Der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses ist verschoben, jetzt wird nachgerechnet: Viel Geld spart man durch die Entscheidung nicht - aber große Begeisterung hat für das Projekt ohnehin nie geherrscht.
Leitungen, die von der Decke baumeln, regelmäßige Asbestfunde, feuchte Wände. Und so hoch war die Brandgefahr, das Abteilungen für die Öffentlichkeit gesperrt werden müssen - was die Direktorin des Ethnologischen Museums in Berlin, Viola König, vom Zustand ihres Hauses erzählt, klingt furchteinflößend. Seitdem Ende der neunziger Jahre der Plan gefasst wurde, mit der Sammlung, immerhin eine der besten ethnologischen Kollektionen der Welt, ins Berliner Stadtschloss zu ziehen, sei in das Dahlemer Gebäude nichts mehr investiert worden.
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Es wird wohl zunächst beim Modell bleiben: Der Bau des Berliner Stadtschlosses ist verschoben - aber war das wirklich jemals das "spannendste Kulturprojekt der BRD"? (© dpa)
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Anders als die beiden kleineren Häuser für die indische und die ostasiatische Kunst, die vor einigen Jahren gründlich saniert worden waren, vernachlässigte man das Ethnologische Museum - mit fatalen Folgen: Täglich landen Hiobsbotschaften auf dem Schreibtisch der Direktorin. Neben dem Brandschutz sind auch Klima- und Elektrotechnik zum Teil in einem miserablen Zustand. "Man hat das nur ertragen, weil man wusste, dass es nicht mehr lange bis zum Umzug dauert", sagt König, die nach wie vor für eine Verlagerung der Sammlung von Dahlem nach Mitte plädiert.
Doch mit der Entscheidung der Bundesregierung, den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses erst einmal auf Eis zu legen, ist auch der Umzugstermin für das Ethnologische Museum in weite Ferne gerückt - und damit werden die aufgeschobenen Sanierungsmaßnahmen dringender denn je. Kritiker des Schloss-Beschlusses argumentieren deswegen, dass mit der Verschiebung des Projekts, das der Bund mit 440 Millionen Euro zum Großteil finanzieren wollte, kaum Einsparungen erzielt werden können.
Damit nicht genug: Bezifferte Kulturstaatssekretär André Schmitz die Sanierungskosten für den Dahlemer Museumskomplex mit 150 Millionen Euro, weist der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, auf die großen Summen hin, die für Planungen und Vorarbeitungen zum Humboldt-Forum bereits ausgegeben wurden. "Ob man bei alldem von Sparen sprechen kann, weiß ich nicht", so Parzinger. Derselben Meinung ist auch der führende Kunsthistoriker der Humboldt-Universität, Horst Bredekamp. Er unterstreicht, wieviel Geld bereits in den Wiederaufbau des Stadtschlosses geflossen sei. So müssten bereits geschlossene Verträge erfüllt werden. Zudem seien Grundstücke gekauft und Räume angemietet worden, wie Bredekamp dem Rundfunk Berlin Brandenburg erklärte.
Kurzsichtige Sparpolitik
Außerdem wurde Kritik darüber laut, dass mit der Verschiebung des Projekts, die viele als ein endgültiges Aus interpretieren, das Konzept des Humboldt-Forums verloren gehe. So erklärte der Regierende Bürgermeister Berlins Klaus Wowereit (SPD): "Die großartige Idee, auf dem wichtigsten Platz der Hauptstadt die außereuropäischen Kulturen zu präsentieren, wird jetzt kurzsichtiger Sparpolitik geopfert." Ähnlich äußerte sich auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD): "Das größte und spannendste Kulturprojekt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland - die Vollendung der Humboldtschen Idee: der Dialog zwischen Europa und den Weltkulturen in der Mitte Berlins - wird zugunsten weniger wichtiger Baubereiche, zugunsten einiger Autobahnkilometer geopfert."
Doch wenn es sich tatsächlich um eine "großartige Idee" und das "spannendste Kulturprojekt der BRD" handelt, wie Wowereit und Thierse behaupten - warum wollte sich dann in der Öffentlichkeit keine Begeisterung für das Projekt einstellen? Ein Großteil der Berliner Bevölkerung ist gegen einen Wiederaufbau des Schlosses. Auch fand sich kein Minister, der sich engagiert für das Projekt einsetzte. Sicherlich wäre es sonst nicht so schnell auf die Streichliste gewandert. Der Grund dafür dürfte auch im unklaren Konzept liegen. Die Mischnutzung des Humboldt-Forums - es sollte Museum, Bibliothek und kultureller Veranstaltungsort sein - wollte bis zuletzt nicht recht einleuchten, und das wurde um so deutlicher, je weniger die Idee mit der barocken Hülle korrespondierte.
Auch wenn sich der Architekt Franco Stella, der den Wettbewerb für den Wiederaufbau des Stadtschlosses gewonnen hatte, jetzt gegen eine "Denkpause" ausspricht und nur eine "Geldpause" akzeptieren will (schließlich bedeute der Wiederaufbau des Schlosses auch "eine Wiedergewinnung von Erinnerung und Identität"), sollte man nicht die Möglichkeit verstreichen lassen, das Konzept des Humboldt-Forums noch einmal zu diskutieren. So etwas hatte auch schon der Berliner Abgeordnete Thomas Flierl (Linke) gefordert, nachdem die Hauptstädter das Schloss in einer Forsa-Umfrage abgelehnt hatten: "Das Votum der Berliner verdeutlicht den Mangel des Projektes: Bisher wurde zum Schloss eine Architekturdebatte geführt. Wir müssen uns aber erst über die Inhalte im Klaren sein, dann kann das Schloss auch später gebaut werden."
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(SZ vom 09.06.2010)
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man fasst es nicht. Nostalgie. Die selbstverliebten Popanze, die sich Politiker nennen versuchen sich ihr eigenes Denkmal zu setzen. Aber die Geschichte beurteilt sie zum Schluss anders. Herr Kohl musste das auch lernen.
Gott sei Dank ist der Höhenflug der Fanatiker .die ein neues Stadtschloss haben wollten gestoppt worden!
Das Stadtschloss kann nicht gebaut werden !-
Ich bekam immer rote Ohren, wenn ich von dem Vorhaben gelesen habe.
Wir haben über eine Billion Euro Schulden,trotzdem gibt es noch immer unnötige
Wahnsinns-Projekte.
Ein Projekt steht in Nürnberg - Mahnmal für alle Zeiten.
Wir haben andere Sorgen ! -
"dass mit der Verschiebung des Projekts, das der Bund mit 440 Millionen Euro zum Großteil finanzieren wollte, kaum Einsparungen erzielt werden können."
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Da wird aber super hinterfragt. Sagt mal SZ, denkt Ihr auch mal selber? Wenn die schlappen 440 Mio (die hinterher garantiert das Doppelte kosten) nicht ins Gewicht fallen, dann überweist mir einfach mal ein Viertel. Ist ja kaum der Rede wert.
Dass niemand ein Schloss will, über dessen Nutzung noch dazu völlige Unklarheit herrscht, jedenfalls bei breiten Teilen der Bevölkerung, sollte endlich akzeptiert werden. Gegen einen Umzug von Museen auf den Schlossplatz hätte aber wohl kaum jemand seine Stimme erhoben. Es ist diese spätfeudalistische Bewegung, die gleich nach dem Scheitern des Sozialismus für eine Menge von Ressentiments gesorgt hat.
Deswegen wurden die gefundenen Kompromisse auch weitgehend ignoriert.
Aus dem Baubeginn 2014 wird wohl auch nichts werden, weil mitten im Gedenkjahr zum Ausbruch des 1. Weltkrieges wohl kaum jemand den Mut aufbringen wird, den Grundstein für eine neues Schloss zu legen. Vielleicht ist das auch gut so.