Protokolle von Müttern "Früher haben die Männer doch für ihre Familien gesorgt"

Die Ehe ging bereits in die Brüche, der Job ist alles andere als sicher und die Kinder stecken mitten in der Pubertät. Viele Frauen kommen mit der Vielfach-Belastung in ihrem Leben kaum noch zurecht. Drei Protokolle.

Von Ulrike Heidenreich

"Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir Frauen in der jetzigen Generation alle völlig überlastet sind": Viele Mütter fühlen sich mit Job, Kind und Haushalt überfordert.

(Foto: dpa)

Beruf, Kindererziehung, Haushalt: Viele Mütter können die von ihnen erwarteten Aufgaben nicht mehr schultern. Hier die Protokolle dreier Frauen, die die Grenze zur Überforderung wohl bereits überschritten haben:

Jennifer Jacobsen, 46, Norderstedt

"Ich bin alleinerziehend, habe vier Kinder. Mein Mann und ich waren selbstständig. Als er sich von mir getrennt hat, war das automatisch die Kündigung für mich. Ich bin aus einer Familiensituation gerissen worden. Wegen des neuen Unterhaltsrechts, das eine Katastrophe ist, bekomme ich nichts. Um sich der Unterhaltspflicht zu entziehen, hat sich mein Ex-Mann armgerechnet, für die Kinder zahlt er nur den Mindestsatz. Demnächst müssen wir von Hartz IV leben. Ich suche eine Arbeit, bin Betriebswirtin für Wohnungswirtschaft und Realkredit. Ich möchte natürlich eine gute Leistung in einer möglichen neuen Stelle bringen, könnte es aber noch nicht, weil mir die Kinderbetreuung fehlt.

Im Hort bei uns sind lange Wartezeiten. Dazu kommt mein persönliches Problem, dass ich ständig Schuldgefühle habe meinen Kindern gegenüber. Wenn ich acht Stunden weg im Job bin, kann ich sie nicht auffangen. Gerade nach der Trennung brauchen sie viel Liebe und Zuwendung. Ich bin völlig überfordert von der Logistik, die nötig wäre. Ich bin momentan einfach nur erschöpft. Was ist das für eine Politik, die will, dass Kinder outgesourct werden? Warum muss ich, nur weil die Kinder älter als drei Jahre alt sind, arbeiten? Früher haben die Männer doch auch für ihre Familien gesorgt."

Beate Wagner, 41, Ludwigshafen

"Ich merke oft, dass ich gar nicht mehr zuhören kann, wenn meine Kinder mir etwas erzählen. Ich spüre ständig diesen Druck von allen Seiten. Nie bin ich fertig mit irgendetwas, immer ist Wäsche da, sind Einkäufe nötig, außerdem pflege ich meine kranke Mutter, die in der Nachbarschaft lebt. Nie kann ich mich alleine in Ruhe hinsetzen und einen Kaffee trinken. Meine Kinder sind elf und 15 Jahre alt, mein Mann und ich leben getrennt. Ich arbeite als Bürokauffrau seit 25 Jahren in der gleichen Firma, habe von meiner Dreitages-Stelle jetzt auf fünf Tage Vollzeit erhöht, weil ich das Geld brauche. Zwei Tage zusätzlich im Job schaffen mich sehr, die Konzentration auf die Arbeit fällt mir oft schwer.

Ich will versuchen, in unserem Haus zu bleiben und die Raten für die Kredite weiterzubezahlen. Wir haben das Haus vor zehn Jahren gebaut. Ich möchte meinen Kindern ihr soziales Umfeld erhalten. Ich habe Angst davor, in eine Sozialwohnung umziehen zu müssen. Da bekomme ich Beklemmungen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir Frauen in der jetzigen Generation alle völlig überlastet sind."

Elke W., 52, Niedersachsen

Ich bin als zivile Ärztin bei der Bundeswehr beschäftigt, mein Dienstposten waren die Kreiswehrersatzämter. Nun wird aber alles umstrukturiert und mein Dienstherr weiß bis heute nicht, wo ich künftig arbeiten werde. Das ist eine große Verunsicherung für mich und meine Familie. Ich bin seit langem alleinerziehend, meine Kinder sind 27, 22 und zwölf Jahre alt. Ich weiß nicht, was aus mir wird. Das fordert mich unglaublich.

Weil die Bundeswehr es versäumt hat, uns weiter zu qualifizieren, ist es schwierig für mich, in meinem Wohnort oder anderswo unterzukommen. Ich muss die Suppe also alleine auslöffeln. Das muste ich schon immer: Jahrzehntelang habe ich stets alles alleine organisiert - die Kinderbetreuung, die Mittagessen, und, und, und. Ich hatte da keinerlei Unterstützung. Ich habe nun einen neuen Partner gefunden, er wird aber nicht von den Kindern akzeptiert. Darum sitze ich immer zwischen allen Stühlen. Dass auch mein beruflicher Grundpfeiler wackelt, trägt natürlich zu meiner Erschöpfung bei. Als Frau und als Mensch bleibt man auf der Strecke.