Armin Rohde im ARD-Film "Alleingang" Wie sonst nur Tony Soprano

Als Ausbrecherkönig Mattock hat Armin Rohde eine schwitzige Wampe und ein großes Ego. Seine Darstellung des sympathischen Proleten würde auch funktionieren - wäre der ARD-Film "Alleingang" am Ende nicht doch zu brav.

Von Hanno Raichle

Mattock, der King, (Armin Rohde) ist ein grobschlächtiger Prolet mit dünnem Nervenkostüm, mit schwitziger Wampe und großem Ego. Und Mattock ist ein Knastbruder. Eines Tages gelingt ihm bei einem Gefangenentransport die Flucht, er nimmt Geiseln, verschanzt sich in einem Zug und verlangt nach dem Mann, der ihn damals hinter Gitter gebracht hat: Hauptkommissar Zuckmaier (Alexander Held).

ARD-Film "Alleingang": Armin Rohde als Ausbrecherkönig Mattock "King" mit Alexander Held als Hauptkommissar Josef Zuckmaier.

(Foto: Magdalena Mate)

Der aber kämpft mit Depressionen, weil ihn seine Frau (Maria Schrader) wegen seines ehemaligen Kollegen Schübel (Matthias Koeberlin) verlassen hat. Ausgerechnet mit ihm muss er jetzt zusammenarbeiten.

Die Zusammenkunft der drei Männer im Zug - des Gangsters, des Kommissars und des Liebhabers - wird schnell ziemlich irrsinnig und endet damit, dass Zuckmaier im Speisewagen mit Handschellen an seinen verhassten Ex-Kollegen gefesselt ist, während Mattock ihm und der ganzen Welt zeigen will, dass er allen überlegen ist; dass er jetzt am Drücker ist. Er lässt seine Freundin herbeischaffen, den Zug mit Lametta schmücken. Kollege Schübel wird zur Tunte geschminkt.

Wie Armin Rohde in Hartmut Schoens Alleingang ohne Wenn und Aber den Bildschirm ausfüllt, das ist mehr als beeindruckend. Besser: Er schafft tatsächlich das, was sonst vor allem Typen wie Tony Soprano vorbehalten ist - es gelingt ihm, Sympathie für den Bad Guy zu erzeugen. Rohde ist in seiner Rolle so präsent, dass trotz guter Schauspieler alle anderen Figuren wie Trittbrettfahrer wirken. Vergessen und unwichtig sind angedachte Konflikte.

Es passiert nicht oft im deutschen Fernsehfilm, dass Geschichten aus so einer Perspektive erzählt werden. Doch statt Mattock, dem King, seinen Alleingang zu gönnen und eine böse kleine Gangsterballade zu erzählen, verlässt der Film die eingeschlagene Route. Für ein echtes Experiment fehlte letztlich wohl der Mut.

Am Ende also versucht der Film aufzuholen, was bisher versäumt wurde - weil nicht mehr viel Zeit ist, muss dann alles sehr schnell gehen. Und am Ende bleibt vom Experiment nicht viel mehr als ein vorbeirauschender Streifen.

Alleingang, ARD, 20.15 Uhr