Heilertage am Chiemsee Trost aus der esoterischen Parallelwelt

Szene an einem Stand bei den Heilertagen im Chiemgau. Immer mehr Menschen suchen dort Hilfe.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bei den Heilertagen am Chiemsee treffen Schamanen auf Engelsseher und Handaufleger auf Klangtherapeuten. Ein Besuch im toten Winkel der Schulmedizin.

Von Jan Stremmel

Das Halsweh hatte natürlich mit dem Geld zu tun, das hat Magdalena gleich geahnt. Am Morgen saß sie im Auto und hatte plötzlich Schmerzen beim Schlucken, "wie bei einer Angina". Sie hielt inne und dachte sich: Moment. Wo waren meine Gedanken gerade? "Dann wurde mir klar: Ah ja, die Sache mit dem Geld. Die stresst mich."

Deshalb steht Magdalena, eine weißhaarige Frau mit seidenweicher Stimme, jetzt vor einem Pavillonzelt in einem hübsch verwachsenen Park und wartet auf ihre Orakelsitzung. Sie will eine zweite Meinung zu ihrem Gefühl mit dem Geld. Am Zelt hängt eine Preisliste: Schamanische Pulsdiagnose - acht Euro. Orakelsitzung - neun Euro.

Magdalena, 59, ist Krankenschwester in Mittelfranken, aber im Nebenberuf Heilerin. Sie hilft Menschen durch Energieübertragung, sagt sie, speziell auf die Wirbelsäule. Funktioniere sogar bei Pferden. Aber ihre "Gabe", wie sie es nennt, quält sie auch: Wie viel soll sie Kunden für Geistheilung in Rechnung stellen? Und ist es in Ordnung, von wohlhabenden Menschen mehr zu verlangen?

Falafel und feuchtes Gras

Der Park, in dem das Pavillonzelt steht, gehört zu einer Gründerzeitvilla in Obing, nahe dem Chiemsee. Magdalena ist hier, um sich Vorträge anzuhören. Bei den "Heilertagen", einer Art Publikumsmesse der super-alternativen Gesundheitsbranche, treffen Engelsseher auf Prana-Lehrer, Handaufleger auf Klangtherapeuten. Und die wiederum auf ganz normale Menschen mit Faible für das Wort "ganzheitlich", das hier auf fast jedes Banner gedruckt ist. Es riecht nach Falafel und feuchtem Gras, ein Anbieter für spirituelle Sahara-Touren hat zwei Kamele mitgebracht.

Vor acht Jahren fand die Veranstaltung erstmals statt, eine Art Tag der offenen Tür der Heilerschule "San Esprit", die in der Villa residiert. Es kamen gleich 120 Leute. Im Jahr darauf öffnete man wegen des Andrangs den Park. Inzwischen rechnen die Veranstalter mit 5000 Menschen, die zwei Tage lang Vorträge zum energetischen Räuchern oder Einführungskurse im "Spirit-Trommelspiel Hand to Hand" besuchen.

Es sind Leute wie Martina und Helmut, die gerade in Richtung Shiatsu-Massage schlendern. Sie ist Altenpflegerin, er ist Gastronom, mit Schnauzer und Kettchen. Er sagt: "Ich glaub ja nicht an so Zeug", und lacht. "Aber die Martina!" Seit Jahren hat sie Schmerzen im Fußgelenk, das viele Stehen bei der Arbeit. Kein Arzt konnte helfen. Aus Neugier ging sie eines Tages zu einem Geistheiler im Nachbarort. "Und bevor ich überhaupt sagen konnte, was mein Problem ist, hat er schon gesagt: ,Das linke Fußgelenk, oder?' Einfach toll." Sie verließ den Heiler nach einer Stunde und, sagt sie: ohne Schmerzen.

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