"Aktuelles Sportstudio" im ZDF Eine schrecklich nette Stunde

Sportstudio-Conférencier Michael Steinbrecher

(Foto: dpa)

Im "Aktuellen Sportstudio" arbeiten Fragensteller, die ihren Gästen vor allem zu Diensten sind und gar nichts in Erfahrung bringen wollen. Die Moderatoren verhalten sich allzu oft nicht wie Journalisten, sondern wie Conférenciers. So lässt sich kein Spiel gewinnen.

Von Detlef Esslinger

An diesem Samstag soll der Trainer von Fortuna Düsseldorf, Norbert Meier, zu Gast im Aktuellen Sportstudio sein. Düsseldorf ist der Klub, der vor der Saison als recht sicherer Absteiger galt, aber er hält sich immerhin auf Platz 15; wenn das so bleibt, würde er nicht einmal in die Relegation müssen. Im Sportstudio ist Michael Steinbrecher als Moderator vorgesehen; wenn es schlimm, also normal läuft, dürften seine Fragen an den Trainer Meier in etwa die sein:

Wie hoch ist Ihr Anteil, dass die Fortuna dort steht, wo sie jetzt steht?

Für wie sicher halten Sie den Klassenerhalt?

Wie groß ist die Hoffnung, die Relegation zu überstehen, falls Sie doch noch auf Platz 16 fallen?

Vor allem in den gedruckten Medien und in den sozialen Netzwerken wird seit Jahren über den Fernseh-Sportjournalismus im Allgemeinen und das Sportstudio im Besonderen gelästert. Nicht immer ist die Kritik fair. Ein ZDF-Moderator hat nach einem Länderspiel mal "Niederlage" statt "Niederlande" gesagt; sehr kleinkariert, dass ihm das hinterher vorgehalten wurde. Wer schreibt, kann jeden Vertipper korrigieren. Die Versprecher des Fernsehjournalisten aber lassen sich nicht mehr zurückholen. Und mit einigem Recht mokierte sich der Kommentator Béla Rethy neulich über "asoziale Netzwerke", nachdem Zeitgenossen, natürlich unter Pseudonym, Gehässigkeiten über ihn getwittert hatten.

Dies alles ändert jedoch nichts an einem Befund: Nach wie vor ist das Aktuelle Sportstudio in einem erschreckenden Zustand.

Niemand fordert ein Kreuzverhör

Das Grundproblem der Sendung ist, dass sich ihre Moderatoren - vor allem die beiden männlichen - allzu oft nicht wie Journalisten, sondern wie Conférenciers verhalten. Sie wollen von ihren Gästen nichts in Erfahrung bringen. Sie wollen sich eine nette, harmlose Stunde mit ihnen machen. Oder wie anders soll man es deuten, wenn der Conférencier Steinbrecher den Spieler Julian Draxler von Schalke 04 zu Gast hat, einen jungen Mann, der jetzt 19 Jahre ist - der aber gefragt wird, ob er sich noch an den Schalker Uefa-Cup-Sieg von 1997 erinnert? Worauf Draxler vorrechnet, dass er damals vier war - worauf Steinbrecher tatsächlich so fortfährt: "Wer war denn damals Ihr Schalker Idol?" Und den Chef von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, fragte er, ein paar Sendungen später, vor dem Halbfinale gegen Real Madrid: "Ist Cristiano Ronaldo ein Spieler, der zu Dortmund passen würde?"

Es sind Fragen, die unsinnig sind und die auch auf nichts hinaus wollen. Niemand fordert, dass im Sportstudio ein Kreuzverhör geboten wird. Aber ist es denn zu viel verlangt, einfach dies zu erhoffen: ein Gespräch, auf dem Niveau von Lanz oder Beckmann? Dazu jedoch bräuchte es Sachkenntnis und Haltung.

Vor ein paar Wochen führte Sven Voss durch die Sendung, er hatte Matthias Sammer zu Gast, den Sportvorstand des FC Bayern. Es war der Samstag, an dem der Verein vorzeitig Meister wurde, und das Gespräch verlief so: "Wie groß ist Ihr Anteil an diesem Erfolg?" - "Daran hat jedermann Anteil. Mein Anteil ist völlig uninteressant." - "Warum hat man Sie dann geholt?" - "Ja, die brauchten einen." - "Sprechen, kommunizieren, ist das Ihre Rolle, aussprechen, was der Trainer nicht mag?" - "Lassen Sie das Thema, da erfahren Sie von mir sowieso nichts."

Voss fragte derart ins Blaue hinein, dass ein Verdacht sich aufdrängte: Kann es sein, dass einem Moderator des Aktuellen Sportstudios der Unterschied zwischen Sportchef und Trainer nicht geläufig ist? Voss wusste mit seinem Gast nichts anzufangen. Das Resultat: Sammer kanzelte ihn ab. Es war das einzige, was von der Sendung übrig blieb.