Dortmunder "Ruhrbarone" Wie ein Lokal-Blog für Pressevielfalt sorgen will

In Dortmund haben drei Tageszeitungen jetzt einen nahezu identischen Lokalteil. Die Zeitungskrise bedroht die Pressevielfalt. Lokale Blogs versuchen gegenzusteuern und könnten so profitieren. Der Gründer der "Ruhrbarone", Stefan Laurin, spricht im Interview über die furchtbare Lage der Branche und seine Vorstellungen von der Zukunft.

Von Artur Lebedew

Wer lokale Nachrichten aus dem Ruhrgebiet lesen will, hat die Wahl zwischen drei fast identischen Tageszeitungen. Seit die WAZ-Gruppe die Redaktion der Westfälischen Rundschau (WR) geschlossen hat, liefern die Ruhr Nachrichten des Konkurrenz-Verlages Lensing-Wolff auch den Lokalteil für die beiden WAZ-Zeitungen, Westfälische Rundschau und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Die Schreiber von Ruhrbarone, einem Blog über das Ruhrgebiet, wollen die Meinungsvielfalt erhöhen. Die Blogger starten einen eigenen Lokalteil für Dortmund. Der Gründer von Ruhrbarone und Journalist, Stefan Laurin, erzählt im Interview, wie Lokaljournalismus mithilfe von Blogs funktioniert.

SZ.de: Gerade sind bei der WR etwa 200 Stellen gestrichen worden. Profitieren davon nun die Ruhrbarone?

Stefan Laurin: Dass wir jetzt in den Markt hineingehen, hängt natürlich damit zusammen. Es gibt für uns dadurch einen publizistischen Raum, der vorher nicht da war. Ob wir allerdings von der Situation auch wirtschaftlich profitieren werden, können wir jetzt noch nicht sagen. Bisher sind wir mit dem Blog im besten Fall selbsttragend.

Die WAZ hat angekündigt, die WR als Titel weiter zu erhalten, um "die Medienvielfalt in dem Verbreitungsgebiet sicherzustellen". Dabei ist der Inhalt der Zeitungen im Dortmunder Lokalteil identisch. Werden die Zeitungsleser im Ruhrgebiet nicht ernst genommen?

Man kann der WAZ-Gruppe nicht unterstellen, dass sie die Leser für dumm verkaufen will. Das ist eher ein Bild des allgemeinen Zeitungssterbens: Der Branche geht es furchtbar! Die WAZ versucht, ein Werbeumfeld zu erhalten, das ist legitim.

In der Vorankündigung zu Ihrem neuen Dortmunder Lokalblog schreiben Sie, "wir wollen eine Art Lokalteil machen". Wird das nur "eine Art" Journalismus?

Die meisten unserer Schreiber arbeiten als Journalisten. Unsere Berichterstattung wird aber im Gegensatz zu einer Zeitung wesentlich reduzierter sein. Wir versuchen am Tag zwei bis vier Artikel zu publizieren. Das ist fernab der Vollversorgung, wie das die Ruhr-Nachrichten oder die Westfälische Rundschau bieten. Wir konzentrieren uns stattdessen auf Themen, die wir für die interessantesten halten und auf die, zu denen wir Informationen haben. Aber den ganzen Tag widerspiegeln, das schaffen und wollen wir nicht.

Planen Sie das in der Zukunft?

Ich halte es für absolut illusorisch, dass Blogs Lokalredaktionen von Zeitungen ersetzen - egal ob diese gedruckt oder online erscheinen. Um zum Beispiel davon zu berichten, dass es im Jugendhilfeausschuss einmal im Jahr kracht, brauchen sie Journalisten, die das Thema über Jahre verfolgen. Diesen finanziellen Aufwand können Blogs nicht stemmen. Wir sind kein Ersatz für die Lokalzeitung, wir sind eine Ergänzung.

Wie wird sich der Blog jetzt verändern?

Wir versuchen zunächst neue Schreiber zu finden. Wir rekrutieren aber keine Redakteure, wie Zeitungen. Und wir werden mit anderen Blogs kooperieren. Der Blog bleibt aber etwas, was wir in unserer Freizeit machen.

In einem Eintrag schreiben sie, sie wollen "professioneller werden". Was heißt das?

Wir wollen in naher Zukunft zumindest einige Schreiber gering bezahlen können. So werden wir auch über Themen berichten können, über die wir heute nicht berichten. Es ist sinnvoll, mal eine Ratsitzung zu besuchen. Dafür müssen Reporter entlohnt werden.

Woher soll das Geld kommen?

Aus Anzeigen. Die Prenzlauer Berg Nachrichten in Berlin sind dabei unser Vorbild. Die machen das durchaus mit Erfolg. Unser Ziel ist es, unseren Reportern 400 bis 500 Euro im Monat zu zahlen, anstatt wie bisher, ihnen am Ende des Jahres ein Bier zu spendieren.

Vollzeitstellen werden es nicht?

Um Gottes Willen, nein! Der größte wirtschaftliche Erfolg wäre es, wenn die Leute, die am meisten schreiben, etwas nebenbei verdienen. Wir versuchen Geschichten zu schreiben, die die Menschen gerne lesen und über die sie sich unterhalten. Nur so können wir Anzeigenkunden gewinnen. Es kann natürlich sein, dass das ganze überhaupt nicht funktioniert, dann lassen wir das sein - wir haben in das Projekt keine Millionen investiert.