Kirsten Fuchs

Mir ist auch unwohl, wenn es bei der Tochter zu rosa und zu eitel wird, aber ich halte mich da bedeckt. Sie soll sich ausprobieren, erfahren können, herausfinden, wer sie ist... Ich sage ihr, dass Mädchen alles können, was Jungs können, und sie soll sich nicht wegen Äußerlichkeiten unsicher machen lassen. Niemand darf sie angreifen, wegen zu dick, zu dünn, zu rosa, zu unrosa. Wie wäre es im Vergleich, wenn ein Junge Nagellack will? Ich kenne einige Eltern, die stolz auf ihre Prinzessinnensöhne sind und sie unterstützen, dasselbe aber bei einem Mädchen nicht tun würden. Ja, das eine ist mutiger als das andere, aber für das Kind ist die Unterstützung der Eltern auch wichtig, wenn es einen unmutigen Weg gehen möchte. Innerhalb Ihrer Familie ist dieser rosa Weg interessanterweise ja sogar mutiger. Warum eigentlich sollen unweibliche Frauen per se besser sein? Das zeigt doch, dass wir Stärke immer noch mit Männern verbinden und ein Mädchen, das sich am Vorbild der Männer orientiert, deshalb als stärker betrachten. Das wertet Frauen ab. Meine Mutter hat immer gesagt, dass sie allen Eltern zwei unterschiedliche Kinder wünscht, damit sie sich in ihren erzieherischen Möglichkeiten nicht überschätzen. Also Glückwunsch zum Traktormädchen und zum Prinzessinmädchen.

Kirsten Fuchs ist Schriftstellerin und lebt mit Tochter, Mann und Hund in Berlin. Sie schreibt vor allem Kinder- und Jugendbücher, außerdem Theaterstücke und Romane. Ihr bekanntestes Buch ist die "Mädchenmeute".

Bild: Stefanie Fiebrig 15. Januar 2018, 08:522018-01-15 08:52:57 © SZ vom 30.12.2017/ick