Promis und die Liebe - Schmachtwort der Woche "Wir haben ja auch ein Gehirn"

Männer tun sich schwer damit, monogam zu leben. Filmemacher Simon Verhoeven glaubt fest daran, dass es gelingt - wenn man nur das Hirn einschaltet. Doch kann ein bisschen Grütze wirklich verhindern, dass aus einem verlässlichen Partner ein triebgesteuerter Neandertaler wird?

Eine Kolumne von Violetta Simon

Auf der ganzen Welt gibt es nur ein einziges Lebewesen, das bedingungslos treu sein kann: ein Plattwurm mit dem vielsagenden Namen Diplozoon paradoxum - Sie merken schon, ein Widerspruch in sich. Wie das funktioniert? Sobald ein männlicher auf einen weiblichen Plattwurm trifft, wachsen die beiden an ihren Geschlechtsteilen zusammen - da wird nicht lange herumdiskutiert von wegen "ich will mich noch nicht festlegen" oder "muss mich erst selbst finden". Von da an besamen sie sich ausschließlich gegenseitig, und zwar lebenslang - Seitensprung ausgeschlossen. Was bleibt ihnen auch übrig.

Schachtwort Verhoevn

Das Schachtwort der Woche kommt diesmal von Simon Verhoeven.

(Foto: Sz.de)

Wenn der Menschen von Monogamie spricht, dann wird es schon komplizierter. Meist fallen dann Attribute wie "unmöglich" oder "kaum zu schaffen" wenn nicht gar "wider die Natur". Obwohl auch Frauen hie und da einem Seitensprung nicht abgeneigt sind, nimmt dann doch der Mann die Bürde klaglos auf sich und fügt sich bereitwillig in seine Rolle als treuloser Problembär. Weil so eine - genetisch bedingte - Veranlagung eignet sich prima als Argument, wenn es mal wieder nicht geklappt hat mit der Monogamie.

Als Experte in Sachen Männerherzen half der Filmemacher Simon Verhoeven noch ein bisschen nach beim Verfassen des Freibriefes für brunftige Männer. Als er in einem Interview mit dem Playboy gefragt wurde, ob Männer für die Monogamie geschaffen seien, antwortete er : "Biologisch gesehen sicherlich nicht. Psychologisch auch nur bedingt." Zum Glück, gab Verhoeven zu Bedenken, gebe es da noch eine Kontrollinstanz. Nein, nicht die Gattin mit dem Nudelholz, sondern eine innere: "Wir haben ja auch ein Gehirn", fiel dem Regisseur gerade noch ein. "Wir können Entscheidungen treffen. Es ist ja nicht so, dass man wie ein Hund auf alles draufspringt."

Ein Hoch aufs Hirn! Dieses hochkomplexe Gebilde sorgt dafür, dass sich der moderne Mensch nicht hechelnd an allem reibt, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Das bedeutet aber auch: Den zuverlässigen, zivilisierten Partner von heute trennt lediglich ein glibberiger Haufen Grütze vom lüstern grunzenden Neandertaler.

Ausgerechnet das menschliche Hirn, dieses Ferkel! Als unerschöpfliche Quelle schamloser Fantasien steht es dem Manne jederzeit und überall zur Verfügung - und lässt ihn in Gedanken die komplette Liste der "Sexiest Women Alive" vernaschen, während sich die ahnungslose Gemahlin nebenan die Beine epiliert.

Mag ja sein, dass dieses verdorbene Gebilde einen Mann davon abhalten kann, sich die nächste Frau über die Schulter zu werfen und in seine Wohnung zu schleppen. Deshalb hat die Evolution aber noch lange keinen keuschen Einzeller aus ihm gemacht. Denn auch wenn wir nicht mehr in Rudeln leben: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass unsere Gene noch immer Neandertaler-DNA enthalten. Und die behindert den Homo sapiens permanent in seinen guten Absichten, monogam zu leben.