Klinik für Mütter mit Burn-out-Erscheinungen Kuren ohne Kinder sind die große Ausnahme

Das Lachen hatte sie fast verlernt. "Vor der Kur habe ich nie mehr gesagt, dass ich mich glücklich fühle", erinnert sie sich. Am schlimmsten war die Rund-um-die-Uhr-Belastung: "Man steht ja immer parat", sagt Frentzen, "auch nachts." Bis ihr Sohn drei Jahre alt wurde, war er jede Nacht zwei Stunden wach. Ihr Mann hat davon wenig mitbekommen. Doch sie litt unter dem chronischen Schlafmangel. Und gleichzeitig fragte sie sich ständig: Wie kann es sein, dass ich mich überfordert fühle - ausgerechnet ich als Pädagogin?

Als dann noch die Streptokokken kamen, war es zu viel für Petra Frentzen. Ein Familienmitglied nach dem anderen wurde schwer krank. Wer Jahre am Rand des Möglichen entlangschrappt, bei dem genügt oft ein Auslöser, um die Welt aus den Angeln zu reißen. Bei Petra Frentzen waren das die Streptokokken. Damals war sie nur noch unglücklich. Sie begann den Tag schon mit einer düsteren Wolke auf dem Gemüt. Alles war zu viel. Als sie die Entscheidung für eine Kur traf, war schnell klar: Es sollte eine Kur für sie allein sein.

Doch Kuren ohne Kinder, wie Petra Frentzen und Antje Becker sie genossen haben, sind heute die große Ausnahme. Nur fünf der 77 Kurkliniken des Müttergenesungswerks sind allein für Frauen gedacht. In allen anderen kommen die Kinder mit. Dabei hatte die Gründerin des Müttergenesungswerks, Elly Heuss-Knapp, Müttern schon 1950 Kuren außerhalb der Familie ermöglichen wollen. Dass dies heute kaum noch nachgefragt wird, mag auch ein Zeichen dafür sein, dass es ohne die Mütter zu Hause oft nicht geht. Oder dass Mütter und Väter denken, es gehe nicht ohne sie. "Für die meisten Frauen wäre es aber wichtig, sich endlich einmal auf sich selbst zu besinnen", sagt Klinikleiter Erhart.

Auch Antje Becker weiß: "Eine Mutter-Kind-Kur hätte nicht so schnell Erfolge gebracht." Allerdings ist das schlechte Gewissen in Wertach nun ein ständiger Begleiter. "Sieh zu, dass du nicht am Ende reif für eine Kur bist", hat Antje Becker neulich noch zu ihrem Mann gesagt.

Dinge können auch gut sein, ohne dass sie perfekt sind

Die Kuren ohne Anhang haben einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil: Die ganze Familie erkennt zwangsläufig, dass sie auch ohne die Mutter über die Runden kommt. "Das ist eine Lehre, die nicht nur gut für Vater und Kinder ist, sondern auch für die Mütter", sagt die Ärztin Gabriela Gaschler. "Denn allzu oft haben Frauen ihren Anteil an der eigenen Erschöpfung, sie können nicht loslassen."

Auch Petra Frentzen musste lernen, ihren Mann einfach mal machen zu lassen. Wenn die Spülmaschine ineffizient eingeräumt oder die Wäsche faltenreich aufgehängt ist, dann ist es eben immer noch besser, als wenn das schmutzige Geschirr noch auf dem Tisch steht und die Wäsche in der Maschine wartet. "Ich versuche heute, vieles lockerer zu sehen", sagt Frentzen. Dazu gehört es auch zu erkennen, dass sich manche Probleme nicht durch immer mehr Effizienz lösen lassen. Dinge können auch gut sein, ohne dass sie perfekt sind.

Antje Becker hat das für sich erkannt: "Ich muss mich von meiner Maximal-Perfektions-Erwartung verabschieden", sagt sie. Das vermeintlich gemütliche Familienfrühstück, das muss eben nicht sein, wenn es gar nicht gemütlich ist, weil zum Beispiel der Sohn morgens ständig schlechte Laune hat. Familie Frentzen geht genau damit inzwischen pragmatisch um. Jetzt geht halt jeder morgens seiner Wege. Es ist so zwar nicht wie in der Rama-Werbung. Aber das war es, was die Stimmung betraf, vorher schließlich auch nicht.