Familie Aus die Laus?

Läuse krabbeln von Kopf zu Kopf. Hier betrachten zwei Besucher im Museum das übergroße Modell einer Kopflaus.

(Foto: Stephan Rumpf)

Während überall Kinderköpfe shamponiert und gekämmt werden, hat ein Experte den ultimativen Plan, um Läuse zu eliminieren. Der Haken: Alle müssten mitziehen.

Von Verena Mayer

Und als die Sechsjährige wieder einmal mit eingeschäumtem Kopf in der Badewanne sitzt, man ihre Haare wäscht, spült und jede einzelne Strähne auf hellbraune Tierchen und deren Nachwuchs absucht - da fragt sie plötzlich in die Stille des Badezimmers: "Mama, wer hat eigentlich die Läuse erfunden?"

Als Mutter schulpflichtiger Kinder, die mindestens einmal im Jahr, eher aber alle drei Monate Kopfläuse haben, würde man gerne antworten: Das waren dunkle Mächte, die verhindern wollen, dass eine Familie einfach mal nett beisammen ist. Und nicht ihre Zeit damit verbringt, öliges Läusemittel, das dreißig Minuten einwirken muss, in der ganzen Wohnung zu verschmieren, es wieder auszuwaschen und sich gegenseitig mit einem Metallkamm zu traktieren, dessen Zähne so eng stehen, dass man damit nicht einmal ein Plüschtier striegeln kann. Geschweige denn langes Mädchenhaar, das der Statistik zufolge am häufigsten betroffen ist. Auf einen Jungen mit Läusen kommen in Mitteleuropa zwei Mädchen, in der Türkei sogar zwölf. Und das alles am Wochenende, denn Kopfläuse hat man, wie Wasserrohrbrüche oder Computerviren, gerne Samstagabend.

Bettwanzen oder Mücken stehen für Mobilität, die Laus hingegen sorgt immer noch für Scham

Oder aber die internationale Shampoo- und Kamm-Lobby hat die Läuse erfunden. Denn wer profitiert bitte schön von dem ständigen Waschen und Auskämmen? Da muss man doch nur der Spur des Geldes folgen! In Deutschland werden jedenfalls im Jahr etwa 28 Millionen Euro für Läusemittel ausgegeben. Die Kosten, die entstehen, weil Eltern ihre verlausten Kinder irgendwo abholen oder daheimbehalten müssen, sind da nicht miteingerechnet.

Wenn die Laus durch den Haarwald steigt

Mindestens so schlimm wie Läuse auf dem Kopf sind die Ängste im Kopf der Betroffenen. Wie Sie die Blutsauger erhobenen Hauptes wieder loswerden. Von Berit Uhlmann mehr ... Serie über Alltagsbeschwerden

Solchen Quatsch erzählt man dem Kind in der Badewanne natürlich nicht, das gerade fasziniert zuguckt, wie die Läuse den Ausguss hinuntergespült werden. Sondern die Wahrheit: Läuse gab es immer schon, wo Menschen zusammenleben und sich die Insekten mit ihren sechs Klammerbeinchen von Haarsträhne zu Haarsträhne hangeln können. Nachts im Bett etwa, wo die maximal zehn Läuse, die der Forschung zufolge einen durchschnittlichen mitteleuropäischen Kinderkopf bevölkern, mehrmals den Wirt wechseln.

Läuse treffen jeden, unabhängig von Herkunft, Haarfarbe und Hygiene, sogar das Model Heidi Klum hatte letztens welche. In einer Talkshow erzählte Klum, wie sie erst panisch wurde und dann zur Behandlung einen dieser Dienste holte, um die man die USA beneidet: "Lice Fairy" heißen die, Läuse-Fee. Was allen Menschen jedoch gemein ist: Kaum spricht man über oder denkt an Läuse, juckt es einen am Kopf.

Neu ist hingegen, wie offen mit dem Thema umgegangen wird. Gesundheitsbehörden informieren über Pedikulose, wie Kopflausbefall medizinisch heißt, Schulen haben "Läuse-Verträge", in denen man sich verpflichtet, Befall zu melden und die Kinder nicht unbehandelt zur Schule zu schicken. In Wien kann man sich vom Amt entlausen lassen, in Großbritannien gibt es den "Bug Busting Day", einen landesweiten Aktionstag gegen Läuse. Und in einem Mathematikbuch für die vierte Klasse findet sich folgende Aufgabe: "Eine weibliche Laus legt an jedem Tag ihres einmonatigen Lebens etwa vier Eier. Nach acht Tagen schlüpft die Laus, beginnt sich zu paaren und legt wieder Eier. Wie viele Eier legt eine Laus in drei Wochen?"