Recycling-Mode Kleider aus Müll

T-Shirts aus Biobaumwolle? Von vorgestern! Luxus-Modemarken setzen jetzt auf Recycling und fertigen aus Textilabfällen Kleider, Möbel und Design-Objekte.

Von Miriam Stein

Der Ursprung des Pariser Traditionshauses Hermès liegt im Lederhandwerk. 1837 machte Firmengründer Thierry Hermès als Sattler eine beachtliche Karriere, weil auch die Pferde des europäischen Hochadels exklusiv ausgestattet werden wollten. In den folgenden Jahrzehnten passte sich das Unternehmen immer wieder an die sich verändernde Gesellschaft an, und entwarf, weil es etwa auch den Aufstieg des Bürgertums miterlebte, irgendwann weit mehr als nur noblen Reiterbedarf.

Bambi und seine Freunde waren einmal Abfall. Im Workshop "petit h" wird Luxusmüll zu Luxusaccessoires verarbeitet. Die Unikate wie die Wäschekommode aus Leder und Frottee mit Koffergriffen in Türkis gibt es bei Hermès zu kaufen.

(Foto: Vincent Leroux)

Mittlerweile denkt man, wenn man Hermès hört, an das Carré, das populäre Seidentuch. Das Nietenarmband. Oder die legendäre, aber unerschwingliche Birkin Bag. An dieser Stelle der Firmengeschichte macht Hermès nun eine Art U-Turn. Für die neueste Kollektion "petit h" - "kleines h" - kehrt Hermès zurück zu seinen Wurzeln als einfache Sattlerei. "Ein Stück Leder fällt vom Arbeitstisch des Handwerkers", heißt es im Pressetext, "aus diesem Überbleibsel wird keine neue Tasche, sondern eine neue Kreation." Im Klartext: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Im Workshop "petit h" wird Luxusmüll zu Luxusaccessoires verarbeitet.

Das Ergebnis: Dekorative, solide Stücke, die besonders charmant wirken, weil sie sich selbst nicht zu ernst nehmen. Zum Beispiel die Schaukel aus Lederriemen und Steigbügeln. Oder die Wäschekommode aus Leder und Frottee mit Koffergriffen in Türkis. Das originalgroße Reh aus Hermès-typischem, orangefarbenem Leder wird der ein oder andere Stammkunde jetzt auf einen Geschenkezettel notieren, damit er es den lieben Kinderlein an Heilig Abend unter den Christbaum stellen kann.

Aber Bambi kann nur einer haben. Die "petit h"-Kollektion ist nämlich eine Sammlung von limitierten Einzelstücken, die vom 13. November an zwei Wochen lang bei Hermès in Paris ausgestellt und zum Verkauf angeboten wird. Danach wird sie auf Welttournee gehen, bis sie ausverkauft ist. Das Bambi also reist nur so lange mit, bis es ein neues Zuhause gefunden hat.

Pünktchen für Anton

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