Zuschauer-Boom in Frankreich Das Kino ist tot, es lebe das Kino

Rekordzahlen in den französischen Kinos: Während Hollywood das schlechte letzte Jahr möglichst schnell vergessen will, sind in Frankreich so viele Menschen in die Kinos geströmt wie seit 1966 nicht mehr. Ausschlaggebend sind starke einheimische Produktionen, die selbst Harry Potter klar geschlagen haben.

Frankreich hat wieder eine Sonderrolle als Kino-Nation: Während andernorts die Besucher ausbleiben, vermelden die französischen Kino-Betreiber Rekordzahlen. 215 Millionen Tickets wurde im letzten Jahr verkauft, wie das staatliche Zentrum für Filmwirtschaft (CNC) mitteilt. Das sind so viel wie seit 1966 nicht mehr, als Regisseure wie Claude Chabrol, Jean-Luc Godard und Francois Truffaut mit der "Nouvelle Vague" das Kino revolutionierten.

Allein die Komödie "Intouchables" (hier eine Filmszene) wollten in Frankreich 16,7 Millionen Kinobesucher sehen.

(Foto: dpa)

Während Hollywood gerade noch dabei ist, eines der schlechtesten Kinojahre seit mehr als 15 Jahren abzuhaken und auch die unzähligen Varianten erfolgreicher Filmmodelle dem Besucherschwund nur mäßig entgegenwirken konnten, haben die Filme in Frankreich für einen Besucherrekord gesorgt haben.

Knapp 90 Millionen Tickets wurden im letzten Jahr für französische Filme verkauft. Rund 21 Prozent beträgt der Zuwachs im Vergleich zum letzten Jahr. Damit blieben die französischen Produktionen nur knapp hintern den amerikanischen zurück.

Allein die Komödie Intouchables (in Deutschland als Ziemlich beste Freunde im Kino) wollten 16,7 Millionen Kinobesucher sehen. Die Sozial-Komödie um den reichen Philippe, der seit einem Unfall beim Gleitschirmfliegen querschnittsgelähmt ist und den jungen Senegalesen Driss, der in den Banlieus wohnt, wurde zum dritterfolgreichsten französischen Film aller Zeiten.

Hollywood sucht neue Marketing-Strategien

Auch auf Platz zwei der erfolgreichsten Filme landete eine französische Produktion: Rien à déclarer (Nichts zu verzollen) wollte 8,2 Millionen Zuschauer sehen. Erst danach, auf dem dritten Platz, folgt der Hollywood-Kassenschlager Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, der weltweit die höchsten Einspielergebnisse erzielte.

Um nach dem schwachen letzten Jahr wieder mehr Zuschauer in die Kinos zu locken, versuchen die großen Hollywood-Studios gerade, so früh wie möglich einen Hype um ihre Premium-Produkte zu erzeugen. Jüngst hat Warner Brothers zu den Filmen Der kleine Hobbit und The Dark Knight Rises Trailer veröffentlicht - bei Der kleine Hobbit fast ein Jahr vor dem Kinostart Ende 2012.

"Die Studios sind gerade extrem eifrig dabei zu zeigen, wie eindrucksvoll das Jahr 2012 im Kino werden soll", sagte Dan Jolin, Redakteur beim britischen Film-Magazin Empire, der BBC.

Doch nicht nur das schwache vergangene Jahr trägt laut Jolin dazu bei, dass die Trailer schon so früh im Internet kursieren. Er hält es für einen Trend, der sich in Zukunft etablieren wird und der auch eine Reaktion auf das Internet und die sozialen Netzwerke ist. "Die Studios müssen es schaffen, ihr Produkt in das Bewusstsein der Menschen zu bringen. Sie wollen Erwartungen schaffen, die uns beim Kinostart massenweise in die Kinos treibt, weil wir sonst das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben."