7. Februar 2013, 08:58 Potenzieller Kauf der Frankfurter Rundschau Rivalen aus Frankfurt und Istanbul

Die FAZ gilt als heißester Anwärter für eine Übernahme der "Frankfurter Rundschau", doch nun bekommt sie gesteigerte Konkurrenz aus der Türkei. Der Verleger Burak Akbay will sein Gebot nachbessern - er schielt mit seiner türkischen Tageszeitung "Sözcü" auf den deutschen Markt.

Von Silke Bigalke und Claudia Tieschky

Vergangene Woche sah es noch so aus, als sei die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) der einzige ernsthafte Interessent für einen Kauf der insolventen Frankfurter Rundschau. Jetzt hat der türkische Verleger Burak Akbay, der bereits wochenlang mit Insolvenzverwalter Frank Schmitt verhandelt hatte, sein Interesse an der FR erneut bekräftigt. Er plane, Schmitt in der kommenden Woche ein verbindliches Angebot zu machen, sagte Ali Gülen, Akbays Sprecher in Deutschland.

Bisher liegt dem Insolvenzverwalter nur eine Absichtserklärung vor, die Akbay einen Tag vor der Gläubigerversammlung per Mail geschickt hatte - am Sonntag vor einer Woche. Schmitt hatte das darin beschriebene Angebot als "nicht annehmbar" bezeichnet, unter anderem weil der Kaufpreis zu niedrig gewesen sei. "Wir haben Akbay explizit aufgefordert, ein verbessertes Angebot zu machen", sagte Schmitts Sprecher am Mittwoch. Bisher liege jedoch nichts vor.

Akbay plant nach eigenen Angaben, die Redaktion mit 100 Mitarbeitern zu übernehmen und auch die Druckerei zu kaufen. Wie viele Mitarbeiter er dort beschäftigen werde, hänge von den Aufträgen ab. Einen brächte Akbay selbst mit: Er möchte in Frankfurt seine türkische Tageszeitung Sözcü für den deutschen Markt drucken, zunächst 20.000 bis 30.000 Exemplare. In der Türkei kommt sein Unternehmen Estetik Yayincilik nach eigenen Angaben auf knapp 300.000 verkaufte Exemplare.

Ohne den Kauf des Frankfurter Nachbarn würde die FR verschwinden

Dass es sich bei dem zweiten Interessenten für die FR um die FAZ handelt, hat Schmitt nie offiziell bestätigt. Das Bundeskartellamt prüft jedoch bereits eine Übernahme der Frankfurter Rundschau durch die FAZ. Dann wären mit FAZ, FR und Frankfurter Neue Presse (FNP) drei Zeitungen durch die Fazit-Stiftung als Mehrheitseigner unter einem Dach vereint. Der Plan sieht dem Vernehmen nach aber nicht vor, Inhalte der konservativen FAZ in der linksliberalen FR unterzubringen oder umgekehrt. Denn die Abonennten beider Blätter würde das wohl zutiefst verstören.

Lukrativ ist so eine Kombination daher nicht in erster Linie wegen möglicher Redaktionssynergien - am ehesten noch mit der FNP -, sondern wegen der Marktsituation. Die Gruppe verfügte dann alleine über Abostämme und Vermarktungsmöglichkeiten in der Bankenmetropole und könnte davon profitieren, alle Anzeigenkunden für das Gebiet wären Geschäftspartner.

Ob das Kartellamt dem zustimmt, hängt auch davon ab, wie die Alternative zu einem Kauf durch die FAZ aussähe. Im Fall einer sogenannten Sanierungsfusion würde die mächtige Stellung des neuen Unternehmens leichter durchgewunken. Die Überlegung dabei wäre, dass die FR ohne den Kauf des Frankfurter Nachbarn ersatzlos verschwinden würde - und ihre Marktmacht sowieso der FAZ zufallen würde. Vorige Woche sah es danach aus. Ein neues Angebot von Akbay könnte aber die Prüfung nun verlängern.