Studie zur Zufriedenheit Glücklich auf der Couch

Fernsehabend statt Partynacht: Eine Blog-Studie zeigt, was junge und ältere Erwachsene als Glück empfinden. Wird man im Alter wirklich zum Langweiler?

Von Merle Sievers

Mit einer guten Flasche Rotwein und leckerem Essen ab auf die Couch: So oder so ähnlich verbringen viele Erwachsene gerne ihren Samstagabend. Ganz leise meldet sich oft das schlechte Gewissen, denn noch vor zehn Jahren hätten sie niemals einen Samstagabend auf der Couch verbracht. Sondern sich mit der Clique verabredet und den Abend in einer Bar begonnen. Dann wäre man weitergezogen ins Kino, auf ein Konzert oder zu einer Party. Nach mehreren Stunden Exzess hätte man nachts um vier einen labberigen Burger gegessen und wäre anschließend müde und glücklich ins Bett gefallen.

Über diese Vorstellung können viele Erwachsene jenseits der 40 nur noch müde lächeln. Mittlerweile legen sie an einem Samstagabend lieber gemütlich die Füße hoch und essen Steinpilzrisotto statt Burger. Und das Schönste ist: Sie fühlen sich dabei rundum glücklich. Doch was ist aus den jungen, zielstrebigen Menschen geworden, die sie einmal waren - immer auf der Suche nach etwas Neuem und Aufregendem? Sind sie alle in Langeweile und Spießbürgertum versunken?

Sozialpsychologen beschreiben dieses Phänomen als eine allmähliche Verschiebung der Prioritäten im Leben. Der junge Mensch lebt wie ein Bergsteiger: Er hangelt sich von Etappe zu Etappe, von Ereignis zu Ereignis. So ein Leben fällt mit Anfang 20 leicht, weil ja auch ständig etwas Neues passiert, sei es ein Karrieresprung, die neue Wohnung oder ein plötzlicher Sprung auf Wolke Sieben. Wenn man jung ist, gibt es Gründe genug, Pläne für die Zukunft zu schmieden und Hoffnungen in neue Ereignisse zu setzen.

Mit Anfang 40 passiert bei den meiste nicht mehr so viel, das Leben wird regelrecht entschleunigt. Je älter die Menschen werden, desto mehr dreht sich alles darum, Verantwortungen nachzukommen und Verluste zu vermeiden. Da gibt es die Beziehung, den Job, die Kinder: Es geht darum, den Alltag, der lange und mühsam aufgebaut wurde, am Laufen zu halten. Aus dem Bergsteiger ist ein Nordic Walker geworden, der es genießt, jeden Morgen entspannt seine Runde um den Block zu laufen.

Diese Entwicklung beschreibt auch eine Blog-Studie aus den USA. Mehrere tausend private Blogs haben Psychologen analysiert und dabei untersucht, welche Emotionen die Blogger beschreiben, wenn sie von sich selbst sagen, sie seien glücklich.

Im Hier und Jetzt und Morgen

Dabei kam heraus, dass junge Blogger vor allen Dingen über glückliche Erfahrungen oder Ereignisse berichten. Momente, in denen sie sich "aufgeregt, begeistert oder ekstatisch" gefühlt haben. Das Glück der jungen Leute liegt eher in der Zukunft, bei all den Sachen, die noch vor ihnen liegen und auf die sie sich freuen.

Ältere Blogger hingegen beschreiben ihre glücklichen Momente eher als "entspannt, ruhig oder erleichtert". Ihr Glück sehen sie in der Gegenwart, wenn sie sich mit ihren aktuellen Lebensumständen wohlfühlen. Die Träume, die man früher hatte, werden im Alter weniger, weil sich einige vielleicht auch schon erfüllt haben.

Alois Stutzer, Glücksforscher der Ökonomie an der Universität in Basel, sagte zu Süddeutsche.de: "In vielen Ländern sind Erwachsene zwischen 40 und 50 Jahren unzufrieden mit ihrem Leben, weil sie sich ihre Wünsche - oft auch die materiellen Wünsche - nicht erfüllen können. Doch die Quellen des Glücks verändern sich im Laufe eines Lebens. Als junger Mensch lebt man optimistisch und zukunftsorientiert, später kehrt dann etwas mehr Ruhe ein ins Leben."

Wenn man also glücklich ist mit einem ruhigen Abend in den eigenen vier Wänden, dann liegt das nicht daran, dass man den Idealismus seiner Jugend verloren hat, die Perspektive hat sich einfach nur verändert. Das eigene Glück hat sich entwickelt, ebenso wie man selbst.