Schlafgewohnheiten Frau hört das Kind, Mann die Autotür

Kommen kleine Kinder ins Spiel, wird die Sache mit dem Doppelbett noch unübersichtlicher. Denn während Mütter bei jedem Mucks aufwachen, behaupten Väter am nächsten Morgen gerne, sie hätten absolut nichts gehört. Schlafforscher bezeichnen den leichten Schlaf von Müttern mit Kleinkindern, die nachts noch gestillt werden, als "Ammenschlaf". Stellen Männer sich aus Faulheit einfach taub, wie ihnen oft vorgeworfen wird? Laut Schlafforschern ist es keine körperliche Behinderung, sondern eher ein psychologisches Phänomen: Männer fühlen sich bei bestimmten Geräuschen alarmiert und bei anderen nicht zuständig. Wird in der Nacht eine Autotür zugeschlagen, wacht eher der Mann auf, schreit ein Kind, eher die Frau. Allerdings ändert sich in diesem Bereich mit dem neuen Rollenverständnis von jungen Vätern auch deren Schlafverhalten.

Negativ auf die Schlafqualität wirkt sich auch die Anwesenheit von elektronischen Geräten im Bett aus. Smartphones und Tablets sind die neuen Kuscheltiere, und viele Menschen widmen sich vor dem Einschlafen lieber intensiv irgendwelchen Freunden auf Facebook als dem Partner, der neben ihnen liegt. Das blaue Licht der Bildschirme wirkt stimulierend und ist Gift für die Einschlafphase. Man muss kein Psychologe oder Schlafmediziner sein, um zu ahnen, dass so etwas weder für den Schlaf noch für die Beziehung förderlich ist.

Nur eine Minderheit der Paare schläft getrennt

Wer trotz all dieser Störfaktoren auf den gemeinsamen Schlaf nicht verzichten möchte, kann zumindest die Hardware optimieren: jedem seine eigene Decke, sein eigenes Kopfkissen und seine eigene Matratze. Dawid Özkök, Inhaber eines Berliner Ladens für individuell angepasste Betten, bietet spezielle Matratzen an: "Männer und Frauen unterscheiden sich stark in ihrem Körperbau und Gewicht, weshalb sie Matratzen benötigen, die sich diesen geschlechtsspezifischen Gegebenheiten anpassen." Die Matratze für den Mann hat mehr Einschnitte im Schulterbereich, die den größten Druckpunkt entlasten. Das weibliche Pendant weist diese vor allem im Hüftbereich auf.

Befremdliche Begebenheiten im Bett

Schon mal vom Syndrom des explodierenden Kopfes gehört? Es gibt mehr Schlafstörungen als Albträume und Schlafwandeln. Auch wenn viele zunächst erschreckend klingen, sind sie doch fast alle harmlos. Von Berit Uhlmann mehr ...

Wenn das alles nichts hilft, sollte man über eine nächtliche Trennung nachdenken. Doch diese Maßnahme ist immer noch sehr unpopulär. Laut einer repräsentativen Umfrage in Österreich gibt nur ein Prozent der Paare zu, getrennt zu schlafen. Zahlen aus England besagen, dass ein Viertel der Paare zumindest zeitweise getrennt schläft. Die Dunkelziffer in diesem Bereich ist hoch - was klar ist, denn erstens handelt es sich um ein nächtliches Phänomen, und zweitens gelten getrennte Zimmer immer noch als Vorbote für den Untergang der Beziehung. Der Ausdruck "miteinander schlafen" hat nicht umsonst zwei Bedeutungen. Wenn die Partnerin vorschlägt, lieber alleine zu schlafen, empfinden das viele Männer als sexuelle Zurückweisung, wie Paartherapeuten berichten. Dabei hängen Qualität und Frequenz sexueller Aktivitäten ja nicht unbedingt von einer gemeinsamen Matratze ab.

Es spricht also vieles für getrennte Schlafzimmer. Man kann es aber auch so pragmatisch sehen wie eine Frau, die zu Schlafforscher Gerhard Klösch sagte: "Wenn er neben mir schnarcht, dann weiß ich wenigstens: Er ist noch da."