Zum Tod von Umberto Panini Ein Bildchen von einem Mann

Begehrtes Sammlerobjekt zur EM 2008: Miachel Ballack.

Er hat die Wundertüte erfunden: Umberto Panini packte Portäts von Fußballern in eine Tüte und wurde zur Legende. Seine Panini-Alben brachten Generationen von Fans dazu, Kicker-Köpfe zu sammeln. Jetzt ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

Ein Nachruf von Holger Gertz

Die Brüder Panini aus Modena, Giuseppe und Benito, besaßen einen Zeitungsstand am Corso Duomo. Es war Nachkriegszeit. Der Laden lief ordentlich, aber reich werden konnte man damit nicht. Um reich zu werden, brauchte man schon damals: eine goldene Idee.

Irgendwann fing Giuseppe Panini damit an, liegen gebliebene Zeitungen und Magazine und manchmal auch einen, selbstverständlich unbenutzten, Kaugummi in verschlossenen Beuteln zu verkaufen. Er hatte die Wundertüte erfunden. Nach diesem Prinzip laufen bei den Fundämtern bis heute die Versteigerungen herrenloser Koffer ab. Und auch das Geschäft mit Sammelbildern ist noch immer ein Geschäft mit Hoffnungen, Träumen, Enttäuschungen. Man hofft auf Ribéry, hat aber zum achten Mal Fritzle in der Tüte, das alberne Krokodil vom VfB Stuttgart.

Jeder spricht von Paninis, wenn er die Sammelbildchen meint. Es ist wie sonst bei Uhu und Tempo: Ware und Produzent sind gefühlt eins, seitdem im Zeitungsladen der Paninis nicht mehr Broschüren in den Wundertüten steckten, sondern frisch gedruckte Sammelbilder mit Fußballerköpfen drauf. Das war die tatsächlich goldene Idee, Anfang der Sechziger. Noch bevor der erste Mensch den Mond betrat, war der erste Mensch auf einem Paninibild: Bruno Bolchi, Kapitän von Inter Mailand.

Guiseppe und Benito Panini waren da schon nicht mehr allein, gemeinsam mit ihren Brüdern Franco und Umberto verkauften sie bald die Porträts von Kickern aus aller Welt, die roboterhaft sowjetartig aussahen oder atemberaubend dauergewellt; der Revoluzzerbart trat in Südamerika auf, die stylische Glatze gab es noch nicht. Paninis sammeln hieß immer auch: sich mit der Welt vertraut machen, noch bevor man sein erstes Interrail-Ticket buchen konnte. Paninis sammeln hieß: Unmengen von Kleingeld heimlich dem Sparschwein rauben und zum Büdchen schleppen.

Natürlich haben sämtliche Panini-Sammler der Welt die Paninis in Modena sehr reich gemacht, aber besonders Umberto Panini ist es gewesen, der in Interviews immer wieder die umfassendere Philosophie des Unternehmens beschrieben hat. Wer Paninis sammelte, der lernte, dass alle Menschen gleich sind, sagte Umberto Panini: Von allen Fußballern seien ja gleich viele Bilder in Umlauf.

Er selbst, ausgebildeter Ingenieur, hatte eine Mischmaschine konstruiert, die verhinderte, dass zwei identische Bilder in die Tüten kommen konnten. Und wer Paninis sammelte, lernte auf dem Schulhof, zu tauschen und zu feilschen. Was konnte daran schlecht sein? Umberto Panini musste es schließlich wissen, denn während die ganze Welt seine Bilder sammelte, sammelte er Oldtimer von Maserati.

Die Firma Panini ist längst kein Familienunternehmen mehr, der Konzern hat mehrmals seinen Besitzer gewechselt. Aber der Name Panini klingt nach Legende. Und keine Scherze jetzt von kleben und kleben lassen: Guiseppe, Benito und Franco sind schon länger tot, gerade ist auch Umberto Panini gestorben. Er wurde 83 Jahre alt.