Schmachtwort der Woche "Hausarbeit ist Menschenarbeit und nicht Frauenarbeit"

Während draußen Gleichberechtigung und Aufgabenteilung herrscht, regiert trotz Alice Schwarzer hinter der Wohnungstür nach wie vor das Rollenbild der Fünfzigerjahre. Herrenquote im Haushalt? Daran arbeiten wir noch. Dabei ziehen wir artig an einem Strang - in verschiedene Richtungen.

Eine Kolumne von Violetta Simon
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Das Schmachtwort polterte diesmal Alice Schwarzer, die demnächst ihren 70. Geburtstag feiert.

(Foto: Cornelia Zeug)

Bei den Männern hat sich was getan: Sie sind jetzt Väter in Erziehungsurlaub, kennen die Namen ihrer Kinder auswendig und schwingen hin und wieder sogar den Kochlöffel. Auch bei den Frauen hat sich was getan: Sie dürfen sich jetzt an Kindern UND Karriere versuchen, der Weg in die Chefetage steht ihnen frei. Auch wenn sie dort nur selten ankommen, weil sie sich daheim wieder einmal verzettelt haben. Zum Beispiel beim Aufräumen der Küche, nachdem der Mann gekocht hatte.

Dort, hinter der Wohnungstür mit den zwei Familiennamen, regiert nämlich noch das Rollenbild der Fünfzigerjahre. Oder die Steinzeit: Männer sind genetisch bedingt Jäger, ihr Blick schweift in die Ferne, auf der Jagd nach Ruhm. Frauen sind Sammlerinnen, also sammeln sie instinktiv Klamotten, Spielzeug und Handtücher vom Boden auf, die ihre Männer übersehen haben. Nein, das ist kein Klischee. Das ist die Wahrheit.

Diesem Aufräumtrieb geben wir Frauen allerdings nur hinter verschlossenen Türen nach, weil es uns selbst so peinlich ist. Da draußen gibt es nämlich längst Gleichberechtigung, Aufgabenteilung und eventuell sogar eine Frauenquote. Die Herrenquote im Haushalt? Daran arbeiten wir noch. Zugegeben, seit geraumer Zeit.

Die Ironie blieb ungehört

Eine der ersten, die sich dafür zumindest verbal ins Zeug gelegt beziehungsweise aus dem Küchenfenster gelehnt hat, war Alice Schwarzer, wer sonst. "Hausarbeit ist Menschenarbeit und nicht Frauenarbeit", krakeelte die Emanze vom Dienst bereits 1973 und wedelte dabei mit ihrem soeben erschienenen Buch "Frauenarbeit - Frauenbefreiung". Überraschend ist dabei nur der ungebremste Idealismus, den die Frau versprühte. Genau wie die Zuversicht, die Johanna von Koczian ausstrahlte, als sie ein paar Jahre später in der Hitparade "Das bisschen Haushalt" trällerte - leider derart muttihaft zurechtgemacht, dass die Ironie ihrer Botschaft den meisten Zuhörern gar nicht klar wurde.

Zu diesem Zeitpunkt hatten Männer bereits Staubpartikel vom Mond geholt. Inzwischen haben sie sogar welchen auf dem Mars eingesammelt. Nur in der eigenen Wohnung, da überlassen sie das Fangen der Staubmäuse nach wie vor ihrer Mitbewohnerin. Die Herausforderung ist offenbar nicht groß genug.

Männer fahren für drei Schrauben in den Baumarkt, aber wenn man sie bittet, auf dem Weg dahin drei Kartons Altpapier zu entsorgen, malmen sie erbittert mit dem Kiefer. Während ein Mann jederzeit in der Lage ist, trägerweise Bier vom Griechen um die Ecke, von der Tankstelle oder vom Getränkemarkt ranzuschaffen (Beute!), scheint es ihm unmöglich, es wieder dorthin zurückzubringen - obwohl die Flaschen dann viel leichter sind. Scheint, als hätten Männer schon vor Tausenden Jahren nur grimmig geknurrt, wenn die Steinzeitfrauen sie baten, die abgenagten Knochen wegzuschaffen.