"Wish I Was Here" im Kino Normalos mit Fältchen

Wunderbar gegen den Zeitgeist: Zach Braff (l.) und Jim Parsons in "Wish I Was Here".

(Foto: dpa)

Ein Film wider die Selbstoptimierung, finanziert per Crowdfunding: Mit "Wish I Was Here" entfernt sich Zach Braff von allen Hollywood-Standards. Ein gutes Beispiel dafür, dass es im Kino nicht nur um Massentauglichkeit geht.

Von Susan Vahabzadeh

Superhelden sind surreal, Könige im Traumland. Wenn das Leben ihn plagt, fantasiert Aidan Bloom (Zach Braff) sich in eine Rüstung hinein - der Superheld, für den er sich dann in seinen Träumen hält, ist allerdings irgendwie von gestern, ein bisschen abgehalftert und schäbig. Aber wenigstens unbesiegbar. Aidan ist Schauspieler, wie halb Los Angeles, und wie viele andere auch hat er damit keinen Erfolg. Wenn er vorspricht, endet das meist in einer Demütigung, die man am besten mit einem Superheldentraum exorziert. Doch manche Dinge kann man nicht verdrängen. Aidans Vater (Mandy Patinkin) eröffnet ihm, dass er wieder Krebs hat.

Das ist die Ausgangslage in "Wish I Was Here", dem zweiten Film von Zach Braff - zehn Jahre sind vergangen, seit er "Garden State" gemacht hat. Er ist seinem Tonfall treu geblieben, leise, tragikomisch, das Drehbuch dazu hat er gemeinsam mit seinem Bruder Adam geschrieben: eine kleine Geschichte, deren Kraft in der Weisheit steckt, die sie unterwegs entfaltet, wie nebenbei, zwischen zwei melancholischen Gags.

Spätes Erwachsenwerden

Es geht um spätes Erwachsenwerden, es dämmert Aidan, der auf die vierzig zugeht, dass es langsam mal Zeit wird, obwohl er sich immer noch fühlt wie ein Kind. Er muss für den Vater da sein, der Bruder Noah, ein weltfremdes Genie, lebt in einem Wohnwagen und gibt sich unnahbar; und er muss seine beiden Kinder nun zu Hause unterrichten. Das Geld, das der Vater bislang für eine jüdische Privatschule bezahlt hat, geht nun drauf für eine Behandlung, die die Krankenkasse für Humbug hält. Für den rauen Ton an einer staatlichen Schule sind die beiden Halbwüchsigen zu verzogen. Manchmal dämmert Aidan, dass seiner Frau Sarah (Kate Hudson), die die Familie ernährt und die Erwachsene sein muss, alles zu viel wird. Wenn die Tragödie traurig genug geworden ist, seufzt er, wird sie wieder zur Komödie.

Aidan gibt sein Bestes. Das ist nicht immer gut genug. In "Wish I Was Here" wird nicht alles gut - dem Vater ist nicht zu helfen, die Blooms bleiben als Familie nur bedingt funktional, und Aidan bekommt keine Rolle in einem tollen Film; vielleicht bekommt er sie nie. Braff trifft da einen Nerv - weil sich "Wish I Was Here" so wunderbar gegen den Zeitgeist stemmt, der nach permanenter Selbstoptimierung verlangt. Braffs Figuren sind liebenswert in ihrer Unzulänglichkeit. In einer der schönsten Szenen macht sich der pummelige Noah auf zur Messe Comic-Con, er will dort eine Frau beeindrucken, in einem selbst gebastelten Astronauten-Kostüm. So läuft er, mit einem Fisch-Glas auf dem Kopf, in Zeitlupe ein ins Kongresszentrum mit einem Gang wie John Wayne - rührend, lächerlich und hinreißend.

"Wish I Was Here" ist eines der aufsehenerregendsten Crowdfunding-Projekte, die bislang gedreht wurden. Braff hat einen Teil der Finanzierung bei Kickstarter eingesammelt, weil er, so schrieb er dort, den Film auf normalem Wege nicht so hätte drehen können wie er wollte. Er ist dann angegriffen worden von den Netz-Kommentatoren, weil er ja erstens als langjähriger Star der Fernsehserie "Scrubs" doch zu reich sein müsse für Crowdfunding; und weil der Film einen Produzenten hatte, und es sowieso nur um eine zusätzliche Summe ging.