"PorYes-Award" in Berlin Wie geil ist das denn

Eine Szene aus einem Film der feministischen Künstlerin Gala Vanting.

(Foto: Gala Vanting)
  • Feministische Pornografie will stereotype Muster von Sexfilmen durchbrechen.
  • Die Filmemacherinnen und Filmemacher zeigen Sex in allen Variationen, auch abseits der typischen Körpermaße - egal ob schwul, lesbisch, hetero, transgender oder Sado-Maso.
  • In Berlin wird nun zum vierten Mal der "PorYes-Award" für feministischen Porno verliehen.
Von Hannah Beitzer, Berlin

Dicke Körper sind schön, dünne Körper auch. Schamhaar ist heiß. Fesseln turnt an. Streicheln turnt an. Tiefe Blicke turnen an, schnelle Nummern turnen an - kurz: Erfüllender Sex ist für jeden etwas anderes.

Komisch also, dass Pornografie oft so einfallslos funktioniert. "Blasen, ficken, abspritzen, fertig" - so fasst es die feministische Kommunikationswissenschaftlerin Laura Méritt zusammen. Genau dieser stereotype Ablauf sei dafür verantwortlich, dass Porno und Feminismus als Gegensätze gelten. "PorNo" hieß eine Kampagne, mit der sich Ende der 80er Jahre Alice Schwarzer gegen das erniedrigende Frauenbild wandte, das in Pornofilmen bis heute reproduziert wird.

Kann Porno feministisch sein?

"Die PorNo-Kampagne hatte damals schon ihren Sinn", sagt Méritt. Nur fragte sie sich bald: Wenn wir das nicht wollen - was wollen wir dann? Für die 55-Jährige ist die Antwort: Porno, der anders ist. In dem ein schlaffer Penis schön sein kann, ein Körper abseits der Norm. Porno, der heterosexuellen Geschlechtsverkehr ebenso vielfältig zeigt wie homosexuellen. Porno, in dem die Lust von heterosexuellen Frauen genauso eine Rolle spielt wie die von lesbischen oder von Transmännern und -frauen. Die zeigen zum Beispiel die Filme des US-Künstlers Buck Angel, der sich "a man with a pussy" nennt, also "Mann mit Muschi".

Und natürlich geht es letztlich auch um Männer, für die es nicht die einzige Erfüllung ist, eine Frau so richtig ranzunehmen und ihr dann ins Gesicht zu spritzen. Méritt hat daher eine Art Gütesiegel für feministischen Porno entwickelt und verleiht seit 2009 alle zwei Jahre in Berlin den "PorYes-Award". Jeden Freitag lädt sie zu einem Salon in ihrer Wohnung in Kreuzberg. Am Abend vor der Preisverleihung in diesem Jahr ist die kleine Wohnung ziemlich voll. Es sind hauptsächlich Frauen, die hier telefonieren, Namen auf die Gästeliste schreiben und den Besuchern Filme und Sexspielzeug zeigen.

Die australische Pornofilmerin Ms Naughty und ihr Mann stehen in Strümpfen in Méritts Schlafzimmer, das gleichzeitig ein Shop für Sexspielzeug ist. Sie erzählen gerade, wie schwierig es ist, einen interessanten Dreier zu drehen. "Wir wollen ja nicht, dass es klassisch ist: Zwei Frauen bedienen einen Mann. Sie sollen auch miteinander agieren", erklärt die Filmemacherin. Kurz darauf betritt ein Paar den Raum, lässt sich Dildos zeigen, die aussehen wie eine Gurke oder formbar sind wie Knetgummi.

Konsens ist die wichtigste Botschaft

"Es ist wichtig, dass Leute sich trauen zu fragen", erklärt Méritt die offene Atmosphäre. "Mir geht es auch darum, dass sie über ihre Sexualanatomie Bescheid wissen." Da sieht Méritt ein großes Manko und eine große Unsicherheit, vor allem bei Frauen. Die fühlten sich von allen Seiten eingeschüchtert und unter Druck gesetzt - durchaus auch durch die sexuelle Offenheit, die in Zeiten von Tinder-Dates und Casual Sex von der modernen Frau erwartet wird. Aber helfen dagegen wirklich Pornos?

"Ich kann mir schon vorstellen, dass manche Frauen denken: Mein Gott, jetzt soll ich auch noch ejakulieren und einen Dreier haben", sagt Méritt und lacht. Niemand soll, so wünscht sie es sich, zu ihrem kleinen Salon kommen und danach das Gefühl haben: Ich habe zu wenig Sex. Ihr geht es auch, das wird im Gespräch deutlich, weniger darum, dass in den Filmen möglichst ausgefallene Sexpraktiken gezeigt werden. Méritt ist wichtig: "Dass die Paare auch einmal miteinander kommunizieren, fragen: Hast du noch Lust? Sollen wir den Dildo ausprobieren? Möchtest du Gleitgel?"