Kinder in der Pubertät Welche Rolle die Väter haben

EXIT MARRAKECH; Exit Marrakech Vater Heinrich (Ulrich Tukur) mit seinem Sohn Ben (Samuel Schneider).; Exit Marrakech

Mutter und Vater sind beide unverzichtbar für die Erziehung eines Kindes, sagt der Kinderpsychologe Wassilios E. Fthenakis, aber sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Ein Gespräch über Vaterschaftskonzepte, unterschiedliche Rollenaufteilung und Vorbilder.

Von Eva Dignös

Kaum jemand hat die Väter in Deutschland so genau studiert wie der Kinderpsychologe Wassilios E. Fthenakis. Er gilt als Begründer der Väterforschung in Deutschland (unter anderem durch die Studie "Die Rolle des Vaters in der Familie").

Süddeutsche.de: Die meisten Eltern bemühen sich, die Erziehungsaufgaben gleich zu verteilen. Nehmen Vater und Mutter trotzdem unterschiedliche Rollen ein?

Wassilios E. Fthenakis: Beide Elternteile sind unverzichtbar. Aber sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Väter sind besonders stark an der Entwicklung des Selbstkonzepts des Kindes beteiligt. Väterliche Merkmale sind prognostisch bedeutsam, wenn man die schulische Laufbahn des Kindes vorhersagen möchte, und Väter tragen dazu bei, dass Kinder später als Erwachsene keine Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Darüber hinaus vermitteln sie dem Kind Informationen über Gesellschaft und Berufsleben. Und sie haben eine zentrale Rolle, wenn es um die Entwicklung der Autonomie geht, ebenso bei der Ausprägung des geschlechtsrollenspezifischen Verhaltens, besonders bei Mädchen. Die Mütter dagegen tragen zur Regulierung sozialer Kontakte und sozialer Beziehungen bei. Und beide Eltern sind in gleicher Weise für die Lebenszufriedenheit ihrer Kinder wichtig.

Verhalten sich Väter ihren Kindern gegenüber anders als Mütter?

Väter verbringen zwar meist weniger Zeit mit ihren Kindern, nutzen diese aber intensiver - beispielsweise, wenn sie abends von der Arbeit kommen und sich erst einmal intensiv ausschließlich ihren Kindern widmen. Und sie betten diese Interaktion in der Regel in einen angenehmen Kontext ein: Sie werfen die Kleinkinder hoch, fangen sie wieder und so gestaltet sich die Beziehung für die Kinder attraktiv und aufregend. Viele Mütter sind zwar mehr Stunden des Tages mit ihren Kindern zusammen, der Kontakt verläuft aber oft parallel zu anderen Tätigkeiten.

Wie hat sich Vorstellung von einem guten Vater in den letzten Jahrzehnten verändert?

Die meisten Väter sind heute soziale Väter. Sie treten nicht mehr autoritär auf wie in früheren Generationen, sondern lassen ihren Kindern Freiheit für individuelle Entscheidungen, sie sind emotional nahe an ihren Kindern. Deshalb erleben viele Väter heute zum Beispiel einen ähnlich starken inneren Konflikt wie Frauen, wenn sich Familie und Beruf für sie nicht vereinbaren lassen.

Verhält sich ein Vater von Söhnen anders als ein Vater von Töchtern?

Das Vaterschaftskonzept entwickelt sich, bevor Männer Väter werden, und bleibt danach stabil. Und es ist unabhängig davon, ob es sich bei dem Kind um einen Sohn oder eine Tochter handelt. Es hängt vielmehr mit den Erfahrungen, die man in der frühen Kindheit mit dem eigenen Vater gemacht hat, und mit der Partnerschaftsqualität zusammen. Zufriedenheit in der Partnerschaft und Engagement als Vater sind miteinander verbunden.