ARD-Doku Hudeln, bügeln, präsentieren

Begrenzter Wirkungsraum: Elly Heuss-Knapp mit Theodor Heuss.

(Foto: WDR/akg-images)

Frauen von Bundespräsidenten dürfen sich über Politik nicht öffentlich äußern. Politische Sachverhalte sollte ein Film über "Deutschlands First Ladies" trotzdem korrekt darstellen.

Von Franziska Augstein

Unkritisch-schwelgerische Promiverehrung: Sportler, Sänger oder auch Bärenbabys kommen in ihren Genuss. Nun sind die elf Frauen der Bundespräsidenten dran. In Jobst Knigges Film werden sie als "First Ladies" bezeichnet, das klingt schicker als "Erste Damen im Staat". Insinuiert wird, sie alle hätten "Deutschland nachhaltig geprägt". Dabei sind sie verfassungsrechtlich nicht vorgesehen. Sie bekommen ein Büro samt Sekretärin und Referent. Aber PR-Aktionen sind nicht drin. Da mussten der WDR und Jobst Knigge einspringen.

Drei Dinge bringen den Film auf das gewünschte Niveau herunter: Die Auswahl der eingespielten Musikschnippsel ist stimulierend. Nichts und niemand wird verschont. Selbst Bilder von dem 1967 erschossenen Studenten Benno Ohnesorg werden musikalisch ansprechend untermalt. Der Sprecher verfügt über eine suggestive Stimme. Die wird so erfolgreich eingesetzt, dass die Interviews mit früheren Beamten des Bundespräsidialamts zu den Highlights des Films gehören: Endlich redet da jemand normal. Und zum Dritten wird glattgebügelt, was mit Lobhudelei nicht vereinbar ist.

Der jetzige Leiter des Bundespräsidialamts, der in dem Film nicht auftritt, beschreibt den Wirkungsraum der Ersten Damen so: Sie dürften ihren Beruf fortführen, sofern der mit den Aufgaben ihres Mannes nichts zu tun hat; und dürften sich über jedes Thema äußern, über das der Bundespräsident nicht offiziell redet. Das lässt allerdings jenseits des caritativen Engagements wenig übrig. Ein paar Beispiele: Elly Heuss gründete das Müttergenesungswerk; Hilda Heinemann kümmerte sich um geistig Behinderte; Mildred Scheel gründete die Deutsche Krebshilfe.

Fast alle Präsidentenfrauen wirken sympathisch. Eine besonders gute Figur macht Marianne von Weizsäcker. Anfangs meinte die gebürtige Adelige, man müsse sie mit Protokollfragen nicht belämmern. Weit gefehlt! Von Fall zu Fall wurde auch ihr geraten, wie sie sich zu kleiden und welche Farben in fremden Ländern sie zu vermeiden habe. Ebenso wie Nancy Reagan setzte Marianne von Weizsäcker sich für Drogenabhängige ein. Dann war Nancy zusammen mit Ronald auf Staatsbesuch. Die First Lady der USA wollte - auf eigene Prominenz aus - mit Marianne und Drogensüchtigen vor Kameras posieren. "Das", sagt die Freifrau, "habe ich nicht zugelassen." Einmal ist Marianne von Weizsäcker zu sehen, wie sie von der Seite auf Nancy schaut. Ihren Blick als Ausdruck höflicher Verachtung zu beschreiben, ist untertrieben. Das Wort "höflich" kann man streichen.

Nachdem Johannes Rau 1999 zum Bundespräsidenten erkoren war, fragte eine Tochter Christina Raus einmal, ob es irgendetwas gebe, was ihr als Kind des Staatsoberhaupts zum Vorteil gereiche. Die Mutter, die ihre Kinder dazu erzog, sich auf ihre Position nichts einzubilden, musste passen.

Dass Präsidentenfrauen sich über Politik nicht öffentlich äußern dürfen, bedeutet nicht, dass Filmemacher politische Zusammenhänge übergehen oder falsch darstellen müssen. Über Heinrich Lübkes Tätigkeiten während der NS-Zeit wird nur berichtet, ihm sei fälschlich nachgesagt worden, er habe Baupläne für KZs erstellt. Nicht gesagt wird, dass Lübke in Peenemünde für den Einsatz von KZ-Häftlingen zuständig war. Es wird erwähnt, dass Horst Köhler 2004 statt Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Woran das zuvörderst lag - Angela Merkel wollte Gauck nicht -, ist offenbar Erwachsenen nicht zumutbar. Ebenso wenig wie eine kurze Erklärung, was die Entscheidung Horst Köhlers beeinflusste, vom Amt zurückzutreten: In einer Rede hatte er gesagt, "dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren."

Die ARD beglückt die Zuschauer um 20.15 Uhr mit banalen Arztgeschichten, Familiengeschichten und Musiksendungen. Dieser Film verbindet alles: Die Präsidentenfrauen haben sich für ärztliche Belange eingesetzt; ihre Familienumstände werden herzerwärmend geschildert; der Musikteppich ist befriedigend. Gleichwohl wird der Film erst um 23 Uhr ausgestrahlt. Wie bei Hardcore-Krimis, vor denen Jugendliche geschützt werden sollen, könnte die ARD auch hier vorher eine Warnung einblenden: "Dieser Film ist für Zuschauer, die mehr als Promiverehrung erwarten, nicht geeignet."

Deutschlands First Ladies, ARD, Mittwoch, 23 Uhr.