Unnützes Google-Doodle-Wissen Franz Kafka und die Mogelei beim Griechisch-Abitur

Franz Kafka schrieb Literatur-Klassiker wie "Die Verwandlung" und "Das Urteil" - und wollte sogar einen Schnäppchen-Reiseführer verfassen. Bangen musste der Jurist Kafka um seine mündliche Prüfung im Griechisch-Abitur. Doch da half ein Trick.

Von Tobias Dorfer

Immer wieder zeigt Google auf der Startseite bunte Bilder oder Animationen - und erinnert damit an besondere Menschen oder Ereignisse. Wir sagen Ihnen, was Sie zum Google-Doodle unbedingt wissen müssen. Heute: 130. Geburtstag des 1924 verstorbenen Schriftstellers Franz Kafka.

Das ist zu sehen:

Die Tür geht auf und ein Käfer betritt die Wohnung - oder wie es in Franz Kafkas "Verwandlung" genau heißt: ein "ungeheures Ungeziefer". Die Erzählung ist eines der berühmtesten Werke des Schriftstellers und Google illustriert sein Kafka-Doodle auch deshalb mit eben jenem Getier. Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in Prag geboren. Er zählt heute zu den bekanntesten deutschsprachigen Schriftstellern. Generationen von Schülern haben Erzählungen wie "Das Urteil", welches Kafka in der Nacht auf den 23. September 1912 in nur acht Stunden aufschrieb, gelesen. Viele seiner Werke sollten gar nicht veröffentlicht werden. Kafka hatte seinem Freund Max Brod aufgetragen, Aufzeichnungen nach seinem Tod zu vernichten. Brod widersetzte sich dem Willen. Die Literaturwelt dankt es ihm bis heute.

Dinge, die Sie wissen müssen:

  • Franz Kafka hat beim Abitur geschummelt. Sein langjähriger Mitschüler, der Mediziner Hugo Hecht, berichtet von der gefürchteten Griechisch-Prüfung. Jeder Schüler bekam vom Lehrer einen anderen Text zur Übersetzung ins Deutsche vorgelegt. Ein Klassenkamerad umgarnte die junge Haushälterin des Lehrers, lud sie zum Essen und ins Theater ein. Und tatsächlich: Die Frau organisierte der Klasse das Notizbuch des Lehrers, in dem er die Texte notiert hatte, die jeder Schüler übersetzen musste. Kafka und seine Mitschüler schrieben die Liste ab und die Klasse bestand die Griechisch-Prüfung ohne Probleme, schreibt Hecht. Und niemand merkte etwas: Damit der Schwindel nicht aufflog, fügten die schlechteren Schüler in ihren Übersetzungen einige Fehler ein.
  • Franz Kafka und Max Brod wären beinahe Millionäre geworden. Während einer gemeinsamen Reise überlegten sie, einen neuartigen Reiseführer zu schreiben, der "Billig" heißen sollte. Ein Schnäppchen-Führer für Paris, Prag, die Schweiz und andere Länder also, wie man ihn heute in jeder Buchhandlung findet. Daran erinnerte sich zumindest Max Brod, der sogar Kontakt mit einem Verleger aufnahm. "Wir grenzen ab gegen die Palasthotels und den protzigen unbeholfenen Mittelstand", heißt es in dem Memorandum. Doch weil die beiden Autoren ohne "Riesenvorschuß" ihre Idee nicht preisgeben wollten, wurde der Billig-Reiseführer aus der Feder Kafkas und Brods nie realisiert.
  • Lügen fiel Franz Kafka sehr schwer. Einmal jedoch konnte er sich doch überwinden. Nachdem er die ganze Nacht an seiner Erzählung "Das Urteil" geschrieben hatte, konnte er am nächsten Morgen nicht um 7:45 Uhr ins Büro gehen. Seinem Vorgesetzten schrieb er deshalb: Wegen "Fiebers und eines kleinen Ohnmachtsanfalls" könne er erst am Mittag zur Arbeit kommen.
  • Die Bücher von Franz Kafka werden von Millionen Lesern geliebt. Doch es gab auch Kritik. Siegfried Wolff, Zeitungsredakteur und später Banker, schrieb am 10. April 1917 an den Schriftsteller: "Sehr geehrter Herr, Sie haben mich unglücklich gemacht. Ich habe Ihre Verwandlung gekauft und meiner Kusine geschenkt. Die weiß sich die Geschichte aber nicht zu erklären. Meine Kusine hats ihrer Mutter gegeben, die weiß auch keine Erklärung. Die Mutter hat das Buch meiner anderen Kusine gegeben und die hat auch keine Erklärung. Nun haben sie an mich geschrieben. Ich soll Ihnen die Geschichte erklären. Weil ich der Doctor der Familie wäre. Aber ich bin ratlos. Herr! Ich habe Monate hindurch im Schützengraben mich mit dem Russen herumgehauen und nicht mit der Wimper gezuckt. Wenn aber mein Renommee bei meinen Kusinen zum Teufel ginge, das ertrüg ich nicht. Nur Sie können mir helfen. Sie müssen es; denn Sie haben mir die Suppe eingebrockt. Also bitte sagen Sie mir, was meine Kusine sich bei der Verwandlung zu denken hat. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Dr Siegfried Wolff" (Brieftext zitiert nach: Franz Kafka, Briefe 1914-1917, Kritische Ausgabe, Frankfurt am Main, S.Fischer 2005)
  • Aprilscherze waren schon zur Zeit Kafkas ein großer Spaß. Am 1. April 1921 schrieb die Brünner Zeitung Lidové Noviny einen Artikel, in dem behauptet wurde, Wissenschaftler würden versuchen, Tuberkulose nach dem Einsteinschen Relativitätsprinzip zu heilen. Auf einem Schiff, das nur ostwärts fährt, würden die Patienten zunehmen. Kafka litt selbst an Tuberkulose und befand sich in Kur, als er den Text las. "Ein, zwei Stunden" habe ich daran geglaubt, berichtete er später. Später hat der Schriftsteller seine Familie mit demselben Scherz hereingelegt - ebenfalls mit Erfolg.

Interessant für:

Marcel Reich-Ranicki, Deutschlehrerinnen, Literaturfans mit einem Hang zur Melancholie und alle Männer, die Probleme mit Frauen haben.

Mit diesem Satz können Sie beim Mittagessen punkten:

"Das Glück, das dir am meisten schmeichelt, betrügt dich am ehesten." (Zitat von Franz Kafka)

Sehen Sie alle Folgen unseres Google-Doodle-Wissens hier.