Jürgen Todenhöfer - ein Porträt Zurück im Glück

Er stichelte einst gegen Helmut Kohl und legte sich mit Hubert Burda an. Nun wird Jürgen Todenhöfer 70 - und schenkt sich selbst und anderen ein Buch.

Von Hans-Jürgen Jakobs

Timing ist alles. Just am Tag, an dem sein langjähriger Arbeitgeber nach Potsdam zum alljährlichen Bambi-Party-Gaudium lädt, zieht Jürgen Todenhöfer am Heimatort München seine eigene Show hoch. Der Mann, der 22 Jahre lang Top-Manager des Verlegers Hubert Burda war, präsentiert in einem Restaurant gegenüber dem Nationaltheater sein neues Buch.

Jürgen Todenhöfer bringt ein neues Buch über das Glück heraus.

(Foto: dpa/dpaweb)

Nach Bestsellern über das Kriegswesen im Irak und in Afghanistan legt er den staunenden Journalisten einen Titel vor, der gut in die Vorweihnachtszeit passt und dabei reichlich Autobiographisches einstreut: Teile dein Glück - und du veränderst die Welt. Die Botschaft ist Selbstbeschreibung: 95 Prozent seines Vermögens stecken inzwischen, nach eigenen Angaben, in sozialen Projekten, zum Beispiel in einer Stiftung für Menschen mit Multipler Sklerose. Auch Todenhöfers Tochter Nathalie ist daran erkrankt. Sie ist an diesem Mittag ebenso wie die anderen Kinder Todenhöfers in der "Opernstube" dabei. Der Nachwuchs hatte vorab einen Rat: "Gib bitte nicht den Moses."

Zeit seines Lebens hat Todenhöfer Aphorismen ersonnen und ersammelt, wie die Umwelt jetzt erfährt. Einmal sollten solche Kurzweisheiten sogar den Zweck einer geplanten Familienstiftung in Freiburg beschreiben, aber das Regierungspräsidium lehnte den Antrag in der literarischen Form ab. Da ging der Stifter lieber nach Liechtenstein und teilte dies gleich den Finanzbehörden mit.

Hundert Aphorismen zieren nun das neue Buch. "Verzichte auf äußere Ehren! Ehre selber!", heißt es da, oder: "Meide Nichtstuer, Playboys und Müßiggänger. Die einzige Rechtfertigung für Wohlstand ist harte Arbeit und soziales Engagement."

Alles ein bisschen Marc Aurel, Soziallehre und Kalenderabrissblatt, auf jeden Fall bemerkenswert persönlich. Dazu gibt es Anekdoten aus einem prallen Leben in Medien, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft: Sie spiegeln das Ringen um das Gute im Menschen und die Kämpfe eines nahbaren Außenseiters. Todenhöfer widmet das Glücksbuch seinem durch Suizid aus dem Leben geschiedenen Bruder Joachim - es erscheint zielgenau an diesem Freitag zum 70. Geburtstag des Autors. Material für Porträts liefert er somit frei Haus.

Da ist die Sache mit Helmut Kohl, dem übergewichtigen Führer der CDU, der eine politische Karriere des aufmüpfigen Todenhöfer in Bonn verhindert hat. Dessen ketzerischen Satz "Im Schlafwagen kommt man nicht an die Macht" hat Kohl nie verziehen. Und so wurde der smarte Bundestagsabgeordnete (1972 bis 1990) in seiner Partei zum "politischen Paradiesvogel", zum Mitglied einer "Stahlhelmfraktion", die in den achtziger Jahren nicht begreifen wollte, dass die deutsche Einheit nimmer kommt. Kohl habe selbst nach dem Fall der Mauer weiter gezögert, schreibt Todenhöfer, die CDU/CSU-Pressestelle habe wochenlang das Wort "Wiedervereinigung" nicht erwähnen dürfen.

In Bonn gelang dem CDU-Parlamentarier Todenhöfer das Kunststück, permanent in Presse und Fernsehen präsent zu sein, auch mit Reisen zu Chiles Diktator Pinochet oder ins sowjetisch besetzte Afghanistan. Das machte ihn bei Kohl umso verdächtiger, und so landete das PR-Talent in den Medien, bei Hubert Burda, dem Herrn über Bambi und Bunte. Mit dem Schulfreund aus Offenburger Tagen hatte er sich auf dem Pausenhof einst kräftig geprügelt. Burdas Reichtum habe ihm nie "imponiert", schreibt Todenhöfer, wohl aber die Entschlossenheit, mit der Burda darum kämpfte, das elterliche Unternehmen ins 21. Jahrhundert zu führen. Bis zum Eintritt in den Verlag seien sie "dicke Freunde" gewesen, "danach mussten wir unser Verhältnis neu definieren". Es habe "harte Konflikte" um den richtigen Kurs gegeben.

Vom Vater zum Verleger auserkoren

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