Jobs, der wenig ambitionierte Steve Jobs, erst recht nicht. Der hatte 1972 das College nach nur einem Semester wieder satt, und machte auf Drop-Out. Er schlief auf dem Fußboden bei Freunden oder in Hare-Krishna-Tempeln, stand Schlange, um bei mildtätigen Organisationen an kostenloses Mittagessen zu kommen und durchkämmte den Müll der Welt nach Pfandflaschen. Für Geld, das 1974 seine Reise nach Indien ermöglichen sollte. Dort tat er erstmal nichts, außer, sich die Haare abzurasieren, buntes Walla-Walla-Zeug anzulegen, Pillen einzuwerfen, die sein Bewußtsein erweitern sollten, ein wenig rumzukalligraphieren und Buddhist zu werden.  Was, bitte, sollte aus diesem Jungen nur werden! Er war doch schon fast zwanzig.

Apple CEO Jobs smiles after the Apple's music-themed September media event in San Francisco Bild vergrößern

Vordenker und Stilgott Steve Jobs ist tot. (© Reuters)

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Was also macht er, back in California? Er überredet Wozniak, das Gefummel und Gelöte bei Atari, einer Firma, die damals Computerspielkonsolen herstellte, einfach zu lassen und mit ihm unter dem Apfel selbständig zu werden. Einen Job übrigens, den Steve eigentlich für sich selber besorgt hatte, den er aber nicht stemmen konnte, weil er nicht wirklich Ahnung von Chips und Transistoren hatte. Wozniak wird bei Jobs Angebot geseufzt haben, wird den Lötkolben des Atari-Angestellten müde beiseite gelegt haben, um ihn als freier Unternehmer in einer kalifornischen Garage, der von Jobs' Stiefeltern, wieder aufzunehmen.

Wozniak also tat, was Wozniak immer tat. Und schreinerte anschließend auch noch die Holzgehäuse um das herum, was er da verdrahtet hatte. Aber Steve war erwacht. Er war der geborene Geschäftsmann und Verkäufer. 50 "Apple I"-Computer in Nussholz hatte er dem örtlichen Elektrohändler bereits verkauft, obwohl Wozniak sie noch gar nicht gebaut, stimmt nicht: noch gar nicht erfunden hatte.

Zum eigenen Vorstellungsgespräch bei Atari war Jobs 1974 noch in Walla-Walla erschienen. Der Personaler, der es mit ihm führte, wird später von "Lumpen" sprechen und von "einer Art Hippie-Outfit". Drei Jahre später stellt Jobs den "Apple II" auf der "West Coast Computer Faire", 250.000 Dollar an Inverstoren-Kapital hatte er zuvor für dessen Entwicklung rangekarrt. Und der Apple II verkaufte sich wie geschnitten Brot. Denn darauf lief "VisiCalc, eine Tabellen-Kalkulations-Software, die sofort Einzug in die Büros großer Firmen hielt. Wir sprechen hier also noch nicht von Schönheit. Doch: Geld fließt, Apple wächst, Jobs wird reich. Steinreich innerhalb von zwei Jahren.

Später wird er sagen: "Ich hatte mit 23 eine Millionen Dollar, mit 24 zehn Millionen, mehr als 100 Millionen als ich 25 war. Aber es war nicht wichtig, weil ich es niemals für das Geld getan habe." Jobs muss übrigens dreißig werden, bis er erfährt, dass die Menschen, die ihn groß gezogen haben, nicht seine leiblichen Eltern sind. Zu dem Zeitpunkt ist er in und für die Welt schon ein Popstar. Glaubt man nicht, ist aber so. Jobs hatte da schon das hemdmüffelnde Lötkolbenhafte aus der Computerei verbannt. Mochten IBM zusammen mit Microsoft zu einem kurzfristigen Siegeszug in die Büros angesetzt haben, mochten sie die versponnenen Tüftler und verschrobenen Spieler, die Aktenordner unter den Diginauten ansprechen, hatte Jobs den Menschen das Gefühl geben können, dass Transistoren, Motherboards, Chips und Processing Units zwar in Computern stecken wie in Raketen, dass dieses Technikzeug aber völlig irrelevant ist für das, was Menschen mit Computern machen können. 

"Die Zeiten ändern sich gerade", hat er dann im Januar 1984 auf der Hauptversammlung seiner Firma den Aktionären zugerufen: "Die Verlierer von heute werden die Gewinner von morgen sein. Das Rad dreht sich." Jobs war da noch nicht dreißig, hatte dem Anlass gemäß geduscht und sich in Anzug und schief sitzende Fliege geworfen. Er sah zum Schießen verkleidet aus. Hinreißend muss man wohl sagen. Denn die Nonchalance, mit der dieser nur halb gekämmte Bubi Bob Dylans "The Times they are a changing" zitiert, diese Frechheit bei etwas zitternder Stimme, Aktionären eine Hymne der Civil-Rights-Bewegung vorzulesen und sie als die eigene zu reklamieren, addierten sich zu etwas, das man wohl Charisma nennen muss.

Ja, er mochte da schon über 100 Millionen Dollar verdient haben und, ja, er baute und vertrieb Arbeitsgeräte, um Angestellten-Elend effizienter zu machen. Aber, GEEE!, welch ein fantastisch aussehender Spinner! Was für ein Kerl, der die bebrillten Schlipsträger in den Vorstandsetagen der Welt herausforderte, nein vorführte! War das denn alles nur Spaß hier? Ja, war es.

Andy Hertzfeld, einer der unbedingt zu bewundernden Software-Entwickler des GUI, der grafischen Bedien-Oberfläche des ersten Macintosh-Betriebssystems, wird diese Dylan-Adaption und die Party, in die sich diese 84er-Aktionärsversammlung anschließend verwandelte, später einmal als "Pandämonium" bezeichnen. Ja, es war die Hölle los. Die Welt hatte sich verändert. Denn der erste Macintosh, den Jobs neben Dylan für diese Versammlung im Gepäck hatte, war der erste Personal Computer mit kullerbunten Icons, der erste mit einer Maus, die diese Icons streichelte. Und dann stellte sich der Rechner auch noch selber vor: "Ich kann ganz offensichtlich sprechen", plärrte er, "aber nun lehne ich mich zurück und möchte zuhören. Denn nicht ohne Stolz möchte ich Ihnen nun jenen Mann vorstellen, der wie ein Vater zu mir war... Steve Jobs." Hallo, Kommandozeilen-Bill-Gates, hast du den Schuss vernommen?

Man muss sich das klar machen. Bis dahin klebte an Computern der Schweiß aus Fron und Unlust, das Gefühl, Expertenwissen zu benötigen und unwiderrufliche Fehler machen zu können, also der Eindruck: Die Zukunft mag sich zwar auftun, man selber war aber wohl zu unfähig für diesen Aufbruch. Und dann spricht diese Zukunft plötzlich ganz unterwürfig und friedfertig und erklärt, dass man gegen Fehler die neue "Undo", also eine Rückgängig-Funktion, erfunden habe. Ganz so, als ob man jeden Irrtum spurlos verschwinden lassen und jedes Missgeschick revidieren könne. Das verstand jeder.

Wer also konnte da noch Angst vor Computern haben? Lächeln tun sie auch noch. Es wäre also schon damals alles ein für allemal gut gewesen für Steve Jobs, wäre sein schönes Werk nicht so unfassbar teuer gewesen. Es ging bergab mit Apple, erstmals seit Firmengründung, die Erwartungen waren Ende des Jahres enttäuscht. Anderthalb Jahre nach dem Pandämonium war Steve Jobs seinen Job los. Entlassen von einem ehemaligen Pepsi-Manager, den Jobs selber geholt hatte, und der Apple danach nahezu gänzlich wie Zuckerwasser in seinen Händen zerfließen ließ.

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  1. Er kam, den Menschen die Angst zu nehmen
  2. Sie lesen jetzt Vom Pfandflaschensammler zum Multimillionär
  3. "One more thing"
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