Die einen warnen vor schleichendem Alkoholismus, die anderen sehen im täglichen Schluck Rotwein das beste Mittel gegen einen Herzinfarkt. Wer hat Recht im beliebten Stammtischstreit?
Rotwein schützt vor Herzinfarkt? Weintrinker sind gesünder als Biertrinker? Und: Ein Gläschen am Abend hat doch wohl noch niemandem geschadet? Um die gesundheitlichen Auswirkungen von Alkohol hat wahrscheinlich schon jeder Stammtisch gestritten. Und sich ergebnislos vertagt.
Ein Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren. Oder doch? (© Foto: iStockphotos)
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Der Mediziner sieht da klarer: "Man kann nicht grundsätzlich sagen, dass es eine Grenze für unschädlichen Alkoholkonsum gibt", sagt der Arzt Jens Reimer aus Hamburg, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin in Hamburg.
Die Chemikalie Ethanol - nichts anderes ist der berauschende Stoff in Bier und Wein - sei ein Nervengift. Mit jedem Schluck opfern wir der Genussbefriedigung einige unserer Milliarden Nervenzellen.
Und dass auch die Körperorgane durch die toxischen Effekte des Alkohols und seiner Stoffwechselprodukte angegriffen werden, ist kein Geheimnis. Unbestrittene Langzeitfolgen sind Leberschäden und ein erhöhtes Krebsrisiko. Nicht zu vergessen die Gefahr, durch regelmäßiges Trinken abhängig zu werden.
Raubbau an der eigenen Intelligenz
Generationen von Bier- und Weinfreunden wissen aber auch, dass es immer auf die Dosis ankommt. Den Raubbau an der eigenen Intelligenz und Gesundheit kann sich nur leisten, wer moderat vorgeht.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, dass Frauen täglich nicht mehr als 20 Gramm Alkohol zu sich nehmen sollten. Männer dürfen mit 30 Gramm etwas mehr trinken. Den WHO-Grenzwert haben Frauen nach rund einem halben Liter Bier erreicht. Bei Wein ist schon nach einem Glas Schluss. Männern gesteht die WHO etwa 0,75 Liter Bier und 0,3 Liter Wein zu.
Wer die Empfehlung der WHO beherzigt, frönt dem sogenannten risikoarmen Alkoholkonsum. "Einen völlig risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht", warnt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Hamm in einer Broschüre zum Thema. Außerdem ist der Grat schmal, auf dem sich moderate Trinker bewegen: Ab 40 Gramm beziehungsweise 60 Gramm beginnt für Frauen und Männer bereits der gefährliche Konsum.
So wie ein Medikament an verschiedenen Stellen im biochemischen Räderwerk des Körper seine Wirkungen entfaltet - und neben der beabsichtigten Hauptwirkung mehr oder wenige schädliche Nebenwirkungen zur Folge hat - greift auch der "Wirkstoff" Alkohol auf unterschiedliche Weise in den Organismus ein.
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Weil früher die Färber Blau zur Farbe machten. Dazu mußten sie aus den Blättern des Färberwaids durch Gärung Indigo gewinnen. Dazu wiederum legten sie die Blätter in Bottiche und gaben als Lösungsmittel ihren eigenen Urin dazu. Aber dazu brauchten sie noch den Alkohol; je mehr Alkohol, desto mehr Farbstoff bekam man nämlich.
Also betranken sich die Färber mit diesem Mix. Und das meistens zwei Wochen hintereinander, denn solang brauchte die Gärung - heiß und sonnig sollte das Wetter auch noch sein.
So tranken nun also die Färber unablässig, wie es die Arbeitspflicht ja ihnen gebot, und lagen betrunken in der Sonne: sie machten blau und waren blau, und ihre Kinder wurden süchtig...
Wird's besser, wird's schlimmer, fragt man alljährlich,
doch seien wir ehrlich,
das Leben ist immer lebensgefährlich.
Prosit!
"Ein völlig risikofreies Leben gibt es nicht," warnt die Deutsche Hauptstelle für Hausverstand.