer verhängt. Der Umsatz von 9Live war regelrecht eingebrochen.