Vanessa Hessler und der Gaddafi-Sohn Telefónica trennt sich von "Alice"

Model, bleib auf deinem Catwalk: Weil sie in einem Interview allzu freimütig über die Familie ihres Exfreundes Mutassim al-Gaddafi plauderte, muss sich "Alice" alias Vanessa Hessler einen neuen Job suchen. Telefónica hat sich von seinem Werbegesicht getrennt.

Ihre "leidenschaftliche" Beziehung zu einem Diktatorensohn kostet Vanessa Hessler den Job. "Mit sofortiger Wirkung stoppen wir die Kooperation mit Vanessa Hessler als unserer Werbefigur für Alice DSL", twitterte Konzernsprecher Markus Göbel am Montagnachmittag.

Der Grund für den Rauswurf von Hessler alias Alice: In einem Interview mit der italienischen Zeitschrift Diva e Donna hatte die 23-Jährige über ihre langjährige Beziehung zu Mutassim al-Gaddafi, Sohn des libyschen Ex-Diktators gesprochen - und für dessen Familie sehr wohlwollende Worte gefunden. "Wir haben von Frau Hessler ein Statement gefordert, in dem sie ihre Äußerungen klarstellt", sagte Albert Fetsch, Leiter der Pressestelle von Telefónica Deutschland zu sueddeutsche.de. "Ein solches Statement haben wir bis heute nicht erhalten. Daher haben wir beschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden."

Seit Jahren ziert Hessler, ein Model mit italienischen und amerikanischen Wurzeln Litfaßsäulen und Werbespots als personifizierter Internetanschluss. In dem verhängnisvollen Interview, das erst am Dienstag überhaupt erscheinen wird, sagte sie, die Gaddafi-Familie sei nicht so gewesen, wie sie dargestellt werde, sie habe "normale Menschen" getroffen. "Wir - Frankreich und Großbritannien - haben die Rebellen finanziert. Diese Leute wissen nicht, was sie tun", meinte Hessler zur Verteidigung des Gaddafi-Clans und ihres toten Ex-Liebhabers. Mit diesem verbinde sie "eine leidenschaftliche Geschichte", sagte das italo-amerikanische Topmodel, "wir sind vier Jahre lang zusammen gewesen". Die Liaison ging jedoch bereits auseinander, bevor der Arabische Frühling Libyen erreichte.

Der Sohn des libyschen Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi war am 20. Oktober in den Bürgerkriegswirren ums Leben gekommen. "In diesem Moment widert mich alles an, außer Libyen", sagte Hessler der Zeitschrift über ihre Gefühle nach dem Tod des Gaddafi-Sohnes. "Ich mag nicht daran denken, dass es wahr ist. Es ist alles sehr traurig", fügte sie hinzu.

Alice wurde gemeinsam mit ihrem Erfinder, dem Konzern HanseNet, 2010 von Telefónica übernommen. Für Hessler kam das Ende als "Alice" so lediglich ein wenig früher als geplant: Im kommenden Jahr soll die Marke ganz aus dem Angebot des Dienstleisters verschwinden. Doch eigentlich hätte das Werbegesicht den Übergangsprozess für die Kunden begleiten sollen. Daraus wird nun nichts.

Schon vor ihrem Rauswurf scheint Hessler die Tragweite des Interviews geahnt zu haben. Sie wolle nicht mehr über ihre Erfahrungen in Libyen sprechen, ließ sie wissen, "es tut mir zu sehr weh".

Zumindest im TV nimmt die Geschichte des geschassten Models ein gutes Ende: Im Programm des italienischen Senders Rai ist sie dieser Tage als modernes Aschenputtel zu sehen.