Stephen King: Die Arena Vom Horror der Schneekugel

In seinem aktuellen Roman "Die Arena" stülpt Stephen King eine Kuppel über eine amerikanische Kleinstadt - aus Wut.

Von Jan Füchtjohann

An einem klaren sonnigen Herbsttag wird eine Kleinstadt in Maine plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten. An der Stadtgrenze kommt es zu Kollisionen, ohne dass die Betroffenen wissen, wie ihnen geschieht. Wir aber wissen es, weil wir den Originaltitel des neuen Romans von Stephen King kennen: Chester's Mill liegt "Under the Dome" - eingeschlossen unter einer durchsichtigen, unzerstörbaren Kuppel.

Aber kennen wir das nicht? Das Netz überschlägt sich beim Auflisten möglicher Vorbilder: James Blishs "The Box", Philip K. Dicks "The Cosmic Puppets", "Die Wand" von Marlen Haushofer - lauter Bücher über unsichtbare Wände und isolierte Kleinstädte.

Und dann natürlich die OmniCam-Ecosphere in der "Truman Show" oder der "Dome Sweet Dome" in "Die Simpsons - Der Film". King selbst scheint Skrupel gehabt zu haben wegen seiner nicht mehr ganz frischen Idee: Zumindest hat er sie in die siebziger Jahre zurück datiert, um sie ein bisschen origineller erscheinen zu lassen.

Aber warum hat er sich nichts Neues ausgedacht? Ganz einfach. Weil er ein Bestseller-Autor ist und kein Avantgardist. Als solcher arbeitet er allerdings mit einer avantgardistischen Strategie. Er verwendet bevorzugt literarische Readymades: Fertiges und Bekanntes, auf das er nur kurz Bezug nehmen muss, um seinen Lesern das Gefühl zu geben: "Wir kennen und verstehen uns."

Dieser Logik gehorcht zum Beispiel das Name- und Branddropping, mit dem King sein Buch mit der Referenzhölle des Popuniversums kurzschließt: "Sie waren mit Julias Prius bei den McClatcheys vorbeigefahren, um Joes PowerBook zu holen."

Auch die Erfindung der Kuppel ist eine gute Gelegenheit, die großen Themen unserer Zeit aufzugreifen, sie in eine Schneekugel zu stecken und ein bisschen zu schütteln.

Zuerst wird es dabei eng für die Freiheit: Eben noch small town america, schon herrscht in der neuen Enge die Hitlerjugend. Schuld ist "Big Jim" Rennie, der Barack Hussein Obama schon allein wegen seines zweiten Namens für einen Terroristen hält, der Sarah Palin die Hand geschüttelt hat und dem sein Bart ein "finsteres Nixon-haftes Aussehen" verleiht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wer an der Kuppel schuld ist.