Marcel Reich-Ranicki erklärte Thomas Gottschalk "Aus gegebenem Anlass", wie das Fernsehen zu retten ist: Brecht in die Prime-Time, Helge Schneider raus und ein Angstregime für Intendanten.
Um das Wesentliche zusammenzufassen, nämlich wer laut Marcel Reich-Ranicki "keine Ahnung hat": die Fernseh-Intendanten (keine Ahnung vom Fernsehen), Helge Schneider (keine Ahnung von Unterhaltung), die TV-Journalisten auf der Frankfurter Buchmesse (keine Ahnung von den wirklich berichtenswerten Szenen), Friedrich Schiller (keine Ahnung, wie man Essays an der richtigen Stelle veröffentlicht), Menschen, die behaupten, es gebe "viele Bücher" (keine Ahnung, dass es nur wenige normale Bücher gibt, und der Rest aus "Handbüchern für Hebammen" besteht), Fernseh-Regisseure (keine Ahnung von "ernsten Stoffen", die sie "versauen" und "kaputt machen"), Leute, die meinen, er hätte beim Deutschen Fernsehpreis Mut gezeigt (keine Ahnung, dass dazu kein Mut gehört, weil "in Deutschland die Gestapo nicht mehr regiert"), der Autor dieser Zeilen (keine Ahnung, dass er "Volontär oder Hospitant" sein muss, denn "erwachsene Menschen schreiben längst nicht mehr übers Fernsehen").
Thomas Gottschalk und sein Duzfreund Marcel Reich-Ranicki: "Gehört Mut dazu, zu sagen, dass man das deutsche Fernsehen für schlecht hält? Ich habe Beifall bekommen für Banalitäten." (© Foto: AP)
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Damit wären die Eckpunkte von Marcel Reich-Ranickis Sicht auf die deutsche Fernsehwelt markiert, die er am Freitagabend im Gespräch mit Thomas Gottschalk darlegte. Nachdem Reich-Ranicki am vergangenen Samstag in einer akuten TV-"Blödsinns"-Aversion den Fernsehpreis für sein Lebenswerk abgelehnt hatte, spendierte ihm der ZDF-Co-Intendant Gottschalk noch auf der Bühne die Sondersendung "Aus gegebenem Anlass", in der über die Qualität des deutschen Fernsehens gesprochen wurde.
Anders als geplant, verzichtete man darauf, Vertreter des Privatfernsehens einzuladen, weil das nach Gottschalks Auskunft so wäre, "als wollten wir einen Metzger von vegetarischer Ernährung überzeugen".
Also saßen sie sich bei einem Tête-à-tête im Wiesbadener Kurhaus gegenüber. Gottschalk lehnte sich um Aufmerksamkeit bemüht nach vorn, Reich-Ranicki zeterte aus dem passgenauen schwarzen Leder-Fauteuil heraus, einend wie trennend stand der verschmähte gläserne Fernsehpreis-Obelisk im Raum.
Von seiner Generalkritik, dass fast alles im Fernsehen "Blödsinn, Unsinn, kompletter Dreck" sei, wich Reich-Ranicki nicht ab. Den Einwand, dass das in jedem Medium so ist, auch in der Literatur, weil der Einzelne das massenmediale Angebot stets danach bewertet, wie minimal der Prozentsatz des auf ihn zugeschnittenen Programms ausfällt, lässt er nicht gelten. Für ihn stellt allein die Hochkultur das Reich des Wahren, Schönen und Guten dar. Eine legitime Hypothese, aus der aber kein öffentlich-rechtlicher Programmauftrag ableitbar ist.
Deshalb warb Gottschalk um Verständnis für das vom Quotendruck gebeutelte Medium und für die integrative Kraft von "Wetten, dass...?", die jedoch nur noch in solchen Eigenwerbesendungen widerspruchslos behauptet wird. Was die Mechanismen des Marktes angeht, zeigte Gottschalk sich als hellsichtiger Realist. "Wenn du übers Fernsehen weinst, musst du dich erschießen, wenn du ins Internet guckst."
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In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
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In der Sondersendung Aus gegebenem Anlass", in der über die Qualität des deutschen Fernsehens gesprochen wurde, duellierten sich MRR & Gottschalk, wobei der ZDF-Co-Intendant Gottschalk doch als wahrer Sieger hervorgegangen ist; siehe SZ-Beitrag. Fazit: Vieles, was nicht in den privaten Kanon passte, hatte beim Kritiker keine Chance. RRs These: Literatur und Theater sollten zwar unterhalten ( ), aber nur die TV-Autoren Brecht oder Shakespeare seien gegenwärtig dazu in der Lage ist höchst welt- und TV-fremd. Von seiner Generalkritik, dass fast alles im Fernsehen Blödsinn, Unsinn, kompletter Dreck" sei, wich Reich-Ranicki nicht ab. Ich hatte Herrn RR öffentlich aufgefordert, MRR möge sich zur Buchmesse und der skandalösen Friedenspreisverleihung an Kiefer äußern. Ich erhoffte mir Generalkritik, dass vieles auf der Buchmesse Blödsinn, Unsinn, kompletter Dreck" sei. Aber den Einwand, dass es auch in der Literatur analog so sei, weil der Einzelne das massenmediale Angebot stets danach bewertet, wie minimal der Prozentsatz des auf ihn zugeschnittenen Programms ausfällt, ließ RR nicht gelten. Für ihn stellt allein die Hochkultur das Reich des Wahren, Schönen und Guten dar. Eine legitime Hypothese, aus der aber kein öffentlich-rechtlicher Programmauftrag ableitbar ist, kommentiert Christian Kortmann zu Recht.
An MRRs Homepage-email-Adresse schrieb ich: Sehr geehrter Herr Prof. Reich-Ranicki, Ihre Meinung zum FRIEDENs Preis an Kiefer würde mich interessieren. Im www. finden Sie Artikel von mir. Eine kritische Dokumentation zur Friedenspreis-Verleihung kann man lesen im www: DIE ZEIT-Community mit Kommentaren: OFFENER BRIEF zum FRIEDENSPREIS 2008 & 2009 des Deutschen Buchhandels (Börsenverein): GOOGLE als Preisträger 2009! Vgl. auch ebenda Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki und die FRIEDENs-Preis-Verleihung des Buchhandels 2008. Ob MRR antworten wird?
Haben Anselm Kiefer mit seiner Dankes-Rede und Werner Spies durch seine Laudatio in der Frankfurter Paulskirche die Zweifel des Feuilletons beseitigen können, ob denn der Maler & Objektkünstler den Friedenspreis überhaupt verdient hat? Dazu mehr ausführlich in einem längeren Beitrag in ZEIT ONLINE Community vom 20.10.2008: FRIEDENs-Preis an Kiefer: Tag der Wahrheit und/oder Tag des UN-FRIEDENs?
dann lasst uns den Mantel des Schweigens über all´die Sendungen decken.
Denn letztendlich brauchen wir die Schafe dir nur auf den Schäfer warten, der ihnen zeigt wo es hingehen soll. Beängstigend oder auch nicht, wenn die Schafe dann jedoch den Schäfer nicht mehr vom Wolf unterscheiden können oder wollen.
"Ich kenne nichts ärmers unter der Sonn' als Euch, Götter! Ihr nähret kümmerlich von Opfersteuern und Gebetshauch Eure Majestät und darbtet, wären nicht Kinder und Bettler hoffnungsvolle Thoren" (Goethe, Prometheus). Sturm und Drang muß MRR erfüllt haben, als er den Fernsehgewaltigen mit der Volonté générale aller Bildungshungrigen drohte. Mehr Terreur in den Redaktionen - reißt dem Intendierten Fernsehen die charakterlosen Masken vom Bildschirm! Robespierre der Unbestechliche ist wieder da, entfesselter Menschenformer - an seiner Seite die Nemesis namens Elke, die "Unentrinnbare" (Adrasteia bei Aischylos) - an der Spitze der Tugendhaften, die im Besitz der Wahrheit sind: "Wir sind nämlich viele" (EH).
Froeken Elkes Gespür für Schmäh hat sie nicht verlassen. Zwar ist Nymphe Echo nuurmehr Schall in den Bücherwäldern - Narcissus jedoch, blondgelockter Selbstverliebter, wird abgestraft mit dem "Spiegel"-Bild seiner Unkenntnis. Kritiker Nestor erhebt die Stimme gegenüber "den perrimitiven Machwerreken der Ferrensehfuzzzzies" - von Shakespeare hat er nur einen blassen Schimmer; der Mentor kennt nicht die vielfältigen Adaptionen des Master Will. Fachleute hielten MRR seit je für einen Marktschreier der eigenen Kompetenzüberschreitung, der wie ein Artilleriehauptmann mit seiner Kanon-Kanone auf andere Canones schießt.
Derweilen herrscht Ostrakismus im Forum - die Ban.ausen zählen ihre Scherbchen und würden allzu gern rein in den nächsten Wohlfahrtsausschuß. Rundum Übelnehmende entern die Blogs - fatal klingt das Wort "Blogwart" nach einem unerbittlichen Bildungshausmeister. Pharisäer und sonstige Karlmeier besitzen mehr Glaubensstärke als Überzeugungskraft, drum Freunde ungezügelter Wutausbrüche (weniger von Literarrhetorik und Orthographie).
Überall Gier nach allgemeiner, ja allergemeinster, weil öffentlicher Aufmerksamkeit, zumal im TV-Freudenhaus, wo MRR sein spezielles Chambre séparée gepflegt hat. "Wer so seine Unbestechlichkeit demonstriert, der muß unter seiner Korrumpierbarkeit zu leiden haben": Man darf Walsers "Tod eines Kritikers" für eine abgefeimte Retourkutsche halten - die Infamie dieses Satzes wird nur noch durch seine Wahrhaftigkeit übertroffen.
Und die TV-Philister, diese Menschen ohne geistige Bedürfnisse?! Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber - oder stehen zumindest freudig schw.anzklatschend an der Witzelbank, wenn Freund Raab das Kopfschlächterbeil wetzt. MRR wird sie nicht erretten.