Promis und Liebe: Schmachtwort der Woche "Ich hab den Urlaub nicht gewollt"

Wer seinen Partner loswerden will, der sollte mit ihm verreisen: Nirgendwo kann man seine Beziehung so effektiv ruinieren wie im gemeinsamen Urlaub. Denn er bringt die schlechtesten Seiten in uns zum Vorschein.

Eine Kolumne von Violetta Simon

Da sitzen sie nun, wie romantisch. Blicken in die endlose Weite des Himmels und hören das tosende Rauschen des Ozeans. Den ganzen Tag über nichts zu tun, als sich gegenseitig den Rücken einzucremen, Hand in Hand am Strand entlangzugehen und sich zu fragen, was es im Hotelrestaurant zum Abendessen gibt. Mit anderen Worten: Die besten Voraussetzungen, seine Ehe zu ruinieren.

stephan remmler schmachtwort

Das Schmachtwort der Woche sang in den Achtzigern Trio-Sänger Stephan Remmler.

(Foto: Sophie Kaiser)

Trio-Sänger Stephan Remmler hat diese Erfahrung bereits hinter sich. Er schrieb den Song "Keine Sterne in Athen", ein Appell gegen den gemeinsamen Urlaub. Darin klagt er: "Ich hab den Urlaub nicht gewollt. Du hast gesagt, es müsste sein". Seine Botschaft: Lass uns zu Hause bleiben, der Beziehung zuliebe.

In dem Moment, in dem die Frau ihren gewaltigen Hartschalenkoffer anschleppt, würde so mancher Mann das Flugticket am liebsten an die Goldfische verfüttern. Stattdessen kramt er wortlos seine Sporttasche unter dem Bett hervor und wartet darauf, dass sie die Wahl seines Gepäckstücks kommentiert. Noch bevor er zwei Paar Tennissocken darin versenken kann, tut sie ihm den Gefallen: "Damit willst du verreisen? Ich hoffe nicht, dass du jeden Tag in denselben Shorts rumläufst", quengelt sie, während sie Kleider, Röcke, Hosen, Caprihosen, Shorts, Blusen, Shirts, Trägertops, Pullover, Pullunder, Unterwäsche, Bikinis und Badeanzüge großzügig auf dem Bett verteilt.

"Und ich frage mich, warum du nicht einfach zwei Trageriemen an deinem Kleiderschrank befestigst und ihn auf dem Rücken zum Flughafen schleppst", lästert er. Weiter geht die Debatte nicht, denn auch diesmal heißt es: "Lass uns das in Ruhe besprechen, wenn wir im Urlaub sind."

Nun sitzen sie auf irgendeiner Insel. Und streiten, dass die Fetzen fliegen. Dabei müssen sie noch nicht einmal auf all die aufgeschobenen Themen zurückgreifen. Sie haben genügend neue: seine unerträgliche Hyperaktivität, wegen der jeder noch so verbröselte Steinhaufen in sengender Hitze besucht wird. Ihre zur Schau getragene schlechte Laune, unterstrichen durch Seufzer und Flunsch.

Jeder neue Tag bietet eine weitere Steilvorlage für einen versauten Abend. Mit jeder gemeinsam verbrachten Stunde kommen mehr Schrullen an die Oberfläche, die im Alltag keine Chance haben: dass der andere noch immer ständig alles in D-Mark umrechnet. Dass er Adiletten auch außerhalb der Sauna, und zwar mit Socken, trägt. Dass er Restaurants bevorzugt, vor denen Schilder mit abfotografierten Gerichten stehen.

Streitlustig fixiert sie die leuchtendrote Nase ihres Liebsten und stellt fest, dass diese nicht wegen der Sonne, sondern wegen der Cocktails glüht. Ob es jetzt allmählich nicht genug sei, zischt sie. "So viel wie du mich nervst, kann ich gar nicht trinken!", knurrt er. Die Lust auf Versöhnungssex ist längst im drückendfeuchten Klima erstickt.

In seinem Song bringt Stephan Remmler die Gefühlslage des Paares folgendermaßen auf den Punkt: "Die ganze Zeit sind wir zusammen, sogar zum Frühstück wird gelacht. Doch wenn ich dich den ganzen Tag hab, dann bin ich fertig für die Nacht."