Leipzig-Tatort "Schwarzer Afghane" Viel Feuer, wenig Inhalt

Die Leipziger "Tatort"-Kommissare Andreas Keppler (Martin Wuttke, links), Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Kriminaltechniker Wolfgang Menzel (Maxim Mehmet).

(Foto: dpa)

Leipzig folgt seinen "Tatort"-Vorgängern: Klischees werden bedient, wichtige Themen ausgespart. Zuerst brennt ein Student, dann eine Halle und der Hausmeister ist Ausländerfeind. Dazu tickende Countdowns, die die eigentliche Problematik des Drogenhandels verdrängen.

Von Holger Gertz

Bei diesem Tatort vom MDR handelt es sich um eine leicht entflammbare Angelegenheit. Ganz am Anfang verglüht ein Mann, ein junger Afghane, dann steht eine Lagerhalle in Flammen. Man lernt einiges über brandgefährlichen weißen Phosphor, schließlich droht ein Flugzeug zu explodieren, einem Menschen muss der Sprengsatz vom Körper entfernt werden.

Ständig tickt ein Countdown runter, das erzeugt eine Spannung, allerdings nur eine oberflächliche. Denn über die innere Spannung der zahlreichen Protagonisten erfährt man wenig, richtig warm wird man mit keinem. Noch nicht mal mit dieser jungen Frau, die zwar den norddeutschen Namen Mette Müller trägt, aber aussieht wie Momo, die sich in die Gegenwart rübergerettet hat.

Es geht um Drogenhandel, Kriegstraumata; das sind begriffliche Hüllen, die nicht mit etwas Fühlbarem gefüllt werden. Dafür wird jedes Klischee bedient: Natürlich ist der Hausmeister eher ein Ausländerfeind, der sagt, dass "die nur hier sind, um Kindern Drogen zu verkaufen". Und natürlich ist die Hochschullehrerin eher eine Ausländerfreundin, sie sagt: "Da hat einer eine andere Hautfarbe - und unsere Polizei stempelt ihn ab." Und natürlich stolpern die Kommissare genau dann am Fluss herum, wenn sie einen Hinweis brauchen könnten. Und - natürlich - liegt genau dann ein Handy im Fluss, es blinzelt freundlich aus dem Wasser raus.

Übrigens sind auch diesmal wieder bislang unbekannte Mächte aktiv, von einem geheimen Terrorabwehrzentrum ist die Rede. Bei den Episoden in Hannover, Bremen und Wien war es zuletzt ähnlich, beim Tatort ist die Phase der verschwörerischen Zellen und staatsfeindlichen Organisationen angebrochen, das führt zu dramaturgischer Schwurbelei. Wie wäre es - zur Abwechslung - mal wieder mit einer Menschengeschichte? Eine strauchelnde, zweifelnde, hoffende, scheiternde, sterbende und deshalb überlebende Person nahegebracht zu bekommen, wie neulich diesen Gisbert. In ein paar Wochen kommt der Tatort wieder vom Bayerischen Rundfunk, das ist sehr gut so.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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