Werbe-Ikone Julia Roberts Zu schön, um wahr zu sein

Julia Roberts wirbt für eine Foundation aus dem Hause Lancôme. Sie sieht dabei auffallend gut aus - so gut, dass die britische Werbeaufsicht das Unternehmen dazu verurteilt hat, die Kampagne zurückzuziehen.

Von Violetta Simon

Julia Roberts, der Star, hat schon immer davon profitiert, dass Julia Roberts, die Privatperson, ganz ungekünstelt rüberkommt. Eine so schöne, talentierte und erfolgreiche Schauspielerin, die sich noch dazu ihre Natürlichkeit bewahrt hat: So eine mögen die Leute. Daher erschien es nur logisch, dass der Kosmetikkonzern L'Oréal Julia Roberts zum Gesicht der Marke Lancôme machte. Einer Ehefrau und Mutter von drei Kindern, die auch im Schlabberlook noch toll aussieht, würde man jederzeit einen Gebrauchtwagen abkaufen - und erst recht ein Make-up.

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Offenbar traute das Unternehmen der Oscar-Preisträgerin dann aber doch nicht zu, die Kunden allein durch ihre natürliche Ausstrahlung zu überzeugen. Und so half die digitale Bildbearbeitung kräftig nach. Das Ergebnis war perfekt - so perfekt, dass die Werbeaufsicht ASA (Advertising Standards Authority) das Unternehmen zwang, die Kampagne zurückzuziehen.

Der Daily Mail zufolge war die Organisation von der britischen Abgeordneten Jo Swinson auf den Plan gerufen worden. Die liberaldemokratische Politikerin empörte sich, dass das Gesicht der 43-Jährigen viel zu schön wirke, um wahr zu sein. Die Werbung übe Druck auf Frauen und junge Mädchen aus, die sich mit den unrealistischen Abbildungen vergleichen würden.

Tatsächlich scheint der Teint von Julia Roberts, die von sich sagt, sie sei am liebsten ungeschminkt, von jeder Unebenheit befreit. Dennoch gibt L'Oréal nur kleinere Nachbearbeitungen zu. Im Großen und Ganzen sei die Fotografie eine realistische Darstellung ihrer "natürlich gesunden und strahlenden Haut".

Neben der Lancôme-Werbung steht aber noch eine weitere Kampagne aus dem Hause L'Oréal in der Kritik: Auch eine Anzeige der Marke Maybelline mit dem Topmodel Christie Turlington hat den Unmut der ASA erregt. Die Werbung verspricht eine sichtbare Anti-Aging-Wirkung, die Schatten und Fältchen einfach "auslöscht". Das Unternehmen behauptet, das Foto gebe exakt die Wirkung des Produktes wieder. Glaubt man der Botschaft der Kampagne, sei der Effekt jahrzehntelanger Forschung zu verdanken. Für die Kritiker liegt der Zauber woanders: in geschickter Retusche.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Kosmetikkonzern wegen Augenwischerei unter Beschuss gerät - das Geschäft mit der Lüge floriert schon so lange, wie es die Mittel der digitalen Bildbearbeitung gibt. Und die Technik wird immer raffinierter. Dolce & Gabbana zeigte 2010 eine Schwarzweißfotografie von Madonna, die gerade ihre Tränen trocknet. Die hervortretenden Adern an ihren Armen, die fleckige Haut und die geschwollenen Augen sieht man nur auf dem Original. Auch Britney Spears wurde als Vorzeigefrau des Modelabels Candie's digital perfektioniert: Nie waren die Beine der damals 29-Jährigen länger, nie war die Taille schmaler, der Po knackiger. Die Cellulite verschwand ebenso wie das Tattoo.

Als Michelle Pfeiffer 1990 auf dem Cover des Esquire-Magazins gefeiert wurde, lautete der Bildtext: "Was Michelle Pfeiffer braucht . . ., ist absolut nichts." Ein bisschen was brauchte sie aber doch. Wie das Magazin Adbusters Quarterly herausfand, hatten die Retusche-Arbeiten den Verlag 1525 Dollar gekostet.

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