Der Fall Kachelmann ist ein mediales Rennen um Vorfreisprüche und Vorverurteilung. Was richtet Journalismus an, was richtet er aus?
Man konnte in den vergangenen Monaten fast alles über die Sexualpraktiken des Wetteransagers Jörg Kachelmann erfahren und jetzt auch lesen und hören, wie das so im Gefängnis ist. Einen knappen Tag nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft brachten Sender ein Video, in dem der wegen Verdachts der besonders schweren Vergewaltigung und wegen Körperverletzung angeklagte Kachelmann seine Hafterfahrungen schilderte: "Furchtbar." Zusätzlich gab er dem Spiegel ein Interview über seine Zeit im Knast. Er sprach über Frauen, über seine Fehler, über sein Gewissen und zeigte den Journalisten seinen Gefängnisausweis, der ihn als Hausreiniger 1/3 in der Justizvollzugsanstalt Mannheim auswies. "Schänzer" nennt man im Gefängnis so einen, der die Post austrägt und die Klos putzt.
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Im Zentrum der Berichterstattung: Jörg Kachelmann, hier bei seiner Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt in Mannheim. (© dpa)
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Eigentlich ist "Schänzer" kein schlechter Begriff für das, was sich im Fall Kachelmann in den Medien abspielte und was sich abspielt. Es wurde abgeliefert, was das Publikum angeblich sehen, hören und lesen wollte. Bei der Verrichtung wurden die öffentlichen Klos mal beschmutzt und mal wurde versucht, sie zu putzen. Der Boulevard reagierte routiniert aufgeregt. Seriöse Blätter wie der Spiegel, die Zeit und auch die Süddeutsche Zeitung berichteten ausführlich über die Gutachterschlacht "im spektakulärsten Kriminalfall des Jahres", wie vorige Woche der Stern verkündete. Ein Teil der veröffentlichten Meinung schlug sich auf die Seite von Kachelmann, andere trauten eher dem Opfer. Einige versuchten, neutral zu bleiben. Angesichts der Fülle der Berichte war in Medien die Rede von einem "Mediengericht".
Der "Prozess wurde schon vorab geführt", meinte Mitte voriger Woche, pünktlich zur Entscheidung des Karlsruher Oberlandesgerichts im Fall Kachelmann, die Frankfurter Rundschau. Stimmt das wirklich? Ein Teil der Öffentlichkeit beschwerte sich über das Rattenrennen im Fall Kachelmann; einige der Mahner hatten vorher die Tagesschau kritisiert, weil die sich angeblich aus Gründen der Kumpanei lange Zeit nicht mit dem Fall des Meteorologen beschäftigt hatte. Wer als Journalist über den Fall Kachelmann schreibt, äußert sich also über seinen eigenen Beruf, über den Alltag, über die Umstände seiner Arbeit und das auch deshalb, weil das angebliche Opfer Moderatorin beim Privatradio ist und weil der angebliche Täter oft im Fernsehen zu sehen war. Kachelmann bezeichnet sich selbst im Interview als einen "viertklassigen TV-Prominenten" - ein Widerspruch in sich.
Wenn junge Leute nach ihren Berufswünschen gefragt werden, sagen sie nicht selten, sie wollten "irgendwas mit Medien" machen. Irgendwie gehören also auch der Wettermann und die Radiofrau dazu. Ursprünglich wollte die Radiofrau Toningenieurin werden, dann hat sie Medientechnik studiert. Fernsehen fand sie nervig. Das sei "wahnsinnig aufwendig", sagte sie mal: tausend Leute für ein Fitzelchen Beitrag und dann noch die Schminkerei - "nervig". Sie absolvierte ein Volontariat bei einem Privatradio, war Redakteurin und Moderatorin und machte dann nach einer betriebsbedingten Kündigung als "Freie" weiter. Drei Wochen im Monat zunächst. Weil sie immer Zeit für Kachelmann haben wollte, sagt sie, habe sie ihre Berufstätigkeit reduziert. Seit 2007 hat sie nur noch eine Woche im Monat gearbeitet. Verdient hat sie 600 bis 1000 Euro. Sie sei dennoch über die Runden gekommen.
Bevor sie Anzeige erstattete, sagte sie in einer Vernehmung, sei ihr schon klar gewesen, dass die Medien rausbekommen wollten, wer das "angebliche Opfer" sei, wo die Frau herkomme, wer die Frau sei. Dann werde die "Hölle losbrechen" habe sie geahnt. Aber was dann passiert sei, sei noch schlimmer gewesen. Stückchen für Stückchen sei alles veröffentlicht worden, jedes "schmutzige" Detail. Während Kachelmann im Gefängnis alle Sendungen mied, die mit seinem Fall zu tun haben könnten, verfolgte sie alles, und das war nicht gut für ihre Seele. Ein Traumatologe schrieb in einem Gutachten, der Umgang in der Presse und im Internet habe sich "fatal" auf ihre Gesundheit ausgewirkt. Sie habe mit therapeutischer Unterstützung noch ein paar Sendungen machen können, aber als dann an einem Wochenende im Juni vorab gemeldet worden sei, ein Gutachten stelle ihre Glaubwürdigkeit in Frage, habe sie Selbstmordgedanken gehabt. An Arbeit war nicht mehr zu denken.
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ist sie denn nun, die Frau Rückert? Journalistin oder Reporterin? Ganz gleich, was sich da hinter den Kulissen, also zwischen dem Anwalt von Herrn Kachelmann und Frau Rückert abgespielt hat, es war saubere Recherche und blitzblanke Schlussfolgerung, was sie in der "Zeit" geschrieben hat. Und Sie sollten bei der Beurteilung nicht so sehr den Neid durchblicken lassen, sondern sich bemühen, etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen. Früher war die Süddeutsche dafür bekannt, sie war die Zeitung mit der "Feinen Feder". Heute mag ich nicht einmal mehr den vielgelobten Herrn Prantl auf WDR5 hören, wenn er unvorbereitet wirr redet.
Na ja, wenn Sie hier alles so verfolgen können, haben Sie wohl reichlich Zeit - Sie habe ich hier überhaupt noch nicht wahrgenommen!
Es ist ja wunderbar, wenn Sie alles wissen, und ich gebe hier keine Erklärung ab und würde vorschlagen, dass Sie sich um sich kümmern!
Hauptsache, Sie wissen, was mit mir los ist! Sehr putzig!
"ich lache sehr, sehr viel, was dazu führt, dass viele Menschen zu mir Kontakt suchen!"
"Ich überbrücke mit dem Forum zurzeit die Sommerflaute am Arbeitsplatz,..... mein LEBEN findet ganz woanders statt!"
Na ja, ich glaube Sie haben ein gewaltiges Problem der Selbstwahrnehmung. Der Tenor Ihrer Kommentare macht Punkt 1 sehr unwahrscheinlich.
Punkt 2 ist schlicht falsch. Wer durchschnittlich 10 postings pro Tag alleine in der SZ veröffentlicht (rechnen Sie nach) - und dabei die Artikel und Foristen Beiträge auch noch lesen muss, der ist süchtig oder beschäftigungslos (wobei letzteres kein Wunder wäre, denn für etwas Anderes dürfte Ihnen die Zeit fehlen).
Wenn Kachelmann vor 30 Jahren "Kinder geschändet" hätte, wäre das wohl genau so verjährt wie bei den "zumeist hochverklemmten" Klerikern (oder auch freigeistigen Odenwaldschullehrern). Dann wär er eben auch nicht in Haft.
Und @Teddix: Vielleicht sollten Sie sich den Text mal im Zusammenhang durchlessen. Dass "die echten Entscheidungsprozesse ..vorenthalten" werden, steht dort nur im Zusammenhang mit den "Deals" (Verständigungen im Strafprozess). Und solche "Deals" kommen meist erst in der Sitzung zustande, so dass das Urteil nicht schon "zur Eröffnungssitzung" fertig in der Tasche ist.
Aber jeder denkt sich halt die Welt, wie sie ihm gefällt und wie sie in die selbstgezimmerte Schublade passt.
dass gegen Kachelmann eine Anzeige vorliegt, gegen die "Kleriker" aber nicht.
Dann: Die Justiz hat nicht vier Monate gebraucht, um festzustellen, dass kein dringender Tatverdacht vorliegt. Sondern sie hat vier Monate gebraucht, um festzustellen, dass kein dringender Tatverdacht "mehr" vorliegt.
Wenn Sie, wudd, feststellen: es macht keine Freude mehr - dann magt es früher also durchaus Freude gemacht haben, oder ?
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