Früherer MDR-Chef Udo Reiter tot aufgefunden

Der Gründungsintendant des Mitteldeutschen Rundfunks, Udo Reiter, ist tot auf seiner Terrasse gefunden worden. Er wurde 70 Jahre alt.

Der Journalist Udo Reiter ist am Freitagvormittag tot auf der Terrasse seines Hauses in Gottscheina bei Leipzig aufgefunden worden. Ein Fremdverschulden ist wohl auszuschließen: Die Polizei gehe nicht von einer Straftat aus, sagte ein Sprecher SZ.de.

Gründer der Drei-Länder-Anstalt

Reiter war von 1991 bis 2011 Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks. Als Gründungsintendant führte er Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen 1991 in der Drei-Länder-Anstalt zusammen und führte den MDR Ende der Neunziger zu einem der erfolgreichsten ARD-Programme. Reiter war es gelungen, "eine selbstbewusste Ostidentität" zu schaffen, schrieb die Stuttgarter Zeitung 2008. Erfolgreich führte der gebürtige Lindauer 1997 auch den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal, später als Kika bekannt, in seinem Sender ein. Von der Affäre um Schmiergeldzahlungen beim Kinderkanal zeigte sich Reiter später "persönlich getroffen", wie die Frankfurter Rundschau schrieb.

Er war zwar stets eng mit dem MDR verbunden, seine Karriere hatte jedoch beim Bayerischen Rundfunk begonnen. Dort wurde Reiter 1983 Chefredakteur Hörfunk, drei Jahre später Hörfunkdirektor des BR. Auf Reiters Betreiben ging mit "B 5 aktuell" 1991 in München der erste reine Nachrichtenkanal im deutschen Rundfunk auf Sendung. In dem Jahr, in dem Reiter zum MDR wechseln sollte - für die folgenden 20 Jahre.

Rückzug als Senderchef nach mehr als 20 Jahren

Aber im Mai 2011 kündigte Reiter aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug von der Spitze des Senders an; er wolle "nicht als letzter Dinosaurier die ARD-Landschaft bereichern", sagte er damals dem Tagesspiegel. Die damalige ARD-Vorsitzende Monika Piel würdigte den scheidenden Senderchef, der "mit seinen kreativen Ideen und seiner Durchsetzungsfähigkeit entscheidend zum programmlichen Erfolg von ARD und MDR beigetragen" habe, wie sie das Blatt zitiert.

Auf die Nachricht vom Tod seines Gründungsintendanten hat der MDR mit tiefer Bestürzung reagiert. "Die deutsche Medienlandschaft, wie wir sie heute kennen, verliert mit Udo Reiter einen ihrer Gründungsväter, der MDR einen Kollegen und väterlichen Freund", sagte Intendantin Karola Wille in Leipzig.

Reiter wollte ursprünglich Pilot werden, hatte jedoch 1966 einen schweren Autounfall. Seitdem saß er querschnittsgelähmt im Rollstuhl. In den vergangenen Jahren, vor allem seit dem Tod seiner ersten Ehefrau im Jahr 2011, setzte sich Reiter für das Recht auf selbstbestimmtes Sterben ein.

Anmerkung der Redaktion

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