Crowdfunding-Website "krautreporter.de" Alles oder nichts

"krautreporter.de" soll Crowdfunding für journalistische Arbeiten und Projekte ermöglichen.

(Foto: Screenshot von krautreporter.de)

Im US-amerikanischen Wahlkampf hat sich die Methode bereits bewährt: das "Crowdfunding". Dabei werden Projekte von der breiten Masse finanziert. In Deutschland soll die Plattform "krautreporter.de" nun Crowdfunding für journalistische Arbeiten und Projekte ermöglichen. Ganz unproblematisch ist das aber nicht.

Von Bernd Graff

"Crowdfunding" ist eine bewährte Methode, Projekte zu finanzieren, welche ohne die freiwillige Unterstützung vieler nicht (mehr) zu finanzieren wären. Der amerikanische Wahlkampf ist da nur ein Beispiel. Das Konzept, dass jemand eine Idee zur Förderung vorstellt, zu deren Verwirklichung das nötige Kapital fehlt, haben amerikanische Websites seit Längerem umgesetzt: Die Site kickstarter.com etwa ermöglicht es, Computerspiele zu programmieren, Theaterstücke zu inszenieren, Bücher zu schreiben und Musikbands zu fördern.

Mit der deutschen Website: krautreporter.de eröffnen die beiden Journalisten Sebastian Esser und Wendelin Hübner nun eine Plattform, die Crowdfunding für journalistisches Arbeiten ermöglicht. Das Verfahren ist geregelt: Journalisten benennen ihre Projekte und die Summe, die sie zur Umsetzung benötigen. Danach erhalten sie - alles oder nichts. Wird die Summe in der vorbestimmten Frist nicht erreicht, wird auch nichts ausbezahlt. Die Geldgeber bestimmen, mit welchen Beträgen sie fördern. Sie sollen "Teil des Projekts" werden, wie Felicia Mutterer in dem erklärenden Auftaktvideo auf der Seite formuliert.

Eine Idee, die sich vor allem an freie Journalisten richtet, die ihre Recherche-Arbeiten immer seltener von Verlagen und Rundfunkanstalten vorfinanziert bekommen. Dennoch schließen sich Fragen an. Zwar behält jeder Autor die Rechte an seinem Werk, dennoch müssen sie vor Abdruck oder Ausstrahlung in angemessener Form zuerst auf krautreporter.de publiziert werden. Werden also Verlage und Anstalten noch Arbeiten nehmen, wenn sie diese demnach wiederveröffentlichen? Und: Ist es nicht unfair, dass jene Medienhäuser, die längerfristige Recherchen nicht mehr bezahlen (wollen/können), nun dennoch die Ernte des aufwendigen journalistischen Arbeitens einfahren können, für die sie selber keine Etats mehr besitzen?

Wahrscheinlich sind das aber für krautreporter.de und die Unterstützer-Community keine relevanten Fragen mehr. Denn da die gesponserten Geschichten ja hier publiziert werden, wird sich die Seite vielleicht selbst zu einem Magazin für hochklassigen Journalismus entwickeln.