Falco: Der Ex-Manager spricht "Das ist kein Produzentengag"

SZ: Wo kommen die alten Bänder mit den Falco-Relikten denn her?

Bork: In dem Kellerarchiv des Tonstudios in Frankfurt, in dem er damals arbeitete, gab es kürzlich einen Wasserschaden. Die neuen Besitzer wollten wissen, wo sie das alte Material hinschicken sollten - also landeten die Songs wieder bei seinem früheren Produzenten Gunther Mende. Eine Londoner Spezialfirma hat die analogen Bänder mit Falcos Stimme auf ein digitales Medium überspielt.

SZ: Klingt ein wenig nach Leichenfledderei - und nach Michael Jackson, bei dem die Produzenten ebenfalls Resteverwertung betreiben.

Bork: Ist aber in diesem Fall ganz anders, das ist kein Produzenten-Gag, um Aufmerksamkeit zu erregen. Bei Michael Jackson wird jeder Ton, jede Kurzsequenz hochgeblasen, während man die Titel bei Falco als Rohmaterial eins zu eins hernehmen konnte.

SZ: Auf dem neuen Album ist auch die Fortsetzung von "Jeanny" zu finden, der Skandalsong, der angeblich eine Vergewaltigung verklärt.

Bork: Ach, das ist auch so eine Geschichte. Die ursprüngliche Liedtext ist so verbindlich wie ein Horoskop, da ging es gar nicht um sexuellen Missbrauch, sondern um ein Mädel, das Probleme mit ihren Eltern hat, die ihren neuen Freund nicht mögen, und dann wegläuft. Der Falco hat gesagt: Was für ein lauwarmer Schmarrn! Das kann ich nicht so nicht singen, da muss man einen scharfen Text drauf machen. Dann hat er unter Zeitdruck im Studio einfach seine wüsten Drohungen ausgestoßen, die Zeile "keiner wird dich finden", zum Beispiel. Das hatte alles gar keinen Zusammenhang.

Erst das Video hat aus "Jeanny" eine Bombe gemacht, die in den Medien dann explodiert ist - der Song war Falcos größter Erfolg in Deutschland. Insofern war die ganze Empörung ein Geschenk des Himmels. Jeder wollte wissen, wie die Geschichte weitergeht, deshalb hat Falco auch einen zweiten und den dritten Teil produziert, der nun veröffentlicht wird. Ich glaube, dieser Song wird ein Hit!

SZ: Trifft Falco, der die Schattenseiten der achtziger Jahre verkörpert, überhaupt noch den Nerv der Zeit?

Bork: Mit dieser Platte trifft er heute den Nerv mehr als 1987. Weil es richtiger Pop ist - ein wenig so wie sein letzter großer Song "Out of the Dark", das war ja auch kein Rap-Titel mehr.

SZ: Als Manager dieses sensiblen Selbstzerstörers haben Sie sicher oft leiden müssen.

Bork: Gewiss, aber man muss bei einem solchen Künstler andere Maßstäbe anlegen als bei einem braven Steuerzahler. Einmal sind wir aus einem Studio in Holland rausgeworfen worden, weil Falco die Produzenten übel beschimpfte, und da saßen wir dann, im Rinnstein bei Regen. Da habe ich mich gefragt: Warum tust du dir das an?

SZ: 1993 haben Sie als sein Manager das Handtuch geworfen. Danach ging es bergab mit seiner Karriere.

Bork: Falco hat bis zu seinem Tod noch viele Sachen ausprobiert, man kann das als Orientierungslosigkeit interpretieren, aber er hat halt seine Grenzen ausgelotet. Das Leben hat er sich ja immer sehr schwer gemacht, auch mit seiner Kunst.