Film-Crowdfunding Ich bring dich groß raus

Spenden Sie, dann drehen wir! In den USA werden immer mehr Filme durch Crowdfunding finanziert. Nun wagen auch hierzulande junge Regisseure das Experiment, aktuell bei einem ungewöhnlichen Werk - Porneographie.

Von Kerstin Viellehner

Sätze wie: "Wenn es auf dem konventionellen Weg nicht klappt, sollte man es lieber lassen", hörte Sergej Moya in den zurückliegenden Wochen immer wieder. Moya ist Schauspieler, seit zwei Jahren führt er auch Regie. Er ist 23, seiner Filmographie nach ist er 30.

Sein Kurzfilm Hollywood Drama lief 2010 in der Berlinale-Reihe "Perspektive deutsches Kino", er gewann auch den Max-Ophüls-Preis. Nun will Moya einen neuen, 45-minütigen Film drehen: Hotel Desire.

Das Besondere an Hotel Desire ist vielleicht, dass Moya von einem "porneographischen" Film spricht, in Abgrenzung zum Porno. Es sollen offenbar mehr als nur erotische Bilder choreographiert werden. Das Projekt hat sich allerdings auch deshalb herumgesprochen, weil es ohne Förderungen und Senderbeteiligung entsteht. Moya finanziert sein Projekt durch Crowdfunding - wie seine Kollegen Daniel Boehme, 35, und Nana Yuriko, 37.

Crowdfunding ist in Deutschland ein bislang wenig erprobtes Verfahren. Man nennt es Schwarmfinanzierung, weil nicht die üblichen, wenigen Geldgeber Kapital bereitstellen, sondern die Masse (Crowd) einzahlt. Ein dafür eingerichtetes Internet-Portal oder eine Website dienen als Börse. In den USA ist Crowdfunding nahezu etabliert. In Deutschland wird die Sammelaktion eher als eine weitere, irgendwie seltsame Interneterscheinung bewertet.

Das Institut für Kommunikation in sozialen Medien aus Berlin veröffentlichte jetzt die "erste deutsche Crowdfunding-Studie". Neben einer Befragung von Projektinitiatoren führten die Autoren eine Vollerhebung aller vom 1. Mai 2010 bis zum 15. April 2011 auf deutschsprachigen Plattformen abgeschlossenen Vorhaben durch. 125 wurden schließlich gelistet, die meisten in den Bereichen "Veranstaltung" (34), "Aktion" (16) und "Film" (15). Mehr als die Hälfte (53,6 Prozent) davon konnte durchgeführt werden, insgesamt wurden 208 000 Euro gesammelt. Ein (erfolgreich finanziertes) Projekt bekam durchschnittlich 2943 Euro - oder pro Spender 89 Euro. Inzwischen ist es Zeitschriften wie dem Low Kunstmagazin oder Urban Spacemag gelungen, einzelne Ausgaben zumindest teilweise über Crowdfunding herauszubringen.