Beziehungen Immer das Gleiche!

Wer die Bedürfnisse des anderen ernst nimmt, muss nicht streiten.

(Foto: Tiko - Fotolia)

Viele Paare streiten immer wieder über denselben Mist - das ist normal. Andere hingegen suchen den Konflikt ganz bewusst.

Von Violetta Simon

Eigentlich wollen Tanja* und Jakob* im Sommer heiraten. Doch wenn es so weitergeht, wird es nicht mehr dazu kommen: Immer, wenn sie auf den gemeinsamen Nachnamen zu sprechen kommen, gibt es Zoff. Oder die Sache mit ihrer Vintage-Kommode: Jedes Mal lässt er Schlüsselbund und Handy auf das hochempfindliche Möbelstück fallen. Und jedes Mal stopft sie dann das ganze Zeug wütend in irgendeine Schublade. Wenn er sie am nächsten Morgen fragt, wo seine Sachen sind, geht der Ärger von vorne los.

Konflikte wie diese gibt es in den meisten Beziehungen. Und fast jedes Paar hat dabei ein Lieblingsstreitthema, wie die Auswahl auf der US-Webseite broadly.vice.com zeigt. "Gerade in einer neuen Beziehung müssen beide Partner erst einen geeigneten Modus für sich finden", sagt die Münchner Paartherapeutin Andrea Bräu. Doch selbst langjährige Paare kabbeln sich regelmäßig wegen Kleinigkeiten. Weil der eine seine getragenen Shirts, nach Muffelgrad sortiert, zur Wiedervorlage auf einem Stuhl sammelt. Weil der andere jedes Mal, wirklich jedes Mal, "nur" fünf Minuten zu spät kommt.

Im Grunde wäre alles so einfach. Wenn es nur um die Kommode gehen würde. Oder darum, welcher Nachname schöner ist. In Wirklichkeit geht es um etwas anderes: "Dahinter steht immer ein Bedürfnis nach Wertschätzung und Respekt", sagt Bräu. Gerade im Alltag tun wir uns schwer, die Wünsche des anderen vorbehaltlos zu respektieren. Weil sie uns in dem Moment absurd, sinnlos oder unbequem erscheinen.

Doch wie können wir solche Streitereien umgehen? "Das kommt darauf an", sagt Bräu, die auf einem Blog über Beziehungsphänomene und Sexualität schreibt. "Ganz vermeiden ist schwierig, denn die Meinungen bleiben ja unterschiedlich, und das ist auch gut so." Aber man könne den Konflikt in geordnete Bahnen lenken und dafür sorgen, dass er fair abläuft. Das hängt jedoch von der Art des Streits ab, und welche Motive dahinter stecken. Denn die Ursachen sind vielfältig: "In bestimmten Konstellationen wird der Streit sogar bewusst herbeigeführt. Und sehr oft wird ein Machtkampf ausgefochten."

Es gibt Paare, die bereits aus der leidigen Frage, ob die Zahnpastatube ausgestreift oder gequetscht gehört, eine Grundsatzdebatte machen. Sie streiten wie Kinder um ein Sandförmchen, reiben sich immer wieder an denselben Themen auf und ringen erbittert um ihr Recht - weil sie Verständnis vom anderen fordern, ohne es dem anderen entgegenzubringen.

Solche Konflikte lassen sich nicht lösen, indem man so lange streitet, bis einer nachgibt. Gemäß dem Motto "We agree to differ" sollten sich beide erst einmal darauf einigen dass man sich nicht einigen muss. Oft genügt bereits das Signal, dass man den anderen respektiert, und die Lage entspannt sich. "Ich muss nicht bejubeln, was der andere tut. Ich sollte nur verstehen, was ihm wichtig ist und was für ein Motiv hinter seinem Verhalten steckt", sagt die Paartherapeutin. Dann lebt es sich mit den vermeintlichen Macken schon leichter.

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Die Formel dazu könnte etwa so lauten: "Ich habe verstanden, dass es dir wichtig ist. Deshalb komme ich der Bitte nach, weil ich DICH wichtig finde." Und zwar ohne zu hinterfragen, warum das so ist. Wer die Bedürfnisse des anderen ständig in Frage stellt, will nur erreichen, dass sich der Partner ändert. Zum Beispiel, wenn wir sagen "Ich verstehe dich nicht!" - ich verstehe nicht, warum du deine Sachen nicht in den Schrank räumst, was du gegen meinen Nachnamen hast, wieso du keinen Broccoli magst.

Dahinter verbirgt sich die Botschaft, dass man den anderen erst versteht (und respektiert), wenn er die Dinge so macht, wie man selbst. So artet der Konflikt schnell in einen Machtkampf aus. Und der läuft - im Gegensatz zur Debatte - häufig unterhalb der Gürtellinie ab.