Vom Aussterben bedrohte Wörter Pardauz, ein Quacksalber!

Bei den unzähligen Wörtern, die die deutsche Sprache bereithält, kann einem manchmal ganz blümerant werden. Blümerant, nie gehört? Es gibt viele Begriffe im Deutschen, die nur noch selten ausgesprochen werden. Ein unvollständiges Glossar von A wie Amtsschimmel bis Z wie Zeche.

Von Anne Hemmes

Als Cornelius Gurlitt vor kurzem vor seiner Münchner Wohnung von zwei Fotografen beim Verlassen des Hauses fotografiert wurde, sagte er "Das alles ist eine große Büberei!". "Eine was?", könnte man fragen. Dabei erklärt sich der veraltete Begriff, der Delikt oder Übeltat bedeutet, in diesem Zusammenhang von selbst. Man assoziiert etwas damit, auch wenn die genaue Bedeutung unbekannt ist. Es gibt einige Wörter, die in diese Kategorie fallen. Ein unvollständiges Glossar von A wie Amtsschimmel bis Z wie Zeche.

  • Amtsschimmel - Wenn dieses Pferd gesattelt ist, reitet es trotzdem nicht schnell. Ganz im Gegenteil. Seine Trägheit ist sein Markenzeichen, sein Futter nimmt es in der Bürokantine ein und sein Stall ist ein Amt, das nur von 10-12 Uhr geöffnet ist. Sein Kollege ist der Bürohengst.

Situation, in der das Wort angewandt werden kann: Nachdem man eine Nummer gezogen hat und eine gewisse Zeit in seinem Stall zugebracht hat, kann einem dieses Wort schon mal entfahren.

  • Bandsalat - Nein, dieses Wort beschreibt kein Essen, sondern etwas, das fast vergangen ist. Diejenigen, die noch Hörspiele wie "Die drei Fragezeichen" auf Kassette hatten, kennen es. Irgendwann leierte der Rekorder und das Magnetband schlug unschöne Falten. Mit Hilfe eines Bleistifts, den man in eines der Löcher in der Kassette steckte, wurde das Band vorsichtig wieder aufgedreht. Manchmal musste sogar Tesafilm zum Flicken herhalten.

Situation, in der das Wort angewandt werden kann: Kommt nur in Frage, wenn man noch Kassetten oder andere Magnetbänder besitzt.

  • Fuchtel - Dieses Wort meint verschiedene Dinge. Zum Einen bezeichnet es einen breiten Degen, zum Anderen steht es für "unter jemandes Fuchtel" stehen. Das bedeutet, dass man nicht sehr viel zu sagen hat, sondern gehorcht. Und eine "wilde Fuchtel" ist eine Frau, die nicht besonders entspannt ist, um es vorsichtig auszudrücken.

Situation, in der das Wort angewandt werden kann: Wüste Beschimpfung. Gefühlt eher gegenüber älteren Damen, aber wer will schon so unhöflich sein? Ansonsten eignet es sich hervorragend, um Pantoffelhelden zu umschreiben.

  • Haderlump - Lump ist bekannt, es ist abwertendes Wort für einen miesen Typen, ein Halunke. Zusammengesetzt wird es mit "Hader", das so viel bedeutet wie Streit. Das ergibt die Bezeichnung für einen Taugenichts oder Herumtreiber.

Situation, in der das Wort angewandt werden kann: Etwas Freundliches drückt man damit nicht aus. Wann beziehungsweise wem gegenüber es angemessen wäre, bleibt jedem selbst überlassen.

  • honett - "Ach" möchte man fast ausrufen, "Was für ein wohlklingendes Wort!" Freundlich hört es sich an, ein wenig brav. Jemand, der honett ist, ist eventuell auch brav, denn der Begriff umschreibt die Eigenschaften rechtschaffen, ehrenhaft und anständig.

Situation, in der das Wort angewandt werden kann: Wenn man jemandem schmeicheln möchte - wahlweise inklusive sarkastischem Beigeschmack.

  • kommod - Bei diesem Wort werden augenblicklich Assoziationen geweckt. Man denkt an eine Kommode, an etwas Heimeliges, vielleicht an Bequemlichkeit. Und etwas Ähnliches meint dieses Wort: gemütlich.

Situation, in der das Wort angewandt werden kann: Um mitzuteilen, dass man es gerne kommod hätte, oder um einen - nicht zwangsläufig den eigenen - Gefühlszustand zu beschreiben. "Du hast es sehr kommod." oder "Ich wünsche ein paar kommode Stunden."

  • piesacken - Dieses Verb klingt fies, gemein und ein wenig nach Schmerzen. In die heutige Sprache übersetzt, würde man stattdessen vermutlich triezen oder ärgern sagen.

Situation, in der das Wort angewandt werden kann: Zur Verteidigung. "Hört auf ihn/sie/mich zu piesacken!"

  • Quacksalber - Ein Arzt, der ohne fachliche Kenntnisse versuchte, Menschen zu heilen oder jemand, der lautstark Heilmittel anpries. Die zweite Worthälfte stammt von dem Wort "Salbe(n)". Die Herkunft des ersten Wortteils ist nicht eindeutig belegt. Vermutet wird, dass es vom niederländischen Begriff "quacken" stammt, das so viel bedeutet wie "schreien". Das passt zum Anpreisen unechter Arzneien.

Situation, in der das Wort angewandt werden kann: Vornehmlich als Beschimpfung. "Sie Quacksalber!" ist eine beliebte Variante und kann dem Arzt nach falscher Behandlung entgegen geschmettert werden.

  • schlampampen - Dieses Wort lässt an Schlabberlatz oder schlabbern denken und damit liegt man fast richtig. Es bedeutet "schlemmen". Eine schöne Version für solch lukullischen Genuss.

Situation, in der das Wort angewandt werden kann: Als Variation zu "brunchen", das im Gegensatz dazu nach hartem Brot und trockenem Müsli klingt.

  • Zeche - Ab und zu hört man noch diesen Satz "Die Zeche bitte." Wahrscheinlich befindet man sich dann in einer Kneipe. Diese kann, muss aber nicht im Ruhrpott liegen, wo das Wort auch eine andere Bedeutung hat. Es bedeutet nicht nur Rechnung für Getränke oder Essen, sondern auch Bergwerk. Die wohl bekannteste Zeche ist die Zeche Zollverein, ein ehemaliges Steinkohlebergwerk in Essen, das heute Weltkulturerbe ist.

Situation, in der das Wort angewandt wird: Kommt man in die Lage, in der einem jemand sagt "Du hast die Zeche geprellt.", sollte man eine gute Ausrede parat haben oder schnell laufen können.

Hoppla! Nach dieser Auswahl einiger vom Aussterben bedrohten Wörter, fragen Sie sich eventuell was eigentlich "Pardauz" aus der Überschrift bedeutet. Nun, statt einem "Hoppla" zu Beginn dieses Satzes könnte dort auch ein "Pardauz" stehen.