Grimme-Preis 2014 Doppelte Ehre für den "Tatort"

Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser im Grimme-prämierten Tatort Angezählt.

(Foto: rbb/ORF/Petro Domenigg)

Triumph für die ARD und ihre Dritten, aber kein Preis für den ZDF-Favoriten "Unsere Mütter, unsere Väter": Die Gewinner der 50. Grimme-Preise stehen fest. Die Privatsender müssen sich mit einem Trostpflaster begnügen.

Überreicht werden die Grimme-Preise 2014 erst am 4. April in Marl - die Gewinner stehen jedoch bereits jetzt fest. Aus 57 Nominierten der öffentlich-rechtlichen Sender und neun Formaten aus dem Privatfernsehen wählten die Jurymitglieder zwölf Gewinner. Triumphieren kann die ARD mit ihren Dritten Programmen und Arte. Das ZDF zieht mit drei Grimme-Preisen deutlich den Kürzeren. Das Duo Joko & Klaas holt mit der Pro-Sieben-Show Circus HalliGalli die einzige Auszeichnung für einen Privatsender.

In der Kategorie Fiktion wurden fünf Produktionen ausgewählt, darunter das Doku-Drama Eine mörderische Entscheidung (NDR/Arte) über einen von der der Bundeswehr angeforderten Bombenangriff auf zwei von den Taliban entführte Tanklaster in Afghanistan 2009, Grenzgang (WDR/NDR), die Serie Zeit der Helden (SWR/Arte) sowie Tod in Eberswalde (WDR) über den Sexualstraftäter Erwin Hagedorn.

"Das letzte Fernseh-Lagerfeuer"

Auch der Wiener Tatort Angezählt (RBB/ORF), der im Rotlichtmilieu spielt, wurde in der Kategorie Fiktion geehrt. Das bedeutet eine doppelte Ehre. Denn zusätzlich geht in diesem Jahr eine besondere Ehrung des Preisstifters DVV (Deutscher Volkshochschul-Verband) an die Reihe Tatort insgesamt. Das war bereits mit den Nominierungen im Januar angekündigt worden. Die Sendung habe Kultstatus erreicht und das deutsche Fernsehen über vier Jahrzehnte bereichert, hieß es zur Begründung. Die Krimi-Reihe sei "zum letzten Fernseh-Lagerfeuer geworden", das generationsübergreifend die Zuschauer in seinen Bann schlage. Damit wird zur bevorstehenden 50. Verleihung des Preises "erst- und einmalig" keine Einzelpersönlichkeit, sondern ein Programmformat ausgezeichnet.

Völlig leer ging der historische Dreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter (ZDF) über das Schicksal einer Berliner Clique während des Zweiten Weltkriegs aus, ebenso der dreifach nominierte Nischensender Tele 5.

Weitere Preise gewannen die Dokumentation Betongold über den Berliner Immobilienmarkt (RBB/Arte), die NDR-Dokumentation The Voice of Peace über den Aktivisten Abie Nathan, die Satirereihe Sonneborn rettet die Welt (ZDF/ZDF neo), die BR-Dokumentation Restrisiko über den sogenannten Maßregelvollzug und der Film Work hard - play hard (ZDF/Arte) über die moderne Arbeitswelt. Der dritte Preis für das ZDF ging an das Neo Magazin von Jan Böhmermann, Matthias Schulz und Philipp Käßbohrer.

"Auch der Jubiläumsjahrgang bietet herausragende Fernsehproduktionen mit einer großen Bandbreite an Formen, Inhalten und ganz individuellen Handschriften", sagte Grimme-Direktor Uwe Kammann.

Die feierliche Verleihung findet am 4. April im Theater der Stadt Marl statt. Auch Bundespräsident Joachim Gauck wird vor Ort sein. Im vergangenen Jahr hatte die Nominierung des RTL-Formats Ich bin ein Star, holt mich hier raus für Schlagzeilen gesorgt, die Sendung ging dann jedoch leer aus.

Eine vollständige Aufstellung der für die diesjährigen Grimme-Preise nominierten Formate finden Sie hier.