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Kabinett der Kalamitäten:Wenn die Laus durch den Haarwald steigt

Läuse

Ungefähr so stellen sich viele Menschen Läuse vor. Tatsächlich sind die Tiere kaum sichtbar und springen nicht.

(Foto: Illustration: Dalila Keller)

Der Körper ist ein Wunderwerk - und verwundert uns täglich aufs Neue. Er produziert seltsame Geräusche, Gerüche, Ticks, Besessenheiten und Beschwerden. Hält sich aber gerne bedeckt, wenn man fragt: Wo kommt das her? Und vor allem: Wie geht das wieder weg? Eine Serie über Alltags-Misslichkeiten. Teil 10: Läusebefall.

Bei Alfred Brehm Rat zu suchen, ist nicht zu empfehlen: "Die Beine sind zum Klettern und Anklammern eingerichtet, mit ihnen steigt die Laus im Haarwald umher", heißt es in "Brehms Tierleben". Und dann kommt es: "Der Munddarm wird ausgestülpt und als röhrenförmiger Rüssel fest auf die Haut angesetzt; ein Bohrstachel, der in einer Tasche verborgen war, kommt hervor und dringt bis zu den blutführenden Schichten". Und spätestens, wenn Brehm sich dazu versteigt, dass durch Bohrstachel und Munddarm am menschlichen Kopfe "blutrünstige Stellen" entstünden, wird es Zeit, dem Zoologen Einhalt zu gebieten.

Das Insekt, über das wir hier sprechen, misst nur wenige Millimeter und ist in aller Regel harmlos. Es rechtfertigt nicht die Vorstellung von sozialer Ächtung, die Betroffene heute erfasst. Und auch nicht die Panik, mit der Ecken im Haus ausgesaugt werden, in die noch nie ein Lebewesen vorgedrungen ist. Die erste Maßnahme bei Läusebefall heißt vielmehr: Durchatmen. Sich informieren. Alles schön der Reihe nach:

Wer bekommt Läuse?

Mit dem Steigen im Haarwald hatte Brehm recht. Die Tiere springen nicht, fliegen nicht, rennen nicht. Sie steigen nur dann auf neue Haare über, wenn sie ihnen direkt vor die Klauen gehalten werden. Das passiert besonders oft bei Mädchen im Kindergarten- und Schulalter, die von früh bis spät die langhaarigen Köpfe zusammenstecken. Dabei sind Läuse nicht wählerisch. Ob das Haar gepflegt oder vernachlässigt wird, ist ihnen herzlich egal. Ein Läusebefall hat rein gar nichts mit Hygiene zu tun. Umgekehrt gilt: Egal wie viel Edelkosmetik sich jemand auf das Haupt schäumt, reibt, cremt und sprüht, vor Läusen ist er damit nicht gefeit.

Woran erkenne ich Läuse?

Es juckt. Der Mensch kratzt. Wirklich gesichert wird die Diagnose jedoch erst durch "die Sichtung von mindestens einer Laus", heißt es im Fachblatt Der Hygieneinspektor. Die Sichtung gelingt mit einer Treffsicherheit von 91 Prozent durch das Auskämmen des feuchten Haares mit einem speziellen Läusekamm. Werden die engen Zinken auf weißem Tuch oder Papier abgestrichen, offenbaren sich die Insekten: zwei bis drei Millimeter groß, von stumpfer grau-brauner Farbe und eher behäbigem Charakter.

Oft sieht man an den Haaren auch winzige braun-graue oder weißliche Kügelchen kleben; das sind Läuseeier oder deren leere Hüllen. Sind sie weiter als einen Zentimeter von der Kopfhaut entfernt, rühren sie von einem früheren Befall her. Gefahr droht von ihnen nicht mehr.

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So sieht sie aus: die Laus Pediculus capitis.