Empörung über Einzelhandel Nie wieder Weihnachten im September

Weihnachtsmänner im Spätsommer auf einem Autodach vor einem Supermarkt.

(Foto: dpa)

Kaum sind die Sommerferien vorbei, werden die Regale der Supermärkte mit Nikoläusen bestückt. Alle Jahre wieder ist die Empörung über das vorzeitige Weihnachtsangebot groß. Einer Umfrage zufolge wünscht sich ein Drittel der Deutschen sogar, dass der Staat eingreift. Dabei gäbe es eine einfachere Lösung.

Von Anna Fischhaber

Kaum sind die Sommerferien vorbei, ist schon wieder Weihnachten. Nicht nur, weil das Wetter so schlecht ist, inzwischen haben auch die Supermärkte ihr Sortiment verändert: In den Regalen reiht sich Nikolaus an Nikolaus. Auch Lebkuchen und Glühwein sind bereits im Angebot. Und nicht mehr lange, dann läuft bestimmt "Last Chrismas" im Radio. Die Empörung ist, wie jedes Jahr, groß. Fast zwei Drittel der Deutschen sind genervt von vorzeitigen Festtagsgebäck und -Naschereien. Einige denken sogar: Der Staat sollte einschreiten. Das zumindest hat nun eine Umfrage ergeben.

Das Meinungsforschungsinstituts YouGov hat im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa mehr als 1000 Bürger online befragt, wann die Vorweihnachtszeit mit Weihnachtsmärkten, festlicher Dekoration und dem passenden Warenangebot beginnen sollte. Das Ergebnis: Eine große Mehrheit spricht sich für November aus. Nur sechs Prozent würden das Weihnachtsgeschäft schon an diesem Dienstag, dem kalendarischen Herbstanfang, beginnen lassen. "Ruhig schon nach den Sommerferien", forderten demnach nur drei Prozent.

Fast jeder Dritte in Deutschland wünscht sich sogar ein Verbot für Lebkuchen, Glühwein und Weihnachtslieder in den Läden vor einem bestimmten Stichtag - eine gesetzliche Regelung also gegen vorgezogene Weihnachtsangebote. Denn jeder zweite Befragte sieht seine Vorfreude auf das Fest durch die verfrühten Weihnachtsangebote getrübt. Doch so ein Gesetz ist in Deutschland nur schwer vorstellbar. Zwar gibt es eine ähnliche Regelung für Feuerwerkskörper, sie dürfen nur an drei Tagen im Jahr verkauft werden. Allerdings sind Böller auch gefährlicher als Schokolade.

Befragte ärgern sich - aber Kunden wollen es so?

Handlungsbedarf gibt es deshalb in Sachen Weihnachts-Ausverkauf wohl nicht. "Das ist volkswirtschaftlich ganz einfach: Der Handel bietet nur das an, was der Kunde auch kauft", sagt zumindest Stefan Hertel, Sprecher des Handelsverbands Deutschland, auf Anfrage von SZ.de. "Händler legen nichts ins Regal, was sie nicht verkaufen können." Hertel kann die Aufregung nicht verstehen: Wenn weihnachtsfreie Läden eine Marktlücke wären, gäbe es sie längst, so der Einzelhandels-Experte.

Ein Gesetz zum Verbot von Nikoläusen im September hätte wohl wenig Chancen, heißt es auch bei der Verbraucherschutzzentrale in Nordrhein-Westfalen. Schließlich bestünde keine Gesundheitsgefahr. "In diesem Fall kann sich der Verbraucher wohl nur selbst schützen und einfach noch nichts kaufen - dann würden wohl auch die Händler umdenken", sagt Ernährungs-Expertin Gabriele Graf.

Solange die Deutschen also nicht anfangen, den Frühverkauf von Lebkuchen und Glühwein zu boykottieren, wird Weihnachten wohl weiter nach den Sommerferien beginnen. Die gute Nachricht: Bald ist schon wieder Ostern. Jährlich werden in Deutschland fast 100 Millionen Schoko-Weihnachtsmänner hergestellt - ein Rekord, der nur vom Osterhasen übertroffen wird. Dessen Saison beginnt kurz nach Neujahr.

(Mit Material der dpa)