Zum Tod von Roger Willemsen Was Willemsen erst über den Vater von Heidi Klum dachte

Überhaupt habe er eigentlich nur positives Feedback auf seine "Hass-Attacke" erhalten - mit einer Ausnahme: "Der Einzige, der dieser Rede intellektuell nicht gewachsen war, war der Vater von Heidi Klum, und bei dem wäre es besser, angesichts der Verträge, die er mit jungen Models macht, wenn er aus dieser Form des Mädchenhandels entfernt würde."

Roger Willemsen über das eigene Leben und Schaffen

Kompromisslos war Roger Willemsen nicht nur der deutschen Kulturlandschaft gegenüber, sondern vor allem sich selbst. Beim Late-Night-Talk mit Harald Schmidt verriet der Autor 2007: "Ich erzähle mein Leben als eine Kette von Pleiten, weil ich glaube, das humanisiert eher als die Einsamkeit der Triumphe, an die wir uns kaum erinnern können."

Selbstironie als wichtigste Waffe des Menschen in der Öffentlichkeit. "Wenn man schon ein Image hat, dann muss man es schänden. Das ist das einzige, wozu es gut ist", sagte Willemsen. Und dazu fiel selbst Schmidt kein Konter mehr ein.

Roger Willemsen über Reisen und Begegnungen

Irgendwann war Roger Willemsen dann weniger im Fernsehen und dafür mehr auf Reisen, wo er Material für seine Bücher - und für das Fernsehen - sammelte. Er fand den richtigen Tonfall für Anekdoten aus dem afghanischen Flüchtlingslager. Und war sich nie zu fein, seine Rolle als großer Beobachter hin und wieder anzusägen. Mit Sarah Kuttner moderierte er vor 80 000 Menschen den Gegengipfel zum G-8-Gipfel in Heiligendamm: "Man sieht Menschen bis zum Horizont und bildet sich ein, sie hören einem zu."

Willemsen traf den Dalai Lama und Jassir Arafat, doch in Erinnerung sind ihm nicht die großen Gesprächspartner geblieben, sondern die ganz normalen Menschen. "Weil sie mich überrascht haben, weil sie etwas mitbrachten, weil sie gerührt waren, weil sie mich in Frage stellten."

Das erzählte Roger Willemsen als Gast bei Thadeusz im rbb - kurz vor seinem 60. Geburtstag, kurz vor der Krebsdiagnose. Er witzelte über das Älterwerden und die Eigenarten von Männern, die auf dem Klo stöhnen. "Er geht in die Kabine und seufzt. Das ist der einzige Ort, an dem Männer transzendentale Obdachlosigkeit erleben."

Roger Willemsen über Jan Böhmermann

Wenn sich der angesagteste Typ des Fernsehens in seiner eigenen Show von einem Gast beleidigen lässt, dann sagt das natürlich etwas über die momentane Unantastbarkeit des angesagten Typen aus. Es sagt aber auch etwas über den Gast aus. Im August 2015 machte Roger Willemsen seine Krebserkrankung publik und sagte alle Termine ab - im Januar des Jahres war er noch zu Gast im Neo Magazin von Jan Böhmermann. Es ist einer der letzten TV-Auftritte des großen Fernsehmannes Willemsen.

Die beiden spielen "Entscheide! Dich", ziehen abwechselnd Fragen aus einem Hut, die es zu beantworten gilt. "Hättest Du lieber zwanzig Finger oder zwei Nasen?", fragt sich Jan Böhmermann selbst. Die Antwort gibt sein Gast: "Bei Ihnen wären zwei Nasen 'ne Katastrophe." Dann muss sich Willemsen selbst befragen: "Wärst Du lieber ein heißer Urlaubsflirt von Elke Heidenreich oder ein unwichtiger One-Night-Stand von Helmut Karasek?" Er entscheidet sich für Antwort c): "Lieber hätte ich 20 Nasen."

Bei Roger Willemsen waren Anspruch und Blödelei nie Gegensätze, sie ergaben eine wunderbare Symbiose. Und so möchte man ihm stundenlang zuhören - wenn man denn nur könnte.

Er konnte alles besser als alle

Eigentlich wollte er nie zum Fernsehen, sondern schreiben. Zum Glück tat er beides. Zum Tod von Roger Willemsen. Von Willi Winkler mehr ...