Marathon Viel Trinken überflüssig

Literweise schütten Marathonläufer Wasser in sich hinein, um ihre Körpertemperatur zu senken und ihre Leistung zu erhöhen. Vergeblich, sagen britische Wissenschaftler.

In London war es am Wochenende wieder zu sehen: An heißen Tagen schütten durstige Marathonläufer literweise Flüssigkeit in sich hinein.

Die Chinesin Zhou Chunxiu hätte den London Flora Marathon 2007 vermutlich auch ohne viel zu trinken gewonnen.

(Foto: Foto: Reuters)

Das Wasser, so die Annahme von Wissenschaftlern und Sportlern, dämpft den Anstieg der Körpertemperatur. Die erreicht bei den Sportlern schon mal mehr als 39 Grad - zwei Grad höher als normal. Und die innere Hitze soll der Leistung abträglich sein.

Doch der erhoffte Wasser-Effekt tritt offenbar nicht ein.

"Unsere Forschung, für die wir erstmals die innere Körpertemperatur kontinuierlich gemessen haben, bietet keine Hinweise darauf, dass Flüssigkeitsaufnahme die Läufer abkühlt oder ihrer Leistung verbessert", erklärte Chris Byrne von der University of Exeter.

Die Forscher untersuchten eine Gruppe männlicher Teilnehmer des Singapore-Army-Halbmarathons über 21 Kilometer. Während des Wettbewerbs herrschten Temperaturen zwischen 26 und 29 Grad, die Luftfeuchtigkeit betrug 75 bis 90 Prozent.

In der Nacht vor dem Rennen hatten die Läufer kleine Sensoren geschluckt, die Informationen über die Körpertemperatur an einen Empfänger abgaben, den die Teilnehmer ebenfalls mit sich trugen.

Damit konnte die Körpertemperatur während des gesamten Rennens direkt gemessen werden. Frühere Untersuchungen hatten sich dagegen darauf beschränkt, diese Daten erst nach den Läufen zu messen.

Wie Byrne und sein Team im Journal Medicine & Sports in Sports & Exercise berichteten, schwitzten alle Läufer im Schnitt 1,5 Liter Wasser pro Stunde aus. Bei der Hälfte der Marathonteilnehmer stieg die Temperatur auf 40 Grad an. Mit Hilfe von Getränken ersetzten die Sportler zwischen sechs und 73 Prozent des Wasserverlustes während des Laufes.

Doch ein Zusammenhang zwischen der Flüssigkeitsmenge, die die Läufer tranken, ihrer Körpertemperatur und ihrer Leistung ließ sich nicht feststellen.

"Ich würde alle Teilnehmer am heutigen Lauf dazu ermutigen, vor dem Start ausreichend zu trinken", sagte Byrne vor dem London Marathon. "Aber sie müssen sich nicht bemühen, dies während des Laufes zu tun."

Marathonteilnehmer sollten auf ihren Körper hören und trinken, wenn sie Durst haben. Aber etliche Liter Wasser zu trinken werde ihnen nicht helfen, schneller zu laufen, so Byrne.