Rassismus-Vorwürfe gegen Hallervorden Schwarze anmalen verboten

Dieter Hallervorden sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt, weil er am Berliner Schlossparktheater einen Schwarzen von einem Weißen spielen lässt. Gegner fühlen sich an rassistische Codes aus den USA erinnert und fordern die Absetzung. Das Theater sagt, es hätte einfach keinen passenden schwarzen Schauspieler gefunden.

Von Peter Laudenbach

Sein "Palim Palim" dürfte Dieter Hallervorden dieser Tage im Hals stecken bleiben. Der Boulevard-Veteran und Leiter des Berliner Schlossparktheaters sieht sich im Internet wütenden Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt.

Seine neue Produktion ist Herb Gardners etwas sentimental menschenfreundliches Stück "Ich bin nicht Rappaport". Zwei alte Männer auf einer Parkbank räsonieren über das Leben. Und weil der Autor das so verlangt, ist einer der beiden ein Schwarzer, in Berlin gespielt von Joachim Bliese, der die Rolle am selben Theater schon 1987 bei der deutschen Erstaufführung übernommen hat. Damals war sein Partner Bernhard Minetti, diesmal ist es Dieter Hallervorden.

Seit der Erstaufführung lief das Stück an etwa vierzig deutschen Theatern, nur in zwei Inszenierungen war der Darsteller des Schwarzen ein Schwarzer. Auf die Idee, dass die Besetzung mit einem weißen Schauspieler, der schwarz geschminkt ist, rassistisch sein könnte, kam niemand. Das ist seit dem 4. Januar, drei Tage vor der Premiere, anders.

Seitdem bricht via Internet eine Protestflut über das Theater hinein. "ABSETZEN!", fordert ein "Riot Grrrl Grrrmany" in Großbuchstaben, ebenso wie die Münchner Sektion der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland". Und für eine Lilia Feigenblatt ist das, was das Schlosspark Theater macht, schlicht "rassististische Kackscheiße!".

Was war geschehen? Das Theater hatte das Plakat mit Hallervorden und dem schwarz geschminkten Bliese online gestellt. "Wir dachten, wir sind ganz schön mutig", sagt Pressesprecher Harald Lachnit. Nicht wegen Bliese, sondern weil Hallervorden einen Joint hält. Aber ein kiffender Rentner ist im Zweifel politisch korrekt. Ein schwarz geschminkter Weißer erinnert zumindest an Cultural Studies geschulte Kenner an ein eindeutig rassistisch codiertes US-Theatergenre: die Black Face Shows des 19. Jahrhunderts, in denen weiße Darsteller rassistische Stereotypen über die lustigen Schwarzen ausstellten.

Schwarz geschminkte Weiße machen die Schwarzen zu "Bimbos"

Spike Lee hat das in seinem Film "Bamboozled" angemessen aggressiv auseinander genommen: Die Bilder von tanzenden, Melone futternden, Augen rollenden, schwarz geschminkten Weißen machen die Schwarzen zu "Bimbos". Ein Mechanismus wie in Veit Harlans NS-Film "Jud Süß", wo der deutsche Schauspiel-Star antisemitische Stereotypen ausgestanzt hat.

"Wir wollen bestimmt niemanden beleidigen", sagt der Pressesprecher des Theaters. "Natürlich sind wir gegen Rassisten und Nazis. Wir haben schlicht keinen etwa 60-jährigen schwarzen Darsteller für die Rolle gefunden." Thomas Schendel, der Regisseur des Abends, fragt in einem offenen Brief an seine Kritiker leicht genervt, ob es etwa auch rassistisch sei, wenn Anna Netrebko Aida singt und Gert Voss Shylock spielt.

Wie das Schlosspark Theater mit der Problematik umgeht, mag nicht sehr geschickt sein, aber kann man Hallervorden im Ernst vorwerfen, dass er kein Fachmann für Black Face Shows ist? Und ist, was in den US-Südstaaten um 1900 rassistisch codiert war, das auch 2012 in Berlin? Sollte man die Denunziationskraft der Bilder und Spielweisen nicht etwas genauer untersuchen, statt mit der dumpfen Formel "Weißer spielt Schwarzen = Rassismus" ein Theater unter Generalverdacht zu stellen?