Wenn Promis über Liebe reden - "Schmachtwort der Woche" "Als gute Ehefrau sollte man dem Ehemann jeden Tag Essen kochen"

Schön, wenn man ein Hobby hat. Aber muss Gwyneth Paltrow gleich so tun, als hätte sie das Hausfrauendasein erfunden, nur weil sie keine Rollenangebote mehr bekommt - und ganz nebenbei ein halbes Jahrhundert Emanzipation zu Brei verkochen?

Eine Kolumne von Violetta Simon

Es gibt Menschen, die glauben, Männer seien der Hemmschuh der Gleichberechtigung. Unsinn - das schaffen die Frauen ganz alleine! Erst kürzlich hat ein ziemlich prominentes weibliches Exemplar bewiesen, wie das geht: "Als gute Ehefrau und Mutter sollte man zu Hause bei den Kindern bleiben und dem Ehemann jeden Tag das Abendessen kochen", zitiert die Bunte Gwyneth Paltrow aus einem Interview mit Harper's Bazaar. Danke, "Gwynnie"! So effektiv und öffentlichkeitswirksam hätte ein Mann niemals sämtliche Errungenschaften der Emanzipation mit einem einzigen Tritt in den Gulli befördern können. Ein Wunder, dass deine Kabbala-Freundin Madonna überhaupt noch mit dir spricht.

Schmachtwort der Woche Gwyneth Paltrow

Das Schmachtwort der Woche sprach diesmal Gwyneth Paltrow.

(Foto: Sophie Kaiser)

Der Name Gwyneth Paltrow stand früher für eine kühle Blonde. Heute ist sie die prominenteste Hausfrau Hollywoods. Einst kassierte die Hollywood-Diva reihenweise Preise und konnte für ihre Rollen bis zu 25 Millionen Dollar Gage verlangen. Heute spricht sie als Überraschungsgast bei den "Good Housekeeping's Shine On Awards", der Vorzeige-Veranstaltung für die moderne Hausfrau. Man kann nicht mehr genau sagen, wer von beiden sich zuerst vom anderen zurückgezogen hat - Paltrow oder das Showbiz. In jedem Fall gehörte sie zu den bestverdienenden Schauspielerinnen und dürfte ihre Schäfchen im Trockenen haben. Da lässt es sich von der Küche aus wunderbar schlaue Sprüche klopfen und nebenbei die Cupcakes in den Ofen schieben.

Man sieht die zweifache Mutter geradezu vor sich, wie sie summend in der Küche steht und hingebungsvoll die Zutaten zerstückelt: Bildungschancen für Mädchen, das Recht auf Kinderbetreuung, Kündigungsschutz, Karrierechancen für berufstätige Mütter - alles verschwindet in einem großen Topf und wird zu einem Einheitsbrei verkocht.

Doch dass Tochter Apple und ihr kleiner Bruder Moses alle Chancen bekommen und später auch zu nutzen wissen, dafür sorgt Gwyneth persönlich: Im Westflügel der Luxusvilla lauschen die beiden (kein Witz!) ihrem Privatlehrer, der ihnen die wichtigsten Fremdsprachen - Latein, Altgriechisch, Französisch und Japanisch - beibringt. Gwyneth selbst kommuniziert mit ihnen übrigens nur Spanisch, weil sie das als 15-Jährige bei einem Schüleraustausch gelernt hat. Der Vater der beiden, Chris Martin, spricht keine dieser Sprachen. Da er seine eigenen Kinder nicht mehr versteht, muss sich Gwynnie nun auch noch als Familiendolmetscherin betätigen - es ist schon verdammt hart, wenn nichts mehr ohne einen läuft.

Die "Paltrow"-Gebühr

Ist es nicht beeindruckend, dass eine Mutter, die weder Erziehungs- noch Kindergeld vom amerikanischen Staat erhält, ja, noch nicht einmal Aussicht auf deutsches Betreuungsgeld hat, sich derart selbstlos der Performance ihrer Kinder widmet? Für eine Wachsfigur bei Madame Tussauds hat es bisher ja nicht gereicht. Aber wer weiß, wenn sie sich weiter so anstrengt, wird man einst vielleicht das von der CDU geforderte Strafgeld für Kinderlosigkeit nach ihr benennen - die "Paltrow"-Gebühr, klingt doch super! Notfalls könnte man auch eines ihrer Kochbücher im Rheinberger Wirtschaftswundermuseum würdigen und ihr eine der Fünfziger-Jahre-Philosophien widmen, die dort eingerahmt an der Wand hängen: "Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen?"

Das wäre wohl das Mindeste für eine so vorbildliche Ehefrau - und Trost für einen herben Verlust: In der Comic-Helden-Verfilmung Avengers (ab April 2012 in den Kinos) wird sie nämlich nun doch nicht zu sehen sein. Zwar ist es offiziell nicht bestätigt, aber man munkelt, dass sie sich während der Dreharbeiten immer wieder aus ihrem Kostüm geschält und vom Set verabschiedet haben soll mit den Worten: "Ich muss jetzt echt los, mein Mann braucht was zu essen!" Dieser Mann ist übrigens kein Baggerführer, der jeden Abend um 18 Uhr auf der Matte steht, seinen Kopf zur Küchentür reinstreckt und fragt: "Was gibt's heute?" Chris Martin ist Frontman der Band Coldplay, und auch wenn er durch seine ruckartigen Tanzbewegungen eher wie ein hilfloser Körperklaus rüberkommt, ist er durchaus in der Lage, dem Tod durch Verhungern auszuweichen, wenn er wochenlang auf Tournee ist. Ob Gwyneth bei seinen Konzerten im Backstagebereich hinter dem Vorhang steht und versucht, dem verausgabten Gatten zwischendurch Apfelschnitze und Vollkornbrote auf die Bühne zu reichen? Ehe ist eben harte Arbeit, das hat sie in einem Interview mit der Elle selbst gesagt.

Wirklich beeindruckend, wie sie das alles wuppt: Stets im Auftrag der Kalorien unterwegs, sogar Kochbücher schreibt sie! Wer hätte gedacht, dass so ein Hungerhaken überhaupt mal den Weg in die Küche findet - und jetzt will sie gar nicht mehr weg vom Herd! Küchentätigkeit als Karrierekick, die Fernsehköche - allen voran Jamie Oliver - haben es vorgemacht: Ein kochender Mann gehört mindestens ins Fernsehen, drunter macht er es nicht. Auch Gwyneth schlemmt nun ganz professionell. Nachdem sie sich jahrelang mit makrobiotischen Diäten quälte und mit veganen Rezepten herumexperimentierte, hält sie heute auf ihrer Lieblings-Hausfrauenwebseite goodhousekeeping.com sündige Muffins ins Bild.

Und wenn sie mal den Finger in den Mund steckt, dann nur, um - pfui, wer an was anderes denkt! - von der leckeren Himbeersahne zu naschen. Ob das glaubwürdig ist? Wen bitte interessiert das denn? Was zählt, ist, dass das dünne Mädchen von einst seine Panikattacken überwunden hat und beim Anblick von Butter, Käse und Eiern nicht mehr in die Papiertüte hyperventilieren muss. Hier ist eine Frau, die entdeckt hat, dass kochen Spaß macht!

Was ist dagegen schon eine Rolle in Hollywood! Als Vollbluthausfrau hat sie ohnehin keinen Kopf mehr für diese Spielereien. Nun gut, 2010 hat sie eine Ausnahme gemacht und die Rolle in dem Seuchen-Thriller Contagion übernommen. Aber nur, weil sie als erster infizierter "Patient Zero" bereits nach zehn Minuten von dem tödlichen Virus dahingerafft wurde - so war sie pünktlich zum Abendessen wieder zu Hause.

Kennen Sie einen peinlichen Spruch von einem Prominenten, ein witziges Zitat einer berühmten Persönlichkeit oder eine Liedzeile zum Thema Liebe? Dann behalten Sie das nicht für sich, sondern schicken Sie es an leben@sueddeutsche.de - Betreff: "Schmachtwort" (bitte den Urheber des Ausspruchs angeben!).